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Eine 16-Jährige, die weiß, was sie will: Tanja Bauert. Die Krippe im Hintergrund hat sie natürlich mit Papa Uwe selbst gebaut.

Handwerk

Tanja und die Mission Handwerk

Tanja Bauert aus Gilching ist erst 16 Jahre jung. Aber sie weiß schon sehr genau, was sie werden will, nämlich Schreinerin. Mit diesem Ziel ist sie auch schon erfolgreich auf der Foto-Plattform Instagram im Internet unterwegs. Nicht nur, weil sie ihre Liebe zum Handwerk vermitteln will.

Gilching – Mit Nagellack und Lippenstift hat Tanja Bauert wenig am Hut. Seit September 2018 besucht die junge Gilchingerin im Berufsgrundbildungsjahr die Berufsschule Weilheim, ihr Fach ist Holztechnik. Denn Tanja Bauert möchte Schreinerin werden, das weiß sie spätestens seit Sommer 2017 ganz sicher. Bis dahin hatte sie mehrere Praktika in verschiedenen Branchen absolviert, darunter Mediengestaltung und Flugzeugtechnik. Dreimal nutzte sie das Angebot und tourte beim Tag der Ausbildung kreuz und quer durch das Fünfseenland. Oft saß sie dabei als einziges Mädchen im Bus.

Die Arbeit mit Holz sagt ihr schon lange zu. Vater Uwe ist ebenfalls Schreiner. Im Garten stehen ziemlich coole Möbel, die sie mit ihm gemeinsam aus Paletten gebaut hat. Den Weihnachtsbaum der Familie ziert, na klar, eine selbst gemachte Krippe. Und als sich Tanja 2017 etwas wünschen durfte zu ihrem guten Quali – Note 1,8 – hatte dies natürlich auch mit Holz zu tun: Sie bekam eine Drechselbank. „Ich habe dann die Sommerferien in der Werkstatt verbracht“, erzählt die 16-Jährige fröhlich. Mit der Note 1,5 machte sie schließlich ihre Mittlere Reife. Eines der stärksten Fächer: Mathematik.

Bei der Berufsfindung störte sich die aufgeweckte 16-Jährige schon die ganze Zeit daran, dass sie im Internet nichts darüber finden konnte, wie man als Schreiner im Detail arbeitet. „Da gibt es natürlich sehr viele Seiten von Werkstätten. Aber um die Arbeit geht es immer nur oberflächlich“, stellte sie fest. Und beschloss, auf der Foto-Plattform Instagram ein eigenes Konto anzulegen. Unter dem Namen „schreinerin_werden“ verfolgt sie seitdem eine Mission: Jeden Tag etwas aus ihrem Alltag in der Schule posten und erklären, was sie dort so macht, lernt und baut.

Bisher hat sie das gut hinbekommen und täglich mindestens ein Bildchen samt Erklärung hochgeladen. Obwohl sie um 5.30 Uhr aufstehen muss, mit der S-Bahn nach Herrsching und von dort mit dem Bus nach Weilheim fährt, wo um 7.30 Uhr die Schule beginnt. Auf ihren Selfies, also den Fotos von sich selbst in der Schul-Werkstatt, schaut sie daher manchmal ganz schön ernst: „Um die Uhrzeit kann ich noch nicht lachen“, stellt sie trocken fest.

Selfies sind bei ihr ohnehin die Ausnahme. Ihre Fotos zeigen ihr erstes Schneidebrett, Berechnungen zu einem Werkzeugkasten, was sie im Unterricht über Holzarten und -beschaffenheit lernt, Tabellen, Entwürfe. Und vor den Winterferien schließlich hat sie noch das Bild eines Vogelhäuschens hochgeladen, ebenfalls eine Arbeit aus der großen Werkstatt der Weilheimer Berufsschule.

957  Nutzer (Stand Freitag) haben den Account abonniert, die Kommentare sind positiv. „Ich freue mich auf viele spannende Posts und Stories“, schreibt ein Abonnent. Andere geben Tipps, fragen nach Arbeitsmethoden und reden der 16-Jährigen gut zu, wenn sie sich in der Schule mal langweilt. Das alles ist herzerfrischend authentisch und völlig anders als vieles, was sonst auf Instagram zu sehen ist.

Der 16-Jährigen nimmt die Sache ernst: „Ich will zeigen, wie man Schreinerin wird und andere dafür begeistern“, sagt sie. Dabei richtet sie sich auch an Mädchen, die sich von der doch von Männern dominierten Handwerkslandschaft nicht verunsichern lassen sollen. Ihre Hashtags, also die Schlagworte bei ihren Bildgeschichten, lauten entsprechend „Frauen im Handwerk“, „Für mehr Frauen im Handwerk“, „Lust auf Handwerk“ oder „einfachmachen“.

Bis Sommer nächsten Jahres besucht Tanja Bauert die Berufsfachschule – gemeinsam mit knapp 70 jungen Leute, die ebenfalls Schreiner werden wollen. „Im Vorjahr waren es nur 25“, sagt Tanja und macht sich ein bisschen Sorgen, dass nicht genug Lehrstellen vorhanden sind. Im Februar gibt’s das Zwischenzeugnis, damit will sich die 16-Jährige bewerben. Sie hat schon eine Stelle in Aussicht, sicher ist aber nichts. Den Instagram-Account würde sie gerne weiterbetreiben: „Am tollsten wäre, wenn ich dafür das Werkzeug von großen Herstellern testen dürfte.“

Tanja Bauert weiß, dass viele junge Menschen in ihrem Alter keine Ahnung haben, was sie mal machen möchten. Für diese hat sie einen Rat: „Praktika machen. Immer wieder. Alles ausprobieren.“

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