Treffen vor der Lärmschutzwand: Während Paul Nützel mit den Behörden wegen der Situierung der Galerie im Clinch liegt, ist Inge Kiendl zufrieden
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Treffen vor der Lärmschutzwand: Während Paul Nützel mit den Behörden wegen der Situierung der Galerie im Clinch liegt, ist Inge Kiendl zufrieden

Lärmschutz an der A 96

Lärmschutzgalerie hilft nicht jedem

Gut Ding will Weile haben. Zwölf Jahre hofften die Bewohner entlang der A 96 in Gilching auf besseren Lärmschutz. Der ist nun durch den Bau einer Lärmschutzgalerie gegeben. Ein Loblied darauf will Anwohner Paul Nützel nicht singen.

Gilching – „Es reicht“, sagte Inge Kiendl im Sommer 2008 und startete eine Unterschriftenaktion. Die heute 75-jährige Anwohnerin an der Kohlstatt in der sogenannten Waldkolonie im Gilchinger Ortsteil Neugilching fand schnell Mitstreiter, die ebenfalls von einer gewaltigen Einschränkung ihrer Lebensqualität durch den „unerträglichen Autobahn-Lärm“ genervt waren. Innerhalb weniger Wochen kamen 1000 Unterschriften zusammen, die im Juli 2008 an Bürgermeister Manfred Walter sowie an Innenminister Joachim Hermann übergeben worden waren. Unterstützung bekam die Initiative seinerzeit von dem 2013 verstorbenen SPD-Gemeinderat und dritten Bürgermeister Dieter Moehring, der an den zuständigen Stellen persönlich vorsprach. Dennoch dauerte es noch sieben Jahre, bis sich eine Lösung anbahnte.

Der von der Autobahndirektion Südbayern beschlossene sechsspurige Ausbau der Autobahn sah im Zuge dessen auch entsprechenden Lärmschutz für die Anwohner vor. Zwar wurde der Forderung Moehrings, im Bereich Neugilching und Waldkolonie ein Limit von Tempo 80 anzuordnen, nicht stattgegeben. Stattdessen aber sahen die Planer eine geschlossene Lärmschutzgalerie auf einer Länge von 523 Metern vor. Eine weitere, 973 Meter lange Galerie entstand auf Höhe von Germering. Die Kosten für beide Galerien lagen bei etwa 60 Millionen Euro, der Unterhalt liegt jährlich allein für die Stromkosten der Galerie in Gilching bei rund 150 000 Euro.

Die Bauarbeiten sind nun abgeschlossen, doch ein Loblied wolle man nicht anstimmen, sagt der 73 Jahre alte Paul Nützel. Er wohnt am Argelsrieder Weg und spricht von deutlichen Dissonanzen. In einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, das in Kopie an die Autobahndirektion, das Landratsamt sowie die Gemeinde ging, heißt es: „Es ist richtig, die Maßnahmen haben eine Wirkung für einen Teil der Bebauung. Leider sind der östliche Teil von Neugilching und der Ortsteil Argelsried weiterhin ohne Lärmschutz.“

Seiner Meinung nach enden die Galerie und auch der Wall auf der östlichen Seite „viel zu früh“, so dass sich der Lärm bei entsprechenden Windverhältnissen wie gehabt ungehindert ausbreitet. „Das war vorhersehbar, die Maßnahmen sind nicht zu Ende gedacht. Um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu bekommen, muss dieser Mangel beseitigt werden.“ Die Schreiben wurden zwar bestätigt, eine konkrete Antwort jedoch steht noch aus, bedauert Nützel. „Ich bleibe aber dran und lasse auch nicht locker.“

Besser geht es da den Anwohnern inmitten der Waldkolonie. „Bei uns ist es wesentlich ruhiger geworden“, betont Inge Kiendl. Lediglich aus Richtung Germering sowie vom Röchnerknoten her sei noch Lärm zu hören. „Das ist aber erträglich, und es kommt auch darauf an, woher der Wind bläst.“

Uli Singer

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