Schädlingsbefall, Windwurf, Trockenheit: Der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Starnberg, Martin Fink, auf einer wegen Borkenkäferbefall ausgelichteten Fläche in seinem Wald bei Geisenbrunn.
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Schädlingsbefall, Windwurf, Trockenheit: Der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Starnberg, Martin Fink, auf einer wegen Borkenkäferbefall ausgelichteten Fläche in seinem Wald bei Geisenbrunn.

Waldzustandsbericht

Der kranke Wald: Holzpreise im Keller

  • Michael Baumgärtner
    vonMichael Baumgärtner
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Der Wald ist krank. Laut jüngstem Waldzustandsbericht sind rund 80 Prozent der deutschen Bäume geschädigt. Im Landkreis Starnberg sieht es noch vergleichsweise gut aus, wenngleich auch dort die Schäden aufgrund des Klimawandels zunehmen.

Landkreis – Es ist ein alarmierender Bericht, den Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vorgelegt hat. Die Waldzustandserhebung 2020 besagt, dass es dem deutschen Wald so schlecht geht wie noch nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Auch im Landkreis?

Konkret besagt der Bericht: Noch nie zuvor waren so viele Bäume abgestorben wie 2020, vier von fünf Bäumen haben lichte Kronen. 37 Prozent weisen deutliche Verlichtungen auf, das heißt, dass bei diesen Bäumen mindestens 26 Prozent der Blätter oder Nadeln vorzeitig abgefallen sind. Schuld daran sei der Klimawandel, der für Dürre, massiven Borkenkäferbefall, Stürme und vermehrte Waldbrände sorgt.

Betroffen von den Schäden sind auch die Waldbesitzer im Landkreis Starnberg – wenngleich nicht so massiv wie in anderen Regionen. „Bei uns ist es nicht ganz so schlimm wie in Ost- und Mitteldeutschland oder Nordrhein-Westfalen. Wir haben mit den Niederschlägen Glück gehabt“, sagt Armin Elbs. Der Forstdirektor bei der Unternehmensverwaltung Graf Toerring in Seefeld weiß, dass der Kreis vergangenes Jahr mit einem blauen Auge davongekommen ist. „Letztes Jahr hatten wir lange Zeit kaum Regen, aber es ist noch einmal gut gegangen. Es war fünf vor zwölf“, so Elbs. Denn gerade in der ersten Vegetationsphase brauchten die Bäume, wenn sie wachsen, viel Wasser.

Martin Fink, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Starnberg, ist froh, dass, „das letzte Jahr günstig“ war. „Wir sind vom Borkenkäfer verschont geblieben und haben viele Käfernester weggeräumt“, sagt er. Dennoch sei der Wald, der mit gut 17 000 Hektar mehr als ein Drittel des Landkreises ausmacht, geschädigt. Ein Grund dafür ist, dass „der Unterboden keine Feuchtigkeit hat, da sterben die Feinwurzeln ab“, erklärt Fink. „Wir brauchen einfach ausgeglichene Niederschläge.“ Der Geisenbrunner ist aber für dieses Jahr optimistisch. „Wir hatten viel Nässe diesen Winter, der Boden ist gut gesättigt.“

Sorgen bereiten ihm und den vielen Waldbesitzern aber die derzeitigen Holzpreise. „Der Markt ist überschwemmt, die Preise für Rundholz sind katastrophal niedrig“, erklärt Armin Elbs. Fink schlägt in die gleiche Kerbe: Obwohl die Nachfrage nach Holz als Baustoff immer größer werde, seien mit den „Spottpreisen nicht einmal die Hauerkosten abgedeckt“.

Aber ausgerechnet in der derzeitigen Situation bräuchten die Waldbauern finanzielle Mittel, um die durch Trockenheit, Käferbefall und Stürme ausgelichteten Flächen wieder mit verschiedenen, widerstandsfähigen Baumarten zu bepflanzen. „Investitionen für die Aufforstung sind bei den Holzpreisen nicht möglich, das ist extrem teuer“, sagt Elbs. Deshalb ist Fink froh, „dass der Staat reagiert hat und uns mit Zuschüssen unterstützt“. Allerdings wünscht sich Elbs dabei weniger Bürokratie. Der Aufwand für die Beantragung von Förderungen und Entschädigungen sei für Privatwaldbesitzer einfach zu hoch.

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