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Ziehen gemeinsam an einem Strang: Torben Fabian (v.l.), Dr. Alexander König, Professor Gerd Hirzinger, Ekkehard Fabian und Dr. Martin Haunschild.

Start up

Platz und Raum für echte Idealisten

Gilching - Je früher ein Patient angemessen behandelt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Insbesondere bei Intensiv-Patienten. Dr. Alexander König von ReActive Robotics im ASTO-Park in Gilching ist überzeugt, die beste Rehabilitation beginnt 24 Stunden nach Einlieferung ins Krankenhaus. Zur Frühmobilisierung entwickelte er einen Therapie-Roboter.

Gegründet wurde ReActive Robotics im April 2015 mit der Idee, schwerstbetroffenen Intensivpatienten eine bestmögliche Therapie zur Rehabilitation anzubieten. „Oft liegt der Patient wochenlang im Bett. Da baut unter anderem die Muskelmasse, aber mehr noch durch die eingeschränkte Wachheit die Darmfunktion ab. Innereien versagen ihren Dienst“, weiß König. Seine Vision war es, Folgeschäden bei Intensiv-Patienten weitgehend zu vermeiden.

„Dazu muss der Patient schnellstmöglich wieder auf die eigenen Beine gestellt werden, was bisher sehr zeit- und personalintensiv ist.“ All diese Überlegungen führten dazu, einen intelligenten Therapie-Roboter zu entwickeln. Mittels mechanischer Module, die je nach Bedarf am Patientenbett angebracht werden, ist es möglich, körperliche Funktionen des Patienten zu mobilisieren, ohne dass diese das Bett verlassen müssen. Der Roboter kommt Anfang 2018 auf den Markt.

„Klinische Studien haben gezeigt, dass Intensiv-Patienten, die mit Frühmobilisierung therapiert werden, die Klinik im Schnitt vier bis fünf Tage früher verlassen können“, erklärt König. Manuelle Frühmobilisierung allerdings sei sehr kostenintensiv, da bis zu vier Pflegekräfte benötigt werden. Die von ReActive Robotics entwickelte Lösung jedoch kann von einer einzigen Krankenschwester bedient werden. König: „Es nutzt dem Patienten, erspart aber auch den Krankenkassen hohe Kosten.“

Erfahrungen sammelte der 37-jährige Münchner unter anderem in der Schweiz und in den USA. Sein Mentor ist Professor Gerd Hirzinger, eine Koryphäe auf dem Gebiet der Robotik. Der Robotik-Wissenschaftler und war zwischen 1992 und 2012 Leiter des Instituts für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. „Ein intelligenter Mechanismus sorgt dafür, dass die Gelenke des Patienten sehr feinfühlig in Bewegung gehalten werden. Zurückgegriffen wird dabei auch auf die erprobte Technik im Weltraum“, betont der langjährige Institutsleiter im DLR. Er sorgte auch dafür, dass ReActive Robotics nicht irgendwohin abwandert, sondern im ASTO-Park als Start-Up eine Heimat findet.

Mit im Boot ist Dr. Martin Haunschild (ARGO-Vantage), der auf die vielen Vorzüge des Standorts verweist. „Durch das Umfeld in Oberpfaffenhofen gibt es interessante Kontakte, die junge Unternehmer nutzen können. Außerdem haben viele DLR-Mitarbeiter nur Zeitverträge und sind froh, wenn sie nach Vertragsende in ein bestehendes Unternehmen mit einsteigen können.“ Einen Vorteil, den König durchaus schätzt: „Im Umfeld des DLR und der TU München gibt es noch wirkliche Idealisten, die mit Begeisterung ein Projekt mit anschieben.“

Aktive Unterstützung findet ReActive Robotics mit derzeit zehn Mitarbeitern außerdem durch Ekkehard und Torben Fabian vom ASTO-Park. „Leider wird seitens der Politik immer noch nicht erkannt, was Start-Ups in Bayern tatsächlich leisten. Fördergelder fließen meist in Projekte großer Unternehmen, die schon einen Namen haben. Wenn wir nicht aufpassen, wird Deutschland auf dem Weltmarkt irgendwann abgehängt“, kritisiert Ekkehard Fabian. Als Investor fungierte bei ihnen deshalb ein Konsortium aus privaten Geldgebern.

Die Marktgröße des „intelligenten Therapie-Roboters“ wird auf zwei Milliarden Euro geschätzt. Und das Team kann es kaum erwarten: Für Anfang kann 2018 ist der Serienstart geplant.

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