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Diese Amsel hatte sich in einem Netz verfangen, das Beerensträucher vor Räubern schützen sollte. Ein Schnitt, und die Amsel war befreit. 

Tiere halten Feuerwehr auf Trab

  • Stephan Müller-Wendlandt
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Das ist in der Einsatzchronologie der Freiwilligen Feuerwehr Gilching einmalig. Seit vorigem Samstag ist die Hilfe der ehrenamtlichen Retter an fünf Tagen viermal angefordert worden. In allen Fällen waren Tiere Auslöser der Alarmierungen.

Gilching – Die Freiwillige Feuerwehr Gilching ist im zu Ende gehenden Monat Mai bislang (Stichtag: Mittwoch, 27. Mai) zu elf Einsätzen gerufen worden. Das Kuriosum: Bei den vier vorläufig letzten Fällen handelte es sich um Kleintierrettungen, wie die Einsatzchronik der ehrenamtlichen Helfer ausweist. Und die passierten innerhalb von nur fünf Tagen.

Der „Lauf“ startete am vorigen Samstag. Kommandant Robert Strobl erhielt über die Leitstelle die Mitteilung, ein Eichhörnchen habe sich in ein Geschäft in Gilching verlaufen. Für Strobl war das kein Grund, eine größere Einsatztruppe in Marsch zu setzen. Er selbst begab sich an den Ort des Geschehens. In dem Lottoladen spürte der Feuerwehrkommandant das flinke Tier in einem Lagerraum auf. Es dauerte nicht einmal eine halbe Stunde, bis Strobl den Nager ins Freie gescheucht hatte. „Die Inhaber des Ladens konnten oder wollten das nicht alleine erledigen“, kommentiert Strobl den Einsatz. „Die Anspruchshaltung gegenüber der Feuerwehr ist in der Bevölkerung in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen.“

Da war die Alarmierung am Dienstag von einem ganz anderen Kaliber. In Etterschlag war einem Imker ein Bienenvolk ausgekommen. Es hatte sich um seine Königin wie eine Traube in einer Baumkrone niedergelassen. Die örtliche Feuerwehr rief die Gilchinger Kameraden, die über eine Drehleiter verfügen, um Unterstützung. Mit dem Korb der Leiter beförderten die Ehrenamtlichen den Imker hinauf zu seinem Bienenvolk. Der Mann konnte die Insektenschar in einem geeigneten Kasten wieder auf den Boden zurückbringen. „Es bestand die Gefahr, dass das Volk dort oben im Baum verendet“, rechtfertigt Kommandant Strobl diesen Einsatz.

Die dritte Tierrettung gelang am Mittwoch Vizekommandant Michael Klinglmair. Im Maschendrahtzaun eines privaten Anwesens in Gilching hatte sich ein Igel verfangen. „Er kam weder vor noch zurück“; berichtet Klinglmair. Die Gartenbesitzer hatten Sorge, das Tier bei einem Befreiungsversuch zu verletzen, und riefen nach der Feuerwehr. Der stellvertretende Kommandant weitete ein wenig die Stelle im Zaun, wo das Stacheltier festsaß – und schon war der Igel frei. Da er augenscheinlich keine Verletzung davongetragen hatte, entließ ihn Klinglmair in die Freiheit.

Keine Stunde später musste der Vizekommandant nochmals in Aktion treten. Eine Amsel hatte sich mit einem Flügel in einem Netz verfangen, das in einem privaten Garten um einen Beerenstrauch gelegt worden war als Schutz vor gefräßigen Räubern. Kinder hatten das hilflose Tier entdeckt, trauten sich aber nicht, den Vogel anzufassen. Klinglmair machte kurzen Prozess: „Ein Schnitt am Netz und schon war der Flügel frei“, berichtet er.

Übrigens: Beim ersten Feuerwehreinsatz im Mai hatte auch eine Tier eine Rolle gespielt. Ein alter Bekannter der Ehrenamtlichen. Es handelte sich um einen Schwan, der schon seit Jahren sein Revier am Ortsrand zwischen Rottenrieder und Römerstraße besetzt. Er ist nicht scheu, lässt auch Menschen an sich herankommen, wovon die Feuerwehr allerdings abrät. Denn das Federvieh ist durchaus aggressiv. Es wird von einem Landwirt und dessen Familie aus der Nachbarschaft umsorgt. Spaziergänger wissen das nicht immer und meinen, dem Tier helfen zu müssen. Deshalb sind schon mehrere Male die Feuerwehrler zu Hilfe gerufen worden. Auf ihrer Internetseite schreiben sie daher vorsorglich: „Bitten lassen Sie das Tier in Ruhe. Dem Schwan geht es schon seit einigen Jahren an diesem Platz gut.“

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