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Am Gilching-Modell im Rathaus erklärt Bürgermeister Manfred Walter (r.) Merkur-Redakteur Peter Schiebel seine Überlegungen für Römerstraße und Brucker Straße. Die Freifläche vorne ist übrigens die Gilchinger Glatze, auf der es in diesem und auch im nächsten Jahr aber noch nicht mit der Bebauung losgeht. 

So wird 2019 in Gilching

Ein ruhigeres Zentrum als großes Ziel

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In der Gemeinde Gilching löst der Verkehr die Kinderbetreuung als Topthema ab.

Gilching – Eines der größten und wichtigsten Bauprojekte der jüngeren Gilchinger Geschichte hat Bürgermeister Manfred Walter innerlich schon so gut wie abgehakt: Die Westumfahrung ist im Soll, die Verkehrsfreigabe ist für November geplant. „Wir werden nur eine Einweihungsfeier machen“, sagt Walter mit Blick nach Starnberg, wo Stadt und Staatliches Bauamt die dortige Westumfahrung vor ein paar Wochen gleich zweimal einweihten. Wie auch immer: Mit der Gilchinger Westumfahrung eröffnen sich für die Gemeinde große Entwicklungschancen im Ortszentrum.

Römerstraße und Brucker Straße

„Wir werden heuer die Planungen vorantreiben“, sagt Manfred Walter mit Blick auf Römerstraße und Brucker Straße. „Zwar werden die ersten Maßnahmen erst 2020 umgesetzt, aber wir werden Ende dieses Jahres vielleicht schon die erste Baustelle haben oder mit Bedarfsampeln und Markierungen loslegen.“ 15 700 Fahrzeuge passieren täglich das Gilchinger Zentrum – Staus im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr sind genauso an der Tagesordnung wie brenzlige Situationen für Radfahrer. Für viele Verkehrsteilnehmer ist die Verbindung eine der nervigsten Straßen im ganzen Landkreis.

Mit Eröffnung der Westumfahrung und gleichzeitiger Abstufung der Ortsdurchfahrt zur Ortsstraße will es die Gemeinde den Pendlern so unangenehm wie möglich machen, weiter durchs Zentrum in Richtung A 96 und Starnberg zu fahren. „Und wir müssen den Fußgängern und Radfahrern dort absoluten Vorrang einräumen“, sagt Walter. Wie genau – das wird eine der zentralen politischen Diskussionen des neuen Jahres. Dabei hat er vor allem den Verkehr aus Richtung Süden im Blick, der nicht automatisch auf die Umgehung geleitet wird.

Der Bürgermeister kann sich vieles vorstellen: Ampeln, Markierungen, Umbauten, Änderungen der Vorfahrt, sogar einen weiteren Kreisverkehr. Ein besonderer Fokus liegt auf dem kurzen Stück zwischen Bahnunterführung und Marktplatz, das bereits als städtebauliches Sanierungsgebiet ausgewiesen ist. Dort kann die Gemeinde also mit staatlichen Zuschüssen rechnen. Vor allem die Kreuzung am Marktplatz will Walter entschärfen.

„Da müssen wir gleich baulich etwas machen“, sagt er. Ein Kreisel anstelle der Ampelkreuzung sei vielleicht wünschenswert – „mein Bauchgefühl sagt mir aber, dass der Platz dafür vermutlich nicht ausreicht.“ Gut 700 Meter weiter südlich, am Abzweig der Münchener Straße, gehen die Gedankenspiele noch weiter. „Da kann ich mir auch eine abknickende Vorfahrt in Richtung Geisenbrunn und Germering vorstellen“, sagt Walter. Unweit davon, auf Höhe der Hopfenstraße, ist der Bau einer Ampel genauso denkbar wie weiter nördlich im Altdorf an der Einmündung Brucker Straße/Schulstraße.

Ganz wichtig ist dem Bürgermeister bei dem Thema der Dialog mit den Bürgern. Walter kann sich im Lauf des Jahres zwei bis drei Veranstaltungen unter externer Moderation vorstellen, bei denen interessierte Gilchinger mit Verwaltung, Gemeinderäten und Planern die Ideen diskutieren. „Wir wollen umfangreich vorarbeiten, ehe wir zu den nächsten Beschlüssen kommen“, sagt Walter.

Bebauung imOrtszentrum

Große Bedeutung haben bei allen Überlegungen auch die Bautätigkeiten an der Kreuzung Römerstraße/Rathausstraße gegenüber vom Marktplatz. Das Scherbaum-Haus geht der Vollendung entgegen, derweil haben sich Raiffeisenbank und Gemeinde auf die Bebauung des gegenüberliegenden Grundstücks geeinigt (wir berichteten).

Neuansiedlungenvon Gewerbe

Während Gilching das von der Nachbargemeinde Gauting geplante Gewerbegebiet im Unterbrunner Holz verhindern will, läuft die eigene Entwicklung weiter auf Hochtouren. Im Gewerbegebiet Süd etwa habe die Firma Heine-Optotechnik mittlerweile die Endbaugenehmigung bekommen, sagt Walter. Der Neubau von Coherent gehe dem Ende entgegen. „Wir werden in dem Gebiet kurzfristig 1000 Mitarbeiter mehr haben.“

So schnell geht es im Gewerbegebiet A 96-Nord noch nicht. Zwar liegt der erste Bauantrag dem Landratsamt bereits vor, bekanntlich will die Medizintechnikfirma Hönle gegenüber dem Porsche-Zentrum neu bauen. Einen Baubeginn erwartet Walter in diesem Jahr aber noch nicht. Weitere Genehmigungsverfahren in dem Gebiet könnten aber folgen.

Umbau derMusikschule

Voran gehen soll es in diesem Jahr endlich auch mit dem Umbau des ehemaligen BRK-Seniorenheims an der Rosenstraße zur Musikschule. „Wir sind alle heilfroh, wenn das Projekt endlich fertig ist“, sagt Walter und hofft darauf, dass es Ende des Jahres so weit ist. Ein langwieriges Genehmigungsverfahren und zusätzliche Auflagen bei Lärm- und Brandschutz haben zu deutlichen Verzögerungen geführt. Allein die Kosten für den Brandschutz hätten sich von 600 000 auf zwei Millionen Euro erhöht.

Kinderbetreuunggeht weiter

Die Schaffung von ausreichend Krippen-, Kindergarten- und Hortplätzen war jahrelang eine der großen Herausforderungen in der Zuzugsgemeinde Gilching. Heuer beginnt mit dem Umbau des Alten Schulhauses in Argelsried zu einem Hort das „vorerst letzte Projekt dieser Größenordnung“, sagt Walter. Bis 2020 sollen ausreichend Räume für vier Gruppen à 25 Kinder entstehen – vornehmlich für Mädchen und Buben der James-Krüss-Schule. Fünf Millionen Euro sind dafür veranschlagt.

Neues Zentrumdes AWISTA

Ganz gelassen ist Walter, was den möglichen Standort eines AWISTA-Dienstleistungszentrums anbelangt. Bekanntlich will der Abfallwirtschaftsbetrieb zwei Standorte zwischen Oberbrunn und Hochstadt (auf Gautinger Flur) und bei St. Gilgen (auf Weßlinger Flur) auf ihre Eignung hin untersuchen – ergebnisoffen, wie immer versichert wird. Dass der Neubau samt Müllumladestation unmittelbar an der Gilchinger Gemarkung entsteht, hält Walter dennoch für nahezu ausgeschlossen. Was Größe, Erschließung und Eigentumsverhältnisse anbelangt, sei der Standort Oberbrunn die „sehr viel bessere“ Alternative. Sollte die Untersuchung wider Erwarten zu einem anderen Ergebnis kommen und den Standort bei St. Gilgen präferieren, werde er sich dagegen wehren, kündigt Gilchings Bürgermeister an.

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