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Detektor und Schaufel sind das Handwerkszeug von Schatzsucher Sascha Beiersdorf. 

Hobby-Archäologe aus Gilching

Schatzjäger auf dem Acker

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Sie suchen Relikte aus alter Zeit: Schatzsucher wie der Gilchinger Sascha Beiersdorf. Manchmal findet er auch gefährliche Hinterlassenschaften.

Gilching – Passionierte Strandurlauber kennen sie: Menschen, die mit gesenktem Kopf und einem Stab, an dessem Ende eine Sonde befestigt ist, den sandigen Boden und die seichten Uferbereiche nach metallischen Gegenständen absuchen. In der Hoffnung, Geldstücke und Schmuck zu finden, den Sonnenanbeter und Wasserratten dort verloren haben. Sascha Beiersdorf ist auch Schatzsucher. Aber den Gilchinger interessieren ausschließlich Bodenfunde mit geschichtlichem Hintergrund – von der Bronzezeit der Kelten und Römer über das Mittelalter bis zur Neuzeit. Mit seinem Metalldetektor ist der 48-Jährige im Raum Gilching und im benachbarten Kreis Fürstenfeldbruck unterwegs. Sein Revier sind unbestellte und abgeerntete Felder. Deshalb ist er mit Einverständnis der Grundbesitzer vor allem im Frühjahr und Herbst auf Äckern anzutreffen.

Historische Bezüge hatte auch ein Fund, auf den Beiersdorf vor wenigen Tagen auf einem Feld wenige hundert Meter vom Friedhof des Gilchinger Altdorfes entfernt gestoßen ist. Der selbstständige Bezirkskaminkehrermeister konnte mit dem erdverkrusteten Etwas nichts anfangen. Er fotografierte das Teil und stellte das Foto ins Internet. Wenig später bekam er Antworten von anderen Schatzsuchern, die den Fund als Handgranate identifizierten. Das bestätigten anderntags Experten der Polizei.

Vom Schatzsucherfieber ist Beiersdorf seit dem Jahr 2000 befallen. Damals hatte er einen befreundeten Sondengeher begleitet. Und als der römische Silbermünzen aufgespürt hatte, wollte es der Gilchinger auch wissen. Er startete in sein neues Hobby mit einem gebrauchten Detektor, informierte sich eingehend über Rechte und Pflichten eines Schatzsuchers und wurde Mitglied beim historischen Verein Fürstenfeldbruck.

Münzen aus der Römerzeit

Wie viele Funde er angesammelt hat, kann der Gilchinger in Zahlen nicht angeben. Etliches bewahrt er in einer Vitrine daheim auf. Andere Stücke hat er dem Museum in Fürstenfeldbruck überlassen. Hauptsächlich sind es Münzen aus der Römerzeit, Fibeln (eine Art Sicherheitsnadeln zum Zusammenhalten von Kleidungsstücken) oder andere Gebrauchsgegenstände. Es ist nicht alles historisch, was der Detektor aufspürt. „Da muss man sich schon wundern, wie viele Rückstände aus unserem Wohlstandsmüll in der Natur landen“, erzählt Beiersdorf, „nebenbei säubern wir also auch unsere Felder.“

Beim Suchen stößt Beiersdorf auch schon mal auf Scherben: „Die Augen sind mein zweiter Detektor.“ Archäologische Funde lokalisiert der Gilchinger per GPS und fotografiert sie an der Fundstelle. Mit diesen Daten schickt er sie ans Landesdenkmalamt, wo die Funde registriert werden. Dann bekommt der Finder sie zurück, es sei denn, sie haben einen bedeutsamen archäologischen Wert.

Wem gehört ein Schatz aus dem Boden? Bayern ist das einzige Bundesland, das kein so genanntes Schatzregal eingeführt hat. Das regelt, dass herrenlose Bodenfunde ins Eigentum des Landes übergehen. „In Bayern gilt deshalb die Hadrianische Teilung: 50 Prozent für den Finder, die andere Hälfte für den Grundeigentümer“, erklärt der Gilchinger. Und sollten Archäologen den Fund beanspruchen, müssen sie Eigentümer und Finder entschädigen.

Manche Schatzsucher sind im Auftrag von Grundeigentümern tätig. Beiersdorf nicht, sagt er beim Treffen mit unserer Zeitung im Biergarten des Gilchinger Gasthofs Widmann. Kaum ausgesprochen, wendet sich Kellner Robert an ihn. Der hatte gesehen, wie Beiersdorf den Detektor in seinem Pkw verstaute. „Können Sie bei mir im Garten auch mal suchen“, fragt er und deutet zum Hang Richtung Friedhof. Beiersdorf grinst und sagt zu.

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