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„Vor dem Thema gibt es große Angst“: Monika Keck mit ihrem Buch „Noch einmal schwimmen“, das Erfahrungsbericht und Ratgeber gleichermaßen ist. 

Hospizarbeit

„Spagat zwischen Freude und Abschied“

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Die Gilchingerin Monika Keck begleitete ihre Mutter auf ihrem letzten Weg und hat darüber ein buch geschrieben.

Gilching – Vor wenigen Jahren noch hätte sich Monika Keck aus Gilching nicht träumen lassen, dass sie einmal ein Buch über Sterbebegleitung schreiben würde. Aber mit dem Tod ist es so: Ewig hat man nichts mit ihm zu tun, und dann steht er plötzlich vor der Tür. Bei Monika Keck war das im November 2010. Damals diagnostizierten die Ärzte bei ihrer Mutter Antonie Sarkome, eine sehr seltene, unheilbare Krebserkrankung. Was dann geschah, darüber hat Monika Keck ein Buch geschrieben. Sie selbst ist heute Koordinatorin des Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes der Caritas in Fürstenfeldbruck.

Es ist ein warmer Septembertag. Monika Keck sitzt in einem Café in Gilchings Zentrum vor einer Tasse Tee, geduldig hat sie zuvor der Fotografin Modell gestanden. Drei Jahre hat sie gebraucht, um das Buch über das Sterben ihrer Mutter zu schreiben. „Das hätte ich nie gedacht, dass ich das überhaupt kann – schreiben“, sagt sie und lacht. „Aber ich wollte einfach erzählen, was Angehörige erleben.“

Mit der Diagnose begannen für die Familie Monate des Hoffens und Bangens. Nach eineinhalb Jahren schließlich galt die Erkrankung der in Weßling lebenden Mutter als „austherapiert“, sie wurde aus der Palliativstation entlassen mit der Frage: Hospiz oder Pflege und Sterben daheim. „Wir waren völlig überfordert“, erzählt Keck. In ihrem Buch schildert sie die Verzweiflung und den Schrecken, die Ratlosigkeit der Familie auf der einen, und die Nüchternheit der entlassenden Klinik auf der anderen Seite.

Das Haus der Kecks in Weßling wurde zu einem „Ein-Bett-Hospiz“. „Die ersten Tage der Pflege im eigenen Haushalt waren durch absolute Überforderung gekennzeichnet“, schreibt Keck in ihrem Buch. Der Wille war da. Aber die Bedienung einer Morphin-Schmerzpumpe, der Umgang mit einer Schwerstkranken, zehrte an den Kräften aller. „Wir entschieden uns, den ambulanten Hospizdienst zu Hilfe zu holen.“

Hospizhelfer arbeiten ehrenamtlich. Sie sind ausgebildet und geschult. Entsprechend helfen sie bei der palliativen Pflege, im täglichen Ablauf, eigentlich bei allem, was ansteht. Und bringen Ruhe und Empathie mit. „Ab der zweiten Pflegewoche hatte ich das zunehmende Gefühl, langsam in die Situation der palliativen Pflege der eigenen Mutter hineinzuwachsen“, schildert Keck die Situation. Die Hospizhelferin, eine pensionierte Sonderschullehrerin aus Weßling, kam fast täglich und sorgte dafür, dass die Familie, vor allem aber die Schwerstkranke, die Situation nicht mehr als panisch und in Überforderung erlebte. Antonie Keck konnte in Frieden zu Hause sterben.

Monika Kecks Leben hat diese Erfahrung verändert. „Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen.“ Vor allem wollte sie, dass die Menschen wissen, was Hospizdienst bedeutet und dass er eine elementare Hilfe sein kann. Sie entwarf und druckte auf eigene Faust Flyer, die sie in den Krankenhäusern verteilte, und ließ sich direkt zur Koordinatorin für den ambulanten Hospizdienst ausbilden. Als dann bei der Caritas eine Stelle als Koordinatorin frei wurde, bewarb sich Keck erfolgreich.

„Vor dem Thema gibt es größte Angst“, das stellt Keck immer wieder fest. „Huch, ist es schon soweit?“, dies sei eine übliche Reaktion auf den Anruf des Hospizdienstes. Neben der Unterstützung der Angehörigen steht bei den Hospizhelfern eins besonders im Vordergrund: „Wir wollen den Weg mit dem Kranken gemeinsam gehen“, sagt Keck. Das heißt, soweit wie möglich Lebensqualität und die Wünsche des Kranken zu realisieren. „Das kann dann auch mal Sportschau schauen und Weißbier trinken sein“, sagt Keck. Oder schwimmen gehen, eine letzte Reise. „Glück und Freude vermitteln, auch das ist auf dem letzten Weg möglich“, sagt Keck. Ein bisschen sei das wie ein Spagat. „Wir teilen Freude miteinander, aber auch den Abschied.

„Noch einmal schwimmen“

von Monika Keck ist im Reinhardt-Verlag erschienen. Preis: 16,90 Euro.

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