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Mit der Schwimmnudel im Gilchinger Verkehr: ADFC-Mitglied Jörg Dreßler fährt vorweg. 

Aktion der ADFC-Ortsgruppe Gilching

Distanz wahren mit Schwimmnudel

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Der Gilchinger ADFC demonstrierte am Montag auf der Römerstraße, wie viel Abstand Autofahrer von Radfahrern halten müssen, wenn sie überholen. Dabei dienten den Radlern Schwimmnudeln als Hilfsmittel.

Gilching – Radler freuen sich über jeden Autofahrer, der vom Gas geht und in einem großen Bogen um sie herumfährt. 1,50 Meter Mindestabstand, das haben alle mal in der Fahrschule gelernt. Viele haben es aber auch wieder vergessen. Um dieses Wissen aufzufrischen, initiierte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) am Montagnachmittag in Gilching eine Aktion. Wichtigstes Hilfsmittel: bunte Schwimmnudeln.

Peter Schmolck, Sprecher der ADFC-Ortsgruppe Gilching, ist routinierter Radler und hatte die Aktion organisiert. Anders als bei einer „Poolnudeldemo“ in Herrsching im Juli, radelte Schmolck mit einem festen Stamm an Mitstreitern los. Im dichten Nachmittagsverkehr auf der Gilchinger Römerstraße setzte sich der Trupp mit 14 Radlern gegen 16.15 Uhr in Bewegung. Die 1,60 Meter breiten Nudeln hatten die Teilnehmer zuvor mit Kabelbindern auf ihren Gepäckträgern befestigt. Dabei waren sie selbst erstaunt, wie lang die 1,50 Meter waren, die von den bunten Nudeln übrig blieben und die Autofahrer auf Distanz halten sollen. Über die Römerstraße radelten die Teilnehmer in großen Abständen bis ins Altdorf und wieder zurück.

Viele Autofahrer mussten sich mit dem Überholen gedulden

Die Autofahrer trugen es mit Fassung. Zwangsweise fuhren sie in großen Bögen um die Radler und ihre bunten Schwimmnudeln herum. Das geht bei 1,50 Meter Abstand nur, wenn die Gegenfahrbahn leer ist. Meistens mussten sie sich also gedulden. „Auch das muss vermittelt werden: Das man als Autofahrer auch mal ein Stück hinter dem Radler herfahren muss“, findet Schmolck. Seine Mitradler freuten sich indessen über das sichere Gefühl, wenn Autofahrer auf Distanz bleiben.

Ida Harms, sieben Jahre alt und auch schon eine tüchtige Fahrradfahrerin, strahlte nach der kleinen Tour über das ganze Gesicht. Wie hat sich das angefühlt, wenn die Autofahrer Abstand halten? „Gut!“, sagt sie. Eigentlich darf sie ja noch auf dem Bürgersteig fahren. „Aber die Fußgänger erschrecken sich manchmal, es ist immer wieder schwierig“, erklärt Mutter Maike, die mit Rad und Anhänger unterwegs ist. In diesem sitzt die dreijährige Fine, aus den Satteltaschen lugt der Einkauf. Die junge Gilchinger Familie verzichtet auf ein Auto und ist in diesen Ferien durch ganz Deutschland geradelt. Die Situation der Radler in Gilching findet Maike Harms schwierig. Sie ist auch schon in der Gemeinde vorstellig geworden, aber wenig erfolgreich. Die 37-Jährige wünscht sich mehr Konzepte, die Autos unnötig machen. Dann zeigt sie auf die vorbeirauschenden Autofahrer auf der Römerstraße: „Die fahren alle einzeln.“ Dabei sei Radfahren eine Notwendigkeit. „Das hat auch nichts mit Idylle zu tun.“ In der Gilchinger Verwaltung jedoch gebe es „zu wenige engagierte Kräfte“.

In Gilching verstärkt sich die Forderung nach einer Umgehungsstraße

Dieser Meinung sind auch Schmolck und alle anderen. Martin Pilgram, Grünen-Gemeinderat und an diesem Nachmittag als Fotograf im Einsatz, findet, „das alles raus auf die Umgehungsstraße müsste“. Und Schmolck beklagt den Umstand, dass die Verwaltung zwar schon viel Geld ausgegeben habe für Planungen, jedoch niemand wüsste, was jetzt wirklich geschehe. Max Huber vom Gilchinger Bauamt indessen hatte auch gegenüber dem Starnberger Merkur immer wieder betont, dass mit der Rückstufung der Römerstraße ein Umbau einhergehe, der Radlern und Fußgängern mehr Raum geben soll. Doch Schmolck ist skeptisch.

Gemeinsam mit Kilian Häuser (ADFC) pflegt Schmolck schon länger eine umfangreiche Mängelliste. Fehlende Markierungen, im Nichts endende Radwege, überflüssige Umwege und fehlende Verbindungswege – die Liste ist lang. Gerüchteweise hat Schmolck von der Einrichtung eines großen Einbahnstraßenrings in Gilching gehört. „Keine Ahnung, ob was dran ist.“ Dies könne jedoch Raum schaffen für die richtige Lösung: „Nämlich räumlich voneinander und von der Fahrbahn und dem ruhenden Verkehr getrennte Geh- und Radwege.“

ADFC-Mitglied Daniela Rieder: „Der Verkehr ist am Limit“

Daniela Rieder, ADFC-Mitglied aus Starnberg, ist vom dichten Verkehr auf der Römerstraße am Montagnachmittag beeindruckt. „Insgesamt ist der Verkehr am Limit“, findet sie. Und fährt Mountainbike, damit sie so wenig wie möglich auf der Straße radeln muss. Zu groß ist ihre Sorge, von einem Autofahrer erwischt zu werden, „nur weil der gerade eine SMS tippt“. Die Schwimmnudelaktion findet sie gut. „Viele haben einfach vergessen, wie groß der Mindestabstand sein muss.“ Auch Schmolck ist schließlich ganz zufrieden. „Es geht uns darum, Aufmerksamkeit zu bekommen.“ Die nächste Aktion ist schon in Planung: Am Freitag, 18. Oktober, veranstaltet der ADFC eine Radl-Demo für sichere Schulwege. Treffpunkt ist um 16 Uhr auf dem Gilchinger Marktplatz.

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