Dreister Betrüger gerade noch gestoppt

Große Zivilcourage: Taxifahrerin verhindert Enkeltrick

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Eine Rentnerin wäre fast einem Betrüger auf den Leim gegangen. Dass die Frau am Ende ohne finanziellen Schaden davonkam, hat sie der Zivilcourage einer Taxifahrerin zu verdanken.

Gilching/Germing - Die Gutmütigkeit und Gutgläubigkeit älterer Damen und Herren ausnutzen und dabei einen Haufen Geld einschieben – der sogenannte „Enkeltrick“ ist ein weitverbreitetes Phänomen unter Kriminellen. Eine besonders perfide Form dieser Gaunerei ereignete sich am Freitag, 28. April, in Gilching: Eine 74-jährige Rentnerin erhielt dabei zunächst einen Anruf. Am anderen Ende der Leitung meldete sich ein Mann, der sich freundlich und höflich als „Herr Müller“ vorstellte. Nach einem kurzen Gespräch brachte der Anrufer die Frau dazu, 900 Euro von ihrer Bank abzuheben. Der erste Schritt war aus seiner Sicht somit erledigt.

Couragierte Taxifahrerin

Anschließend beauftragte „Herr Müller“ ein Germeringer Taxiunternehmen, die Rentnerin von zu Hause abzuholen und zu einem Internetcafe nach München Sendling zu bringen. Von dort sollte sie das Geld per Onlinebanking in die Türkei überweisen. Ein heimtückischer Plan, der wohl nur durch bemerkenswerte Zivilcourage verhindert wurde. Denn: Die mit der Fahrt beauftragte Taxifahrerin, eine 53-jährige Frau aus Gilching, unterhielt sich auf dem Weg zu dem Internetcafe in München mit der Rentnerin. Dabei erzählte die 74-Jährige von dem Telefonat mit „Herr Müller“ und ihrem jetzigen Vorhaben. Da der Taxifahrerin diese Geschichte laut Polizei äußerst merkwürdig vorkam, fuhr sie ihren Fahrgast anstatt nach München auf direktem Wege zur Germeringer Polizei.

Nun meldete sich der dubiose „Herr Müller“ das nächste Mal zu Wort: Noch während sich die Taxifahrerin mit der Rentnerin auf der Inspektion befand, wurde sie von dem Enkeltrickbetrüger auf ihrem Handy angerufen, wobei dieser sehr aufdringlich die Rentnerin zu sprechen verlangte. Der Mann besaß offenbar sogar die Dreistigkeit den mit dem Fall befassten Polizeibeamten zu verlangen und ihm gegenüber zu äußern, dass er „ein alter Bekannter der Seniorin sei und dass alles seine Richtigkeit hätte“. Doch damit nicht genug. Als Krönung fügte er noch die Aufforderung hinzu, dass sich die Polizei „gefälligst aus dieser Angelegenheit heraushalten“ solle.

Ermittlungen werden eingeleitet

Diesen Gefallen tat ihm der Polizist jedoch nicht. Stattdessen wurden die 900 Euro Bargeld der Seniorin zu deren Eigentumssicherung polizeilich sichergestellt und die in Niedersachsen wohnende Tochter der Rentnerin von dem Sachverhalt in Kenntnis gesetzt. Diese erklärte sich bereit baldmöglichst nach Gilching zu kommen, um die nötigen Schritte für ein Verfahren einzuleiten.

Doch die skurrile Geschichte hatte noch nicht ihr Ende gefunden: Am nächsten Vormittag, am Samstag, 29. April, rief „Herr Müller“ erneut bei der Germeringer Inspektion an, um sich massiv zu beschweren. Seiner Bekannten, so der Übeltäter, sei deren Rente von der Polizei weggenommen worden. Im Laufe dieses Gesprächs wurde der Mann laut Polizei sogar ausfallend und unverschämt.

Nicht das erste Mal hereingefallen

Die weiteren Ermittlungen der Kripo Fürstenfeldbruck, die den Fall übernommen hat, brachten bereits etwas Unerfreuliches ans Licht: Die 74-jährige Gilchingerin wäre nicht zum ersten Mal einem Betrüger auf den Leim gegangen. Zwei Überweisungen in Höhe von 2000 Euro tätigte sie bereits in Richtung Türkei.

Rubriklistenbild: © dpa

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