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Spezialist für gebogene Hölzer: Bogenbauer Daniel Krist bei der Arbeit. 

Seltener Beruf

Er kam durch einen VHS-Kurs zu seinem Job: Der letzte Holzbogenbauer im Landkreis Starnberg

Er ist der letzte seiner Art im Landkreis Starnberg: Der Gilchinger Daniel Krist baut Holzbögen und gibt auch Bogenschießkurse. Über ein äußerst seltenes Handwerk.

Gilching – Meldet man sich bei Daniel Krist für einem Besuch an, wird es ein Ausflug in eine wahre Idylle am Gilchinger Steinberg. „Es ist die letzte Idylle in Gilching“ – davon ist Krist überzeugt. Und der 44-Jährige selbst ist der letzten Holzbogenbauer im Landkreis Starnberg. Seine Werkstatt liegt auf dem Gelände des Waldkindergartens „MuKuNa“. Und weil ihm die Arbeit generell und im Besonderen auch mit Kindern Spaß macht, gibt Daniel Krist das Jahr über nicht nur Bogenbau- und Bogenschieß-Kurse für Erwachsene, sondern aktuell anlässlich des Gilchinger Ferienprogramms auch für den Nachwuchs.

Ursprünglich hat Krist eine Lehre zum Autolackierer gemacht. Es folgten die Ausbildung zum Sozialpädagogen und ein langjähriges Engagement innerhalb eines Projekts mit schwer vermittelbaren Jugendlichen, das vom Jugendamt gefördert wurde.

Vor zehn Jahren dann meldete ihn Lebensgefährtin Inge-Verena Niedern in München zu einem VHS-Kurs „Holzbogenbau“ an. „Ohne mein Wissen. Aber sie ahnte, dass ich eine neue Herausforderung suche und hatte mit dem Kurs den richtigen Riecher“, sagt er. Sein Dozent war damals Charly Sauer, einer der besten Holzbogenbauer Deutschlands. Krist wurde dermaßen inspiriert, dass er das Hobby zur Profession machte.

Bestellungen aus ganz Europa

Über Mangel an Aufträgen kann er sich nicht beklagen. „Bestellungen kommen aus ganz Europa. Eine meiner letzten Arbeiten ging bis nach Barcelona.“ Krist erzählt, dass die Umstellung von Holz auf die Verwendung von Glasfaser um 1934 herum eingeleitet wurde und deshalb auch das Wissen über die Arbeitsweise weitgehend verloren gegangen ist. Krist weiß zum Beispiel, dass die Holzfeuchtigkeit nicht mehr als zwölf Prozent betragen darf.

In den 70er Jahren wurde der Beruf des Gilchingers wieder zum Leben erweckt. Obwohl Glasfaserbogen aus China schon ab 100 Euro zu haben sind, zieht das Geschäft mit den Holzbögen (Preis: mindestens 400 Euro) in den vergangenen Jahren an. „Hat jemand eine Affinität zu Holz, zieht er das Naturmaterial der Glasfaser vor, obwohl beim Schießen kein so großer Unterschied besteht“, sagt Krist. Positiv ist auch, dass das Holz jedes Baumes verwendet werden kann.“ Das teuerste Holz komme aus Nebraska (USA). Näheres zu den Kursen gibt es unter www.krist-holzbogenbau.de.

Uli Singer

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