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Großer Bahnhof beim Kreisbauerntag in Gilching (v.l.): Gilchings Bürgermeister Manfred Walter, CSU-Bezirksrat Harald Schwab, Vize-Landrat Georg Scheitz, CSU-Landtagsabgeordnete Dr. Ute Eiling-Hütig, Kreisbäuerin Anita Painhofer, Kreisobmann Georg Zankl, Abt Dr. Johannes Eckert, CSU-Landtagsabgeordnete Angelika Schorer, Vize-Obmann Stefan Dellinger und BBV-Geschäftsführer Thomas Müller. 

Kreisbauerntag

Bauern zwischen Frust und Hoffnung

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Die Landwirtschaft sieht sich mit unzähligen Herausforderungen konfrontiert. Daher stand auch der Kreisbauerntag des Kreisverbands Starnberg am gestrigen Freitag ganz unter diesem Motto. Zum ersten Mal seit 40 Jahren fand er im Gasthof Widmann in Gilching statt.

Gilching – Ortswechsel nach 40 Jahren vom Kloster andechs nach Gilching: Vize-Landrat Georg Scheitz, zahlreiche Bürgermeister und Kommunalpolitiker, Vertreter mehrerer Behörden und Verbände und auch Abt Dr. Johannes Eckert hatten den Weg trotzdem gefunden. Kreisbauernobmann Georg Zankl wollte sich zu der Gemengelage gar nicht mehr groß äußern. „Habts Ihr ja alle heute in der Zeitung gelesen“, sagte er knapp. Und: „Ich finde es traurig, wenn man die Landwirtschaft nicht mehr wertschätzt. Wenn der Euro mehr zählt, ist etwas verloren gegangen.“

Wie berichtet, hatten Unstimmigkeiten zwischen Zankl und Alexander Urban vom Klostergasthof dazu geführt, dass Zankl die Veranstaltung kurzerhand nach Gilching verlegt hatte. Unter anderem war es wohl um die Auslastung gegangen. Auch der Saal im Gilchinger Gasthof Widmann war bei Weitem nicht gefüllt. „Das ist ein bisschen ein Trauerspiel“, kommentierte dies Bergs Bürgermeister Rupert Monn am Rand der Veranstaltung.

Kurzweilig war sie dennoch. Denn es gibt eine Menge Themen und Probleme. Angefangen bei Glyphosat über Anschuldigungen der Imker, stete Verunglimpfung durch die Bürger bis hin zur afrikanischen Schweinepest. Diese wütet bereits in Tschechien und Polen und ist damit nur noch etwa 300 Kilometer von Bayern entfernt. Zankl befürchtet „verheerende Auswirkungen auf alle“, allein schon wegen der Sperrbezirke, die im Seuchenfall hierzulande auszuweisen seien.

Eine Sorge von vielen. Neulich erst hat sich Zankl bei der Jahrestagung der Imker ziemlich über diese ärgern müssen. „Gleich der erste Vortrag richtete sich nur gegen die Landwirtschaft, mit Schuldzuweisungen, die weit hergeholt und nicht belegt waren“, schimpfte er. „Die Landwirtschaft macht einen guten Job und beste Lebensmittel. Es kann nicht sein, dass wir uns von der Öffentlichkeit so beschimpfen lassen.“

Als Rednerin begrüßte Zankl die CSU-Landtagsabgeordnete Angelika Schorer. .„Bayerische Agrarpolitik im Fokus zukünftiger Herausforderungen“, lautete ihr Thema. Schorer lebt im Allgäu und hat mit ihrem Mann 20 Jahre lang einen Hof bewirtschaftet – sie weiß also, wovon sie spricht, machte aber natürlich auch eine Menge Werbung für die Arbeit der CSU. Sie appellierte, weniger übereinander als vor allem miteinander zu reden und beklagte das breite Unwissen zu komplizierten Sachverhalten. „Gerade bei der Diskussion über Glyphosat wird alles in einen Topf geschmissen. Dabei ist es wichtig, die Unterschiede zu kennen.“ Eines der Probleme sei der oftmals verklärte Blick auf die Landwirtschaft und auch das Tierwohl. „Hier gibt es immer mehr Erklärungsnot.“ Dabei sei es doch so: „Wenn es meinen Kühen nicht gut geht, geben sie keine Milch.“

An allen Ecken und Enden wird in der Landwirtschaft geschraubt. Insektenschutz, Düngemittelverordnung, regionale Vermarktung, Flächenfraß und Maßnahmen gegen die Schweinepest: Vieles werde in all diesen Teilbereichen getan, so die Politikerin. Grundsätzlich sei dafür auch eine gute Zusammenarbeit aller Institutionen und Landwirte wichtig. „Aber wir müssen auch mehr erklären“, appellierte sie. Was natürlich schwer sei, „weil wir immer weniger werden“.

Ein bisschen was anhören musste sich die Politikerin dann auch noch. Georg Zerhoch, CSU-Gemeinderat aus Frieding, erregte sich über in seinen Augen mangelnde Informationspolitik, was die Ausweisung von FHH-Flächen angehe und warf Schorer „vorauseilenden Gehorsam“ vor. Stefan Dellinger aus Unering beklagte die hohen Hürden, die Landwirten in den Weg gelegt würden, wenn sie Bauvorhaben planten.

Zum Schluss wurde es dann noch heiter. Monn machte sich mit der Bemerkung unbeliebt, dass Wohnbebauung mit Sträuchern und Bäumen im Zusammenhang mit Ausgleichsflächen eine „Aufwertung jedes Maisackers“ sein könnte. Max Stürzer bezeichnete das dann gleich als „Griff ins Klo“, und Monn hatte ein bisschen zu tun, bis er seine Kollegen beruhigt hatte. Schließlich meldete sich auch noch Hubert Dietrich, Vorsitzender der Imker, zu Wort: „Du hast nur den ersten Vortrag gehört“, sagte er zu Zankl und schlug ihm vor, in Zukunft doch auch mal jemanden vom Imkerverein beim Bauernverband reden zu lassen.

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