+
Für viele von ihnen war es der Auftritt ihres Lebens: Die Gilchinger Blaskapelle spielte am Dienstagabend im Museumszelt a uf der Oidn Wiesn. 

Großer Auftritt

Gilchinger Blaskapelle auf der Wiesn: „Die wollten uns nicht mehr gehen lassen“

Die Gilchinger Blaskapelle begeisterte und überraschte auf der Oidn Wiesn. Sie lieferte sich selbst und den Besuchern ganz besondere Momente.

Gilching – Nur einer beginnt zu singen, und schon steigt das ganze Festzelt mit ein. Handylampen sorgen für einen Sternenhimmel, jubelnde Wiesnbesucher fordern eine Zugabe. Von dieser Stimmung träumen viele Musiker. Für die Blaskapelle Gilching ist dieser Traum am Dienstag wahr geworden.

„Ich hätte nie gedacht, dass wir mal auf der Wiesn spielen dürfen“, sagt die 22-jährige Vorsitzende Sarah Krinner, „wir sind ja nur eine Blaskapelle aus Gilching“. Ob es der Auftritt ihres Lebens war? „Auf jeden Fall“, antwortet sie stellvertretend für die ganze Gruppe. Die Musiker hatten es dank Krinner bis ins Museumszelt auf der Oidn Wiesn geschafft (wir berichteten). Mehr als vier Stunden durften die Gilchinger spielen.

Treffpunkt im Heimatort war um 15 Uhr. „Aber unser Dirigent war schon um 14 Uhr im Zelt und hat die Lage gecheckt. Wir haben sozusagen spioniert“, berichtet Krinner. Die rund 30 Musiker kamen schließlich mit der S-Bahn nach. Allerdings ohne Instrumente. „Die haben meine Eltern mit einem Kleinbus direkt vors Museumszelt gefahren“, erzählt Krinner. Im Zug war die Stimmung noch angespannt. „Ja, es war etwas zwischen Nervosität und Vorfreude. Aber ab dem Marienplatz ist alles abgefallen, und wir waren nur noch glücklich“, sagt Krinner und fügt hinzu: „Es ist das Größte für eine bayrische Blaskapelle, auf der Wiesn zu spielen.“ Wie groß die Motivation war, zeigte sich schon beim Aufbau: Er dauerte nur eine Viertelstunde. Ungewöhnlich.

Hochkonzentrierte Trompeter: Mehr als vier Stunden war die Kapelle im Einsatz. 

Vor dem Auftritt wurden die Gilchinger kostenlos verköstigt, auch das Bier war gratis. Krinner: „Aber wir waren ja nicht zum Trinken da, sondern um Freude zu bringen.“ Und das ist gelungen. Gegen 19 Uhr begannen die ersten Paare zu tanzen, bald war die ganze Fläche zwischen Bühne und Bänken voll mit Feiernden. Die Kapelle lieferte einen breiten Mix – von Polka über Walzer bis zu Märschen. Einen besonderer Moment gab’s nach Krinners Schilderung beim Lied „Boarisch Herz“: „Wir haben angefangen zu singen, das kannte jeder, das ganze Zelt ist eingestiegen.“

Durch kleine Ansagen zwischendurch heizte die Kapelle die Stimmung an. Und sie sorgte für Überraschungen. „Einmal hat mir der Dirigent spontan das Tenorhorn aus der Hand genommen und für mich weitergespielt. Vollkommen überrascht saß ich ohne Instrument da“, erzählt Krinner. Der schönste Moment war beim Finale. Bei Sierra Madre aktivierten die Wiesnbesucher ihre Taschenlampen-Apps. Das Fazit der 22-Jährigen: „Es ist faszinierend, wie man ein ganzes Zelt mitreißen kann. Die wollten uns gar nicht gehen lassen.“

Um halb drei Uhr morgens war die Gruppe dann doch daheim. Krinner fragte gleich gestern per Mail beim Festring an, ob ihre Kapelle nächstes Jahr wieder spielen dürfe. Ihre Hoffnung: „Vielleicht sogar in einem größeren Zelt.“

Vanessa Lange


Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Gymnasium Herrsching: Nachbarn fragen, Experten antworten
Viele Fragen hatten die Herrschinger Bürger auch beim jüngsten Info-Abend zum geplanten Gymnasium. Laut Planer Dietmar Narr sind die Planungen noch ganz am Anfang.
Gymnasium Herrsching: Nachbarn fragen, Experten antworten
Tutzinger SPD mit Altersspanne zwischen 24 und 83
Der Tutzinger SPD-Ortsverband hat nun ebenfalls seine Liste für die Kommunalwahl 2020 aufgestellt. Renate Geiger tritt dieses Mal nicht mehr an.
Tutzinger SPD mit Altersspanne zwischen 24 und 83
Die Pöckinger Prominenz in der Nazi-Zeit: Autoren haben tief recherchiert und klären auf
Und wem gehörten die Villen? Und wie kamen Pöckinger Bauern in der NS-Zeit zurecht? Die beiden Autoren des Buchs „Ein Dorf im Nationalsozialismus“ klärten diese Fragen …
Die Pöckinger Prominenz in der Nazi-Zeit: Autoren haben tief recherchiert und klären auf
Freud und Leid eines beherzten Schülerlotsen
Schulweghelfer Michael Werner trägt Tag für Tag dazu bei, dass Gautinger Schüler wohlbehalten in den Unterricht kommen. Trotzdem wurde er kürzlich übel beschimpft.
Freud und Leid eines beherzten Schülerlotsen

Kommentare