Er liebt die Berge – und nach wie vor den Fußball: Gerry Hillringhaus wohnt seit acht Jahren mit seiner Frau Angie in Bad Heilbrunn.
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Er liebt die Berge – und nach wie vor den Fußball: Gerry Hillringhaus wohnt seit acht Jahren mit seiner Frau Angie in Bad Heilbrunn.

Fußball

Gerry Hillringhaus, der erste Tor-des-Monats-Torhüter

Das Fußballspielen hat er beim TSV Gilching gelernt, mit 28 Jahren bestritt Gerry Hillringhaus seine erstes Bundesligaspiel für den FC Bayern. Und er war vor 50 Jahren der erste Torhüter, der ein „Tor des Monats“ geschossen hat.

Gilching – Er muss schon irgendetwas ganz Besonderes geleistet haben, wenn ein ehemaliger Bundesliga-Torwart, der nicht unbedingt zu den ganz großen Stars gehört hat, 26 Jahre nach dem Ende seiner Profi-Karriere plötzlich als Studiogast in der Kult-Sendung „Blickpunkt Sport“ im Bayerischen Fernsehen auftaucht. Gerry Hillringhaus, der acht Jahre lang im Alter von acht bis 16 beim TSV Gilching spielte, bevor er unter anderem beim TSV 1860, Türk Gücü und dem FC Bayern München, später auch noch beim TSV Herrsching, beim TSV Utting und noch mal in Gilching das Tor hütete, hat dieses bemerkenswerte TV-Comeback geschafft. „Wenn man einmal etwas Außergewöhnliches gemacht hat, ploppt das immer wieder auf“, sagt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.

Das Außergewöhnliche war: Der „Fußball-Wahnsinnige“ war der erste Keeper, der ein „Tor des Monats“ (ging vor 50 Jahren in der ARD-Sportschau auf Sendung) erzielte. Noch vor Jens Lehmann, Frank Rost und Marvin Hitz. Zum Jubiläum erinnert sich der gebürtige Münchner, der mittlerweile in Bad Heilbrunn bei Bad Tölz wohnt, an jenen 23. September 1989: Es war die letzte Spielminute beim Gastspiel von Türk Gücü beim MTV Ingolstadt. Die Gastgeber führten 1:0, es gab eine letzte Ecke für die damals von der kürzlich verstorbenen Löwen-Legende Peter Grosser trainierten Gäste. „Ich dachte mir, jetzt muss was passieren“, erzählt Hillringhaus, der einen Monat zuvor der überragende Mann beim 0:0-Heim-Auftakt von Bayernliga-Aufsteiger SpVgg Starnberg gegen Türk Gücü war. Der Keeper stürmte nach vorne, damals eigentlich ein Unding: „Wir durften doch den 16er nicht verlassen. Grosser hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und noch gerufen, was machst du da?“ Zu spät: Sein Torwart und Kapitän knallte den Ball per Seitfallzieher in die Maschen. Das 1:1 wurde zum Tor des Monats gewählt. „Damit stehe ich auf einer Stufe mit Klaus Fischer, Gerd Müller und Franz Beckenbauer. Das macht mich sehr stolz“, sagt Hillringhaus, der damals in Andechs wohnte und 1990 wieder nach Gilching zog.

Uli Hoeneß höchtspersönlich holte den Bayern-Fan dann als Ersatztorwart zu den Roten. Dort passierte die nächste verrückte Geschichte. Mit 28 Jahren ging Gerrys Bundesliga-Traum in Erfüllung. Weil sich Raimond Aumann verletzt hatte, durfte Hillringhaus am 31. August 1991 beim 1:1 in Köln zum ersten Mal im Fußball-Oberhaus ran. Nach dem Tor des Monats das nächste Karriere-Highlight. Insgesamt bestritt der heute 58-Jährige 17 Bundesliga- und vier UEFA-Cup-Spiele für die Bayern. Dann wechselte er für ein Jahr zu Schalke 04 (ohne Einsätze) und beendete 1995 seine Profi-Laufbahn bei Tennis Borussia Berlin in der Regionalliga. Meister-Löwe Bernd Patzke, der ihn schon bei 1860 trainierte, hatte ihn 1993 in die Hauptstadt geholt.

Damit war für Hillringhaus aber noch lange nicht Schluss. Er spielte für den 1. FC Garmisch-Partenkirchen und den FC Emmering, ehe ihn Willi Welte im September 1999 überredete, als Spielertrainer für eine Saison zu Kreisligist TSV Herrsching zu wechseln. Im Winter 2006 tauchte er erneut am Ammersee auf. Trainer Peter Bootz, der mit ihm schon in der Gilchinger Jugend und später bei Türk Gücü in der Bayernliga zusammengespielt hatte, holte ihn vom SV Pullach zu Kreisklassist TSV Utting. „Ein Freundschaftsdienst. Ich wollte nicht absteigen“, so Bootz. Es klappte – dank eines starken Hillringhaus im Tor. In der Saison 2012/13 half er dann noch mal für seinen Heimatverein TSV Gilching-Argelsried aus. Mit 50 in der Bezirksliga!

1999 spielte Gerry Hillringhaus auch einmal eine Saison lang für den Kreisligisten TSV Herrsching.

Seit 2013 wohnt der Vater von drei erwachsenen Töchtern (Laura, Christin und Theresa, eine erfolgreiche Sportschützin und Jugendleiterin bei der SG Edelweiß Gilching) und sechsfache Opa mit seiner Lebensgefährtin Angie in Bad Heilbrunn. Wie kam das? „Wir sind beide keine Stadtmenschen, gehen schon immer sehr viel in die Berge und fahren gerne Moutainbike. Es hat sich dann vor acht Jahren einfach so ergeben, dass wir hier eine schöne Wohnung gefunden haben, in der wir ein ruhiges Leben führen können“, verrät der Feinmechaniker-Meister und CAM-Fräsmaschinen-Programmierer, der täglich nach Wolfratshausen zur Arbeit fährt.

Und Fußball? Hat Hillringhaus damit jetzt abgeschlossen? Von wegen: Sein Postbote, der Co-Trainer des SV Bad Heilbrunn, fragte an, ob er aushelfen würde, wenn der Torwart Nummer eins mal ausfällt. Hillringhaus ließ sich nicht lange bitten, kam ins Training – und stand im Sommer 2020 beim Freundschaftsspiel gegen Raisting mit 58 im Bad Heilbrunner Tor. „Wir haben zwar 1:3 verloren. Aber es hat riesigen Spaß gemacht, auch wenn mir danach drei Tage die Knochen wehgetan haben“, erzählt der Ex-Profi. Sind weitere Einsätze geplant? „Nein“, sagt er. „Es ist nicht meine Prämisse, dass ich noch mal auflaufe. Ich denke, bei dem einen Spiel bleibt’s.“ Aber Hillringhaus wäre nicht Hillringhaus, wenn er sich nicht ein kleines Hintertürchen offen halten würde: „Es sei denn, es passiert etwas Gravierendes.“

Wie auch immer: Auf dem Bad Heilbrunner Fußballplatz wird man den Torschützen des Monats vom September 1989 weiter sehen, sobald die Corona-Lage das wieder zulässt. „Ich habe eine Torwart-Schule für die Heilbrunner Jugend-Keeper gegründet“, erzählt er. „Und ich hoffe, dass dann auch ein paar Fußballer aus dem Umkreis zum Torwart-Training mit mir kommen.“

Thomas Ernstberger

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