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Die Brache des ehemaligen Post-Hochhauses an der Römerstraße in Gilching. Die Raiffeisenbank hat hierfür große Pläne.

Ein Klotz, der alles überragt - Diskussionen um Bebauung in Ortsmitte dauern an

In Gilching wird weiter über die Bebauung der Ortsmitte mit Geschäfts- und Ärztehaus diskutiert. CSU-Gemeinderat Paul Vogl nimmt jetzt kein Blatt vor den Mund.

Gilching Hat die Raiffeisenbank in Gilching die Gemeinde in Bezug auf ihr Bauvorhaben über den Tisch gezogen oder hat der Gemeinderat geschlafen? Wie berichtet, wurde das von dem Geldinstitut geplante Geschäfts- und Ärztehaus an der Römerstraße im Bauausschuss abgelehnt. Unter anderem wegen fehlender Stellplätze und wegen der Gebäudegestaltung.

Über Monate war es um das neue Wohn- und Geschäftshaus der Raiffeisenbank still gewesen, das anstelle des Posthauses das Ortszentrum städtebaulich aufwerten sollte. Entsetzt reagierte der Bauausschuss auf die Pläne, die ihm kurzfristig vorgelegt wurden. Es fehlte nicht nur eine Etage mit 24 Stellplätzen der propagierten zweistöckigen Tiefgarage, auch das Bauvolumen war weit massiver ausgefallen als geplant. Seither hagelt es Kritik – in der Verwaltung und im Entscheidungs-Gremium. Auch in der Bevölkerung wird die Planung als „hässlicher Bank-Klotz“ gehandelt. Spätestens, seit auf Facebook ein 3-D-Modell die Runde macht. „Vom schönen Dorf zur versiegelten Infrastruktur. Wie kann so vieles so schief gehen?“, lautet einer von 60 Kommentaren.

Vorwürfe richten sich auch gegen die Gemeinde, bei der Überplanung des Herzstückes im Zentrum nicht aufgepasst zu haben. „Dieser Vorwurf ist nachvollziehbar“, räumt CSU-Gemeinderat Paul Vogl ein. „Ich gehöre mit zu denjenigen, die sich seinerzeit dafür eingesetzt zu haben, dass die Gemeinde das wertvolle Eckgrundstück an der Rathausstraße an die Raiffeisenbank verkauft. Das bereue ich heute sehr. Seitens der Bank wurde uns damals gesagt, dass der allgemein geforderte Vollsortimenter nur bei einer Größe von 1200 Quadratmeter möglich wird und deshalb die Gemeindefläche mit integriert werden muss. Es war auch immer von einer offenen, transparenten Bauweise die Rede und davon, dass die Kommune mit in die Planungen einbezogen wird. Als wir das Grundstück verkauft hatten, war von einer Kooperation plötzlich keine Rede mehr“, ärgert sich Vogl.

Für Entsetzen sorgte zudem, dass der Markt nur noch 750 Quadratmeter Verkaufsfläche haben soll, der Rest ist als Lagerräume und Lkw-Stellfläche gedacht. „Von einer offenen und transparenten Bauweise, wie in 20 Sitzungen des Bürger-Dialogs beschlossen, ist längst nicht mehr die Rede“, so Vogl. Für inakzeptabel hält er, dass der Supermarkt entlang der Römerstraße um 80 Zentimeter tiefer liegen soll, so dass der Zugang nur über eine Treppe oder Rampe möglich ist. „Und das in einer Zeit, wo überall barrierefreie Bauweise gefordert wird. Mit diesem Trick soll womöglich mehr Bauraum erreicht werden.“

Ähnlich hinters Licht geführt fühlt sich Vogl in punkto Wohn- und Geschäftshaus, das ein fünftes Geschoss erhalten hat. Hatte das alte Postgebäude 16,20 Meter Höhe, wird künftig ein rund 18 Meter hohes Gebäude alles überragen. „Leider haben wir das genehmigt“, ärgert sich Vogl. „Die Bank verklickerte uns damals, dass anstelle eines Walmdaches ein Terrassengeschoss die Bauweise auflockern wird. Wir sind davon ausgegangen, dass die Wohnungen auf dem Flachdach geplant sind und außen herum eine begrünte Terrasse vorgesehen ist. Nun wird das Dach fast komplett überplant.“

Inwieweit die Bank nun auf die Forderung von Gemeinderat und Verwaltung eingeht, einen Gestaltungsbeirat hinzuzuziehen, ist offen. Vogl hofft, dass in der nächsten Generalversammlung der Raiffeisenbank in zwei Wochen das Thema auf den Tisch kommt.

Von Uli Singer

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