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Der Untergrund ist das Problem: Die Baustelle an der Ecke Römer-/Rathausstraße in Gilching.

Ortsentwicklung

Bauvorhaben abgeschmettert

Schluffiger Untergrund: Die Raiffeisenbank will bei ihrem Projekt in gilching die Tiefgarage verkleinern. Der Gemeinderat hat daraufhin das gesamte Projekt gekippt. 

Gilching – „Einstimmig abgelehnt“, lautete am Montag die Entscheidung des Gilchinger Bauausschusses in puncto Bauvorhaben Raiffeisenbank. Für diese Einmütigkeit sorgte ein Antrag der Bauwerber auf Verzicht von 26 Stellplätzen beim geplanten Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Römer-/Rathausstraße. Nun ist guter Rat teuer.

Der Antrag kam überraschend, sowohl für die Verwaltung, als auch für das entscheidende Gremium. War stets von einer zweistöckigen Tiefgarage unter dem geplanten Gebäude anstelle des bereits abgerissenen Posthochhauses die Rede gewesen, soll die Tiefgarage jetzt nur noch eingeschossig sein. Begründung der Bank als Antragssteller: „Aus Gründen der Bodenbeschaffenheit wird die Herstellung einer zweiten Tiefgaragenebene nicht möglich.“ Im Klartext: Unterhalb des Steinberges besteht der schluffige Untergrund vorwiegend aus Kies, beziehungsweise fließt viel Wasser den Steinberg hinunter. Ein Umstand, der nicht neu sei, sagte Thomas Reich (FW) in der Haupt- und Bauausschusssitzung am Montag. „Mit diesem Problem haben alle zu kämpfen. Ich war entsetzt, als ich den Antrag auf Reduzierung der Stellplätze gelesen habe.“

Reich wies zudem darauf hin, dass auf dem Scherbaum-Grundstück gegenüber der Bauherr die Spundwände als Schutz gegen das drohende Hochwasser im Erdreich habe stehen lassen. Wie berichtet, entsteht dort ebenfalls ein mehrstöckiges Wohn- und Geschäftshaus mit Café im Erdgeschoss. Reich: „Es ist schlichtweg falsch, wenn hier behauptet wird, dass man wegen der geologischen Verhältnisse nicht tiefer bauen kann. Es bedeutet allenfalls einen erheblichen Mehraufwand. Will man den nicht leisten, muss die Bausubstanz reduziert werden.“

Der Mehraufwand mache rund 1,6 Millionen Euro aus, erklärte einer der Experten für Bodenbeschaffenheit. Er räumte gleichzeitig ein, dass auch dann keine Garantie gegeben sei und es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen in der Tiefgarage zu Problemen durch die starke Wassereinwirkung kommen könne.

Dem Vorhaben Stellplatzreduzierung stand auch Bürgermeister Manfred Walter ablehnend gegenüber. „Meine Fraktion hat sich ebenfalls eingehend mit dem Thema beschäftigt. Wir können uns nicht vorstellen, den Verlust dieser hohen Zahl an Stellplätzen gegen eine finanzielle Ablöse hinzunehmen. Wenn es unten nicht passt, muss halt oben reagiert werden“, sagte der Rathauschef und empfahl: „Entweder es wird kleiner gebaut oder es kommen Nutzungen hinein, die keinen so großen Publikumsverkehr nach sich ziehen, wie es derzeit der Fall sein wird.“ Wie berichtet, sind in dem vierstöckigen Gebäude ein Supermarkt, eine Apotheke, die Radiologie, etliche Arztpraxen und Wohnungen vorgesehen.

Parkplätze sind im Zentrum generell Mangelware. Gemäß der Festsetzung im Bebauungsplan sind für das neue Hochhaus 107 Stellplätze nachzuweisen. Da eine Ebene in der Tiefgarage gestrichen werden soll, kommt der Antragssteller jedoch lediglich auf 81 Stellplätze. „Das ist eindeutig zu wenig“, mahnte Walter. Paul Vogl (CSU) kritisierte zudem, dass sich entgegen der ursprünglichen Pläne das Erdgeschoss mit Supermarkt weder durch Transparenz noch durch offene Schaufenster auszeichne. „Wir sind weit davon entfernt von dem, was wir wollten. Hier wird nicht mit offenen Karten gespielt“, warf er den Bankern vor. Einstimmig wurde der Antrag auf Stellplatzreduzierung abgelehnt, was auch die Ablehnung des anschließend zu beratenden Bauantrages ohne Diskussion zur Folge hatte.

Beim Hinausgehen räumte Raiffeisenvorstand Wolfgang Schneider ein, das Problem der kritischen Bodenbeschaffenheit unterschätzt zu haben. „Jetzt müssen wir uns erst einmal mit den Planern und Gutachtern zusammensetzen und überlegen, was zu tun ist. Uns geht es gar nicht um den finanziellen Mehraufwand, sondern darum, dass auch bei allen bisher vorgeschlagenen Vorsichtsmaßnahmen ein Restrisiko bleibt. Das wollen wir nicht eingehen.“

Uli Singer

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