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Ein Leben für die Logopädie

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Von: Hanna von Prittwitz

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Praxisübergabe: Marion Stemberger (r.) hört nach 40 Jahren als Logopädin auf. Eva Klinglmair führt die Behandlungen in der Praxis an der Sonnenstraße weiter.
Praxisübergabe: Marion Stemberger (r.) hört nach 40 Jahren als Logopädin auf. Eva Klinglmair führt die Behandlungen in der Praxis an der Sonnenstraße weiter. © Andrea Jaksch

Zuletzt behandelte sie die Kinder ihrer einstigen Patienten: 40 Jahre lang hat Marion Stemberger in Gilching als Logopädin gearbeitet. Nun geht die 68-Jährige in Rente.

Gilching – Ein offenes Gesicht, fröhliche Augen und ein brauner Wuschelkopf: Marion Stemberger sieht wirklich nicht aus wie die klassische Rentnerin, und wie 68 schon mal sowieso nicht. Dennoch hat die gebürtige Innsbruckerin ihre Praxis nun an Eva Klinglmair übergeben. „Ich wollte schon vor drei Jahren aufhören“, gesteht sie. Doch es kam anders. Was wohl auch mit ihrer Begeisterung für die Logopädie und den vielen lieb gewonnenen Patienten zu tun hat.

Ihre Ausbildung absolvierte Marion Stemberger in Innsbruck. 1974 zog sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Atomphysiker Dr. Wolfgang Stemberger, nach Gilching. Von Beginn an war Marion Stemberger selbstständig, 1977 eröffnete sie ihre erste Praxis in Gilching, damals befand sich diese noch an der Landsberger Straße. Hunderte Menschen hat Stemberger seither behandelt. Ihre jüngsten Patienten waren drei Jahre alt, die ältesten 99.

Der Beruf der Logopädin zählt zu den Medizinalfachberufen. Er umfasst die Bereiche Stimme, Sprache und das Schlucken mit allen Problemen, die damit zusammenhängen. Logopäden behandeln entsprechend Kleinkinder, die sich mit der Aussprache und Sprachentwicklung schwer tun, aber auch Schlaganfallpatienten, die das Schlucken und Sprechen neu lernen müssen. „Das ist das Schöne. Ich habe mit allen Altersgruppen gearbeitet, das war oftmals auch ausgleichend“, sagt Stemberger. Denn der Schlaganfallpatient habe meist eine andere Motivation als ein kleines Kind, das dann vielleicht doch nicht so oft übt, wie es sollte.

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit war in diesem Zusammenhang die Stimmtherapie. „Das betrifft oft Menschen, die in ihren Berufen viel reden müssen, wie beispielsweise Lehrer oder Pfarrer.“ Störungen können organische und funktionelle Ursachen haben, manchmal liegt eine Überlastung vor oder stimmschädigende Sprechgewohnheiten. Die unterschiedlichen Therapien ziehen sich oftmals über wenige Wochen, manchmal aber auch Jahre. „Da lernt man sich schon kennen“, sagt Stemberger. Immer wieder sind aus dem langen Miteinander auch Freundschaften entstanden.

Natürlich hat sich in den 40 Jahren auch in der Logopädie vieles verändert. „Neu hinzugekommen ist die myofunktionelle Therapie“, erklärt Stemberger. Vor allem Kinder litten unter dieser funktionellen Störung, bei der sie beim Schlucken mit der Zunge so viel Druck auf den Kiefer aufbauen, dass sich die Zähne verschieben. Insgesamt hat Stemberger über die Jahre Veränderungen an den Kindern bemerkt. „Die Störungsbilder haben zugenommen, die Behandlungen dauern länger.“ Die Kinder würden mehr vor den Bildschirmen sitzen, weniger reden und entsprechend einen geringeren Wortschatz ausbilden.

In Zukunft kümmert sich um diese kleinen Patienten Eva Klinglmair. Die 45-Jährige hat bereits 2019 die Praxis an der Sonnenstraße übernommen. Damals schon wollte sich Stemberger zurückziehen. „Aber wir haben keine Mitarbeiter gefunden“, sagt sie. „Es gibt leider auch in unserer Branche einen großen Fachkräftemangel.“ Mittlerweile hat sich das Personalproblem gelöst, Marion Stemberger hat ihre Sachen gepackt. In Zukunft will sie mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen, sieben Enkel freuen sich über Zeit mit ihrer junggebliebenen Oma. Und dann wäre da noch eine verwaiste Wohnung in Innsbruck.

Ganz aufhören kann die Logopädin dann aber doch nicht: Zwei Patienten, mit denen sie seit vielen Jahren zusammenarbeitet, kommen auch in Zukunft noch in den Genuss ihres Könnens. „Das sind aber wirklich die beiden Ausnahmen.“

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