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Der tägliche Stau in Gilching: An der Kreuzung Römerstraße/Karolingerstraße geht’s nur im Schritttempo. 

Verkehr

Mit Tempo 10 durch Gilching

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Der Straßenverkehr im westlichen Landkreis entlang der A 96 erfordert von vielen Verkehrsteilnehmern zu den Stoßzeiten derzeit eine Menge Geduld. Vor allem Gilching entwickelt sich immer mehr zum Nadelöhr.

Landkreis – Mehr als 20 Minuten für gut drei Kilometer – so lange kann es derzeit im morgendlichen Berufsverkehr einmal quer durch Gilching dauern. Vom nördlichen Ortseingang staut es sich über Brucker Straße und Römerstraße bis zum Anschluss an die A 96 – bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 km/h.

„Das ist leider so“, übt sich Bürgermeister Manfred Walter in Gelassenheit und hofft auf die Westumfahrung, die Ende nächsten Jahres fertig sein soll. „20 bis 50 Prozent Entlastung“ verspricht er sich dann für das Gilchinger Zentrum. Maßnahmen für den Umbau der Römerstraße sollen noch heuer besprochen werden. „Sobald unser Haushalt vom Landratsamt genehmigt ist, werden wir ein Planungsbüro einschalten“, sagt Walter. „In der zweiten Jahreshälfte kommt dann Dynamik rein.“

Der ortsansässige Taxiunternehmer Wilhelm Krautsieder („Taxi-Willi“) ist weit weniger optimistisch, was die Auswirkungen der Westumfahrung anbelangt. „Wir sehen im Augenblick das Bild, dass kommt, wenn die Umfahrung fertig ist“, befürchtet er. „Leute, die sich auskennen, werden auch weiterhin durch den Ort fahren“, sagt er und nennt die Weßlinger Umfahrung als Beispiel. 4,8 Kilometer um Gilching rum und sich dann eine Ausfahrt weiter hinten (Oberpfaffenhofen) in den Stau zu stellen, werde viele abschrecken, glaubt Krautsieder.

Innings Bürgermeister Walter Bleimaier versucht mittlerweile, Gilching so weit wie möglich zu meiden. „Wenn ich nach Starnberg muss, fahre ich wieder über die Dörfer, Perchting, Unering“, sagt er. Als Problem hat er vor allem den stetig zunehmenden Verkehr auf der A 96 ausgemacht. Fast täglich ist dort Stau, mal wegen des hohen Verkehrsaufkommens, mal wegen der Baustelle für den sechsspurigen Ausbau, mal wegen der ausgelösten Höhenkontrollen an den Tunneln Etterschlag und Eching, mal, weil alles zusammenkommt. Gestern in der Früh waren es wieder zehn Kilometer ab Inning. Viele Autofahrer aus Richtung Landsberg verlassen deswegen die A 96 und versuchen es über die Begleitstrecke, „zum Teil schon ab Greifenberg“, hat Bleimaier festgestellt. Abhilfe könne da nur der Ausbau zwischen Gilching und Germering bringen, der bis 2020 fertig sein soll. „Ich hoffe, dass wir dann wenigstens keinen Rückstau mehr von Germering haben.“

64 400 Fahrzeuge täglich sind auf der A 96 östlich von Oberpfaffenhofen gezählt worden – vor zwölf Jahren bereits. Prognostizierte Zunahme bis 2025 laut Autobahndirektion Südbayern: 15 bis 20 Prozent. „Der vierspurige Querschnitt hat seine Leistungsfähigkeitsgrenze erreicht bzw. überschritten“, heißt es.

„Die Ausweichbewegungen beginnen, sobald der Verkehr auf der Autobahn steht“, bestätigt Herrschings Polizeichef Erich Schilling. Hoffnung auf kurzfristige Besserung sieht er nicht. „Der Verkehr ist einfach da. Was soll man machen?“ Immerhin würde die Westumfahrung von Weßling mit der Zeit stärker angenommen, hat er beobachtet. „So etwas muss sich immer erst einspielen.“

Das Nadelöhr A 96 beschäftigt auch die für Gilching zuständige Polizeiinspektion Germering – aus dienstlicher wie aus privater Sicht. „Wir haben Kollegen, die aus Landsberg kommen. Die fahren mittlerweile früher los, um rechtzeitig zum Dienst zu sein“, sagt der stellvertretende Leiter Andreas Ruch. Zudem seien die Wechselwirkungen zwischen dem Autobahnverkehr und dem auf den Landstraßen und Gilching enorm.

Als weiteren neuralgischen Punkt hat Ruch die B 2 im Landkreis Fürstenfeldbruck ausgemacht, eine Strecke, die auch viele Landkreis-Pendler nutzen, um zur A 99 zu kommen. Auch die ist mittlerweile völlig überlastet. Ruch hält es für möglich, dass Pendler anstatt sich dort in den Stau zu stellen jetzt lieber mit 10 km/h durch Gilching quälen und dann weiter Richtung KIM (Krailling) fahren, um nach München zu kommen. „Pendler versuchen immer neue Wege, um ans Ziel zu kommen“, sagt Ruch. Oder, wie es Innings Bürgermeister Bleimaier sagt: „Der Verkehr ist die Geißel des Wohlstands.“

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