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In diesem Haus an der St. Gilgener Straße sollten ab 1. April bereits Kinder betreut werden. Dafür hat die Erzieherin Zsanett Nemeti (Foto) mit der Kinderpflegerin Monika Üblacker Schulden gemacht, die Räume umbauen lassen. Auf der Kippe steht das Projekt nun trotzdem.

Private Kinderbetreuung in Gilching

„Alimonia Kids“ am seidenen Faden

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Sie haben alles riskiert, doch nun stehen sie mit dem Rücken zur Wand: Zsanett Nemeti und Monika Üblacker wollen in Gilching eine private Kinderbetreuung anbieten, am 1. April sollte sie eröffnen. Das Projekt droht nun an einem Nachbarn und behördlichen Auflagen zu scheitern.

Gilching – Bis zu 30 Kinder einer Großtagespflege in Gilching drohen auf der Straße zu stehen, die beiden Betreiberinnen Zsanett Nemeti und Monika Üblacker stehen vor dem Ruin. Schuld sind 60 Zentimeter Abstandsfläche. „Es ist eine Katastrophe“, sagt Gilchings Bürgermeister Manfred Walter.

„Es ist für die Gemeinde sehr wichtig, dass die Betreuungseinrichtung eröffnet wird.“ In Gilching gebe es ohnehin schon eine Warteliste, auf der über 60 Kinder stehen. Deshalb kam Walter das Angebot der Erzieherin Zsanett Nemeti und der Kinderpflegerin Monika Üblacker auch gerade recht: Das Duo wollte eine Großtagespflege für bis zu 30 Kinder eröffnen (wir berichteten). Der Name: „Alimonia Kids“. Nach beinahe einjähriger Suche wurden in zwei Gebäuden in der St.-Gilgener- und einem in der Sonnenstraße die passenden Räume gefunden. Dort wäre eigentlich auch alles bereit. Die Gemeinde hat zudem bereits eine Anschubfinanzierung samt Mietkostenübernahme zugesagt. Nur die Betriebserlaubnis fehlt noch.

„Unsere Eröffnung für die beiden Häuser in der St. Gilgener-Straße war für den 1. April geplant“, berichten Nemeti und Üblacker. Doch eine Woche davor kam die böse Überraschung. Das Landratsamt verweigerte die Genehmigung zur Nutzungsänderung, weil die Abstandsfläche zu einem Nachbarn um 60 Zentimeter unterschritten ist. Die beiden Betreiberinnen fühlen sich vom Landratsamt gegängelt, zumal ihnen schon zuvor zahlreiche Steine in den Weg gelegt worden seien. Unter anderem habe die Kreisbehörde bereits eine Nutzungsänderung für ehemalige Horträume an der Lilienthalstraße aus emissionsschutzrechtlichen Gründen nicht genehmigt. Für die jetzigen Räume seien scheibchenweise immer mehr Auflagen gemacht worden, die Nemeti und Üblacker jedoch alle erfüllt hätten.

Das Abstandsflächenproblem liegt nun jedoch nicht mehr in ihrer Hand. Walter nimmt das Landratsamt jedoch in Schutz. Schuld sei vielmehr ein Nachbar. „Der hatte die mündliche Zusage gegeben, die Abstandsflächen zu übernehmen.“ Diese Zusage habe er dann aber kurz vor der Eröffnung wieder zurückgezogen. Stefan Diebl, Sprecher der Kreisbehörde, erläutert, dass das Baurecht in dieser Frage eindeutig sei: „Es gibt bei den Abstandsflächen keinen Ermessensspielraum.“ Diese seien für Haftungsfragen beim Lärm- und Brandschutz erforderlich. Dem Amt liegt es laut Diebl nicht daran, die beiden Betreiberinnen zu gängeln: „Wir helfen, wo wir können, und sind in ständigem Austausch mit dem Architekten.“ Bürgermeister Walter ergänzt: „Der Kreisbaumeister hat mir bestätigt, dass er liebend gerne so schnell wie möglich die Genehmigung erteilen würde.“ Allerdings seien ihm die Hände gebunden.

Beinahe zu vernachlässigen ist da schon das Problem bei einem weiteren Haus. Dort hat der Vermieter eine Tektur eingereicht, für die er die nötigen Stellplätze nicht nachweisen kann. In diesem Fall könnte aber der Gilchinger Gemeinderat Abhilfe schaffen, wie Diebl erklärt: „Es liegt an dem Gremium, darüber zu entscheiden, ob es einer Ablöse der Stellplätze zustimmt.“

Für Nemeti und Üblacker ist das kein Trost. Sie stehen mit dem Rücken zur Wand. Im Glauben, dass die Erteilung der Betriebserlaubnis nur noch Formsache sei, haben sie für inzwischen durchgeführte Umbauten einen Kredit in Höhe von 100 000 Euro aufgenommen. „Das Personal wurde eingestellt, und die 30 Familien aus Gilching verlassen sich auf uns“, sagt Nemeti. Findet sich keine Lösung, müssen die „Alimonia Kids“ noch vor der Eröffnung Insolvenz anmelden. „Wir wissen nicht weiter“, sagt Üblacker verzweifelt.

Walter tut alles, um dem Duo zur Seite zu stehen. Allerdings sei auch die Kommune in den konkreten Fällen machtlos, da es sich um privatrechtliche Dinge handle. Um das Insolvenzrisiko der Betreiberinnen zu minimieren, ist die Kommune nun auf der Suche nach Interimsräumen. Räume für eine bis zwei Gruppen seien dabei in Aussicht. „Wir suchen weiter, aber in Gilching etwas zu finden, ist schwer“, sagt Walter, der die „Alimonia Kids“ lieber heute als morgen im Betreuungsangebot in der Gemeinde sehen würde. „Die Betreiberinnen machen einen super Job. Es ist schade, dass sie durch die Entscheidungen Dritter in so eine Abwärtsspirale gezogen wurden.“

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