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Die Plätze reichten im Rathaussaal nicht aus: Bürgermeister Manfred Walter (r.) zog in Gilching Bilanz. 

Bürgerversammlung 

Gilching fürchtet das Flächenlimit

Rund 250 Gilchinger interessierte am Donnerstagabend der Jahresbericht ihres Bürgermeisters Manfred Walter. Ein Schwerpunkt war der Verkehr. Sorgen macht Walter die von der Bundesregierung geplante Kontingentierung des Flächenverbrauchs.

Gilching – Der Veranstaltungssaal im Rathaus Gilching fasste den Ansturm der Besucher nicht. Stühle wurden herbeigeschleppt und die Türen zum Foyer geöffnet. Für Walter ein gutes Zeichen für eine interessierte Bürgerschaft. Im Rahmen seines Rechenschaftsberichts bedauerte er insbesondere die Tarifreform des MVV. Wie berichtet, kostet künftig eine Monatskarte, Tarifzone Gilching-Argelsried und Neugilching, 113,40 Euro, ab Geisenbrunn jedoch nur 88,90 Euro. Dies bedeutet, dass viele Pendler aus den Nachbargemeinden mit dem Auto zum S-Bahnhof Geisenbrunn fahren, um die Differenz von 24,50 Euro monatlich einzusparen, befürchtet Walter. „Das wird enorme Auswirkungen auf Geisenbrunn haben, weil die Parkplätze nicht ausreichen und deshalb wild geparkt wird. Leider haben wir beim MVV kein Gehör gefunden, unsere Interventionen haben nicht gefruchtet.“

Die Vorgabe der Regierung, beim Flächenverbrauch zu sparen, beschäftigt Walter ebenfalls. Laut Koalitionsvertrag dürften deutschlandweit künftig nur noch fünf Hektar pro Tag für Bauvorhaben ausgewiesen werden. „Für Gilching bedeutet dies rund 27 500 Quadratmeter im Jahr“, erklärte Walter. Das Gesetz gelte dann für alle Baumaßnahmen, private wie öffentliche, den Straßenbau, Bahnstrecken, Sportanlagen sowie Schulen, Kindertagesstätten und Wohnungsbau. „Wir brauchen aber Bauland, und was passiert, wenn das Kontingent überschritten wird? Sollen wir dann ins Fränkische gehen und denen Flächenkontingente abkaufen? Das wäre der Start im Sinne eines Kontingenten-Handels.“ Im Vergleich führte Walter an, dass ohne Grund für private Bauvorhaben bereits für die Westumfahrung, den Autobahnausbau, die Bebauung der Gilchinger Glatze, das neue Feuerwehrgerätehaus sowie die geplante Kindertagesstätte an der Frühlingsstraße rund 28 000 Quadratmeter Bauland ausgewiesen werden müssten. „Da müssen wir ernsthaft überlegen, was für Gegenmaßnahmen Sinn machen.“

Als erfreulich bezeichnete Walter, dass der Zweckverband Wohnen bald dort, wo das alte Rathaus stand, mit dem Bau von 18 Wohneinheiten beginnen wird. „Ein Anwohner und ein Rechtsanwalt haben es tatsächlich geschafft, dass es drei Jahre gedauert hat, bis gebaut werden konnte“, fügt er hinzu.

Nach dem Rechenschaftsbericht kamen die Bürger zu Wort. Viel zu klagen gab es nicht. Schwerpunktthemen waren der fließende sowie der ruhende Verkehr, Wohnwagen, die wochenlang an den Straßenrändern stehen, Einfahrten sowie Feuerwehrzufahrten, die zugeparkt sind und Garagen, die als Rumpelkammer, aber auch als Gästezimmer zweckentfremdet werden. Was das „unerträgliche Verkehrsaufkommen“ angeht, wie mehrere Besucher es ausdrückten, mahnte der Zuhörer Karlheinz Huber: „Viele Probleme sind hausgemacht. Warten wir doch erst einmal ab, wie es nach der Fertigstellung des Autobahn-Ausbaus aussieht und wie sich die Eröffnung der Westumgehung auf den Verkehr auswirkt. Erst danach sollten Maßnahmen überlegt und umgesetzt werden.“

Uli Singer

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