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Abgelehnter CSU-Vorschlag: Über Aufschüttungen, ein mehrstöckiges Multifunktionshaus und die Landsberger Straße gelangt man zur Gilchinger Glatze. Vom Kreisel aus führt zudem eine Straße unter der S-Bahn hindurch zur Karolingerstraße.

Ortsentwicklung

CSU kündigt „Kampf mit allen Mitteln“ an

Der Bauausschuss hat eine weitere Verbindungsstraße zur Gilchinger Glatze abgelehnt. Damit will sich die CSU nicht abfinden. 

Gilching – Die Stimmung im Sitzungssaal des Rathauses Gilching war aufgeheizt. Was weniger an den sommerlichen Außentemperaturen als vielmehr an der Forderung der CSU lag, den Verkehr innerorts durch eine weitere Straße zu entlasten. Nachdem der Bauausschuss den Antrag als kontraproduktiv abgelehnt hatte, kündige Fraktionssprecher Paul Vogl in der Sitzung am Montag „einen Kampf mit allen Mitteln“ an.

Eine so genannte Landschaftssenke von der Gilchinger Glatze unter der S-Bahn hindurch bis zu Landsberger Straße hat der Gemeinderat mit Blick auf die zwölf Hektar große Fläche im Gilchinger Zentrum längst beschlossen. Dieser Bereich soll künftig als autofreie Zone Fußgängern und Radfahrern vorbehalten bleiben. Mit einer in Eigenregie entwickelten Planung überraschte vor etwa einem Jahr jedoch die CSU-Fraktion (wir berichteten). Danach soll die rund 18 Meter breite Senke zugunsten einer Verbindungsstraße gestrichen werden. Die von der CSU-Fraktion favorisierte Trassenführung beginnt beim neuen Kreisel am Porsche-Zentrum im Ortsteil Argelsried, führt hinter der James-Krüss-Grundschule vorbei über die Landsberger Straße und unter der S-Bahn hindurch und trifft dann auf den jetzigen Bahnweg. Von dort soll der Verkehr auf den Starnberger Weg beziehungsweise auf die Andechser Straße geleitet werden. Hauptargument ist laut Vogl, dass die rund 2000 Bewohner, die auf der Glatze eine neue Heimat finden sollen, irgendwie aus dem Gebiet herauskommen müssen.

Verkehrs- und Stadtplaner Christian Fahnberg war da anderer Meinung. Er befürchtet, dass mit einer zusätzlichen Straße im Zentrum von Garching der Durchgangsverkehr erheblich zunimmt. „Jedes Loch, das aufgemacht wird, wird auch durchfahren. Es werden dann Menschen, die eigentlich Gilching umfahren wollten, die Abkürzung nehmen.“ Außerdem werde sich Verkehr anders als von der CSU prophezeit mit Fertigstellung der Westumgehung und auch nach Zuzug der 2000 Bewohner nicht nennenswert erhöhen. Generell mahnte Fahnberg: „Wir müssen alle unser Verhalten ändern. Anders ist das allgemein zunehmende Verkehrsaufkommen nicht mehr in den Griff zu bekommen.“

Bereits zu Sitzungsbeginn hatte Vogl eine Vertagung der Entscheidung und eine Sondersitzung des Gemeinderats beantragt. Seiner Meinung nach könne nicht über die Straße abgestimmt werden, ohne dass er sein Gesamtkonzept in einem rund eineinhalbstündigen Vortrag erkläre. Damit löste er eine hitzige Diskussion aus.

Thomas Reich (FW) erklärte, dass Vogl das Konzept den Fraktionen bereits vorgestellt habe und darüber auch ausführlich beraten worden sei. Er fand es unverständlich, dass die CSU-Räte Christian Bauer und Dorothea Heutelbach für die Streichung der Landschaftssenke plädierten und zudem bemängelten, dass trotz reger Bautätigkeit nichts für die Infrastruktur getan werde. Dem widersprach Reich.

„Wir haben Rad- und Fußwege gebaut, Ampelanlagen installiert und nicht lockergelassen, die Westumgehung zu realisieren. Es war auch eine weise Entscheidung des Gemeinderats, die Glatze zu 50 Prozent unbebaut zu belassen und somit einen autofreien Park mitten in Gilching zu bekommen“, sagte er. Es sei explizit die CSU gewesen, die vor nicht allzulanger Zeit Wert auf die Landschaftssenke gelegt habe.

Wie berichtet, monierten Bauer und Heutelbach in der Dezembersitzung 2017, dass aus formaltechnischen Gründen die Landschaftssenke vom Rest der Bebauung abgekoppelt und als eigenes Projekt behandelt werden soll. Bauer befürchtete damals, dass die Senke auf die lange Bank geschoben werde und ohne sie keine Chance mehr bestehe, wie geplant, die „kleine Landesgartenschau“ nach Gilching zu holen. Fraktionskollegin Heutelbach erinnerte daran, dass der Stuttgarter Architekt Rommel, der für die Planung verantwortlich zeichnet, ohne die Landschaftssenke „nicht den ersten Preis“ bekommen hätte.

Nachdem das Gremium die CSU-Anträge abgelehnt hatte, kündigte Vogl an: „Wir werden alle Mittel ausnutzen. Wir kämpfen bis zum Letzten. Dann wird es wahrscheinlich noch länger dauern mit der Umsetzung der Bebauung.“

Uli Singer

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