Fitnessstudio ohne Sportler: Geschäftsführer Siegfried Wodzka und seine Frau Angela stehen zwischen den unbenutzten Trainingsgeräten in ihrem Studio in Gilching. Sie haben Angst vor der Insolvenz.
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Fitnessstudio ohne Sportler: Geschäftsführer Siegfried Wodzka und seine Frau Angela stehen zwischen den unbenutzten Trainingsgeräten in ihrem Studio in Gilching. Sie haben Angst vor der Insolvenz.

Geschäftsführer mit Hilferuf an Söder

Fitnessstudios fürchten schleichende Pleite

  • Lisa Fischer
    vonLisa Fischer
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Im Januar sind die Fitnessstudios normalerweise überfüllt. Doch dieses Jahr ist alles anders. Ein Studio-Betreiber wendet sich deshalb nun mit einem Hilferuf an den Ministerpräsidenten.

  • Auch im zweiten Lockdown müssen die Fitnessstudios geschlossen bleiben.
  • Wegen der Beiträge der Mitglieder kann keine finanzielle Hilfe beantragt werden.
  • In der Zukunft ein großes Problem, meint ein Gilchinger Studio-Betreiber. Er wendet sich nun mit einem Hilferuf an den Ministerpräsidenten Markus Söder.

Gilching – Siegfried Wodzka, Betreiber eines Sportstudios in Gilching (Kreis Starnberg), ist verzweifelt. Die Auswirkungen des Lockdowns bekommt der Inhaber mehr und mehr zu spüren. Deshalb setzte er sich neulich hin und schrieb einen Brief an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Es ist ein Hilferuf. Darin schildert der 53-Jährige die brenzlige Situation aus der Sicht seines „kleinen, sehr persönlich geführten Fitnessstudios“. In den vergangenen Monaten seien viele Kündigungen eingegangen, über kurz oder lang drohe die Insolvenz, schreibt er. Eine finanzielle Unterstützung seitens des Staats blieb bislang aus.

Mit dieser Sorge ist Wodzka nicht allein. Kleine wie große Fitnessstudios dürfen im Lockdown weiter Mitgliedsbeiträge abbuchen und machen offiziell Umsatz. Deshalb dürfen sie keine staatlichen Hilfen beantragen. Doch in der Zukunft müssen für diese Vorleistungen der Mitglieder Gegenleistungen der Fitnessstudios erfolgen. Und dann wird es knapp, meint Siegfried Wodzka.

Fitnessstudios fürchten schleichende Pleite - Mitglieder zahlen Beiträge ohne Gegenleistung

2009 übernahm er mit seiner Frau Angela das Sportstudio Gilching, das vom Vorbesitzer 1994 eröffnet wurde. „Ich bin von Anfang an als Trainer dabei“, erzählt der 53-jährige Geschäftsführer. Das Studio ist ihm und seiner Frau über die Jahre sehr ans Herz gewachsen. Genau wie die Mitglieder. „Wie lange kann man ihnen das noch antun?“, fragt er. Denn aktuell zahlen sie ihre Mitgliedsbeiträge schließlich, ohne eine Gegenleistung zu bekommen.

Mitte November, kurz vor dem „Lockdown Light“ gab die bayerische Staatsregierung bekannt, dass Fitnessstudios wieder schließen müssen. Zuvor hatte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof ein Verbot gekippt.

„Die Wintermonate und das Frühjahr sind unsere Hochzeiten“, berichtet Siegfried Wodzka. Viele setzen im Januar ihren guten Vorsatz in die Tat um und schließen einen Fitnessvertrag ab. Diese Einnahmen fehlen jetzt komplett. Hinzu kommen „unverhältnismäßig viele Kündigungen“ seit der Corona-Krise. Neue Vertrags-Abschlüsse mit Sportwilligen habe es kaum gegeben.

Sportstudio in Gilching fürchtet Pleite - finanzielle Hilfe kann nicht beantragt werden

Wodzka hat Luftreiniger und Desinfektionsmittel für das Studio gekauft. „Wir sind weit davon entfernt, das Pandemie-Geschehen auf die leichte Schulter zu nehmen“, sagt der Sportstudio-Chef.

Schon im ersten Lockdown hatte Wodzka einen Hilferuf an die Regierung geschrieben. Eine Antwort bekam er nicht. Finanzielle Hilfe kann das Sportstudio Gilching nicht beantragen. Im Gegensatz zu Dienstleistern, wie beispielsweise Kosmetikstudios, kann Wodzka keinen Einnahmenausfall von dem einen auf den anderen Tag nachweisen. „Es ist zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben“, fasst der 53-Jährige zusammen.

Fitnessstudios fürchten schleichende Pleite - finanzielle Probleme kommen in der Zukunft

Mit den Beiträgen kann er zwar die fixen Kosten wie Miete und Strom zahlen. Diese Einnahmen bezeichnet Wodzka jedoch als eine Art „Darlehen“ der Fitness-Mitglieder, die für ihr Geld aktuell keine Leistung erhalten. Irgendwann würden die Sportler aber die Beiträge zurückfordern, oder aber die Vertragslaufzeit verlängere sich um die Monate, in denen das Fitness geschlossen war. Damit fehlen dem Betrieb zukünftig weitere Einnahmen. Ein „schleichender Prozess“, schimpft Fitnesstrainer Wodzka.

Sorgen macht er sich aber auch um die tatsächliche Öffnung – wann auch immer diese sein wird. „Kommen die Leute dann überhaupt? Oder sind sie verängstigt?“ Und selbst wenn der Betrieb wieder läuft: „Ich weiß nicht, wann man diese Verluste wieder auffangen soll.“

Mit E-Mails hält das Ehepaar Wodzka seine Mitglieder auf dem Laufenden. „Antworten wie ,Wir bleiben euch treu!’ freuen uns natürlich sehr“, sagt Siegfried Wodzka. Auf der Straße begegnet er hin und wieder ein paar Stamm-Sportlern. „Den meisten bleibt der Mund offen stehen, wenn ich erzähle, dass ich seit dem ersten Lockdown noch keinen einzigen Cent Unterstützung erhalten habe“, erzählt er.

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