Die Corona-Pandemie verändert auch die Polizeiarbeit.
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Die Corona-Pandemie verändert auch die Polizeiarbeit.

Polizeistatistik

Mehr Straftaten, höhere Aufklärungsquote

  • Hanna von Prittwitz
    vonHanna von Prittwitz
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Die Pandemie verändert auch die Polizeiarbeit. Das zeigt die Kriminalstatistik für die Gemeinde Gilching. Dort ahndete die Polizei im vergangenen Jahr allein 244 Verstöße gegen Ausgangssperre und Kontaktbeschränkungen.

Gilching – Völlig neue Anforderungen stellt die Pandemie auch an die Polizei: Dies stellt Andreas Ruch, Vizechef der Inspektion Germering, in seiner aktuellen Statistik fest. Seine Dienststelle ist für fünf Kommunen zuständig, darunter auch die Gemeinde Gilching. Insgesamt leben 99 807 Menschen im Dienstbereich, mit 20 010 Einwohnern ist Gilching nach Germering und Puchheim die drittgrößte Kommune. Bilanz insgesamt: Die Zahlen steigen, aber mit ihnen auch die Aufklärungsquote.

658 Straftaten ereigneten sich im vergangenen Jahr in Gilching. Im Vorjahr waren es noch 587. Die Aufklärungsquote ist von 66,6 auf 68,4 gestiegen, also um 1,8 Prozentpunkte. „Das ist ganz gut“, findet Ruch. Abgesehen davon gibt es Besonderheiten, die nur für Gilching gelten. So habe die Masche mit den falschen Beamten dort bis dato nicht funktioniert. „Das ist immer besonders bitter, wenn Senioren in unserem Namen abgezogen werden“, sagt Ruch. Der Enkeltrick allerdings funktionierte sehr wohl: Eine 90-Jährige händigte Betrügern beispielsweise Schmuck im Wert von rund 50 000 Euro aus. Hartnäckig hält sich auch die Drogenszene in Gilching: „Da gibt es nach wie vor eine aktive Gruppe, die sich im Bereich Rauschgift nicht an die Spielregeln hält“, sagt Ruch. Sinnigerweise handele es sich oft um dieselben Täter. „Sie scheinen beratungsresistent.“

Die Pandemie verhindert zwar Einbrüche – 2020 waren es in Gilching nur vier (2019: drei) –, allerdings hatten die Beamten alle Hände voll zu tun mit Verstößen gegen Ausgangssperre und Kontaktbeschränkungen. Allein in Gilching vermeldeten die Beamten 244 Verstöße dieser Art. Dass sich die Regeln ständig änderten, machte die Sache nicht leichter. Deutlich gestiegen ist die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte, nämlich von 61 im Vorjahr auf 92. Ruch erklärt sich das durch die Tatsache, „dass noch nie so viele Leute im Internet auf Shoppingtour gegangen sind“. In dem Bereich würden sich immer mehr Ganoven tummeln. „Es verging praktisch kein Tag, an dem nicht diverse Anzeigen aus dem Bereich Onlineshopping im elektronischen Postfach der Germeringer Inspektion eingegangen wären.“

Zusätzlich dazu verstießen Gilchinger Bürger in drei Fällen gegen das Waffengesetz (2019: sechs) und zeigten insgesamt 104 Diebstähle an (2019: 153). Die Polizei ahndete darüber hinaus 125 Fälle von Sachbeschädigung, darunter 36 Graffiti (2019: 81, 7), zehn Ladendiebstähle, 14 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und eine Vergewaltigung, die sich in den eigenen vier Wänden abspielte.

Rückläufig waren die Anzeigen im Bereich der häuslichen Gewalt. Im gesamten Dienstbereich wurden 183 Fälle dieser Art angezeigt (2019: 208). „Aber die Zahl täuscht“, da ist sich Ruch sicher. Gespräche mit Fachstellen zeigten ein gänzlich anderes Bild. „Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.“

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