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Das Ampel-Provisorium steht seit gut zwei Monaten in Gilching: Bürgermeister Manfred Walter will es nun durch eine reine Fußgängerbedarfsampel ersetzen. Die Vorfahrtsregelung soll bestehen bleiben. 

Am Gilchinger Ortseingang

Nach Stau und Beschwerden: Ende des Ampel-Experiments

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Die Ampelanlage kurz hinter dem Ortseingang von Gilching soll durch eine reine Fußgängerampel ersetzt werden. Seit dem Aufbau des Provisoriums vor gut zwei Monaten war die Anlage gerade sechs Stunden in Betrieb – mit verheerenden Folgen.

Gilching – „Heftig bis beleidigend.“ Mit diesen Worten beschreibt Gilchings Bürgermeister Manfred Walter die Reaktionen von Verkehrsteilnehmern auf die Ampel an der Kreuzung Am Römerstein/Münchner Straße. Erst Mitte März wurde das Provisorium aufgebaut – gleichzeitig mit der Änderung der Verkehrsführung. Seitdem handelt es sich dort um eine abknickende Vorfahrtsstraße aus der Gilchinger Ortsmitte in Richtung Geisenbrunn. Der Verkehr aus Richtung Autobahn muss warten. Ziel des Vorhabens: die Kreuzung für Fußgänger und Radfahrer sicherer machen – und den Durchgangsverkehr entschleunigen und ihn so auf die Westumfahrung bringen.

In der Sitzung des Gemeinderats am Dienstagabend (Beginn: 19 Uhr, Rathaus) will Walter Bilanz ziehen. Und die fällt so deutlich aus, dass er dem Gremium vorschlägt, die bisherige Vollampel durch Fußgängerbedarfsampeln zu ersetzen. Die Vorfahrtsregelung soll bleiben.

Neun Minuten Rückstau

Die wenigsten Verkehrsteilnehmer werden die Ampel in den gut zwei Monaten ihres Bestehens überhaupt in Betrieb gesehen haben. Es waren in der Summe auch nur etwa sechs Stunden, wie Walter im Gespräch mit dem Starnberger Merkur erklärt. An zwei Nachmittagen jeweils von etwa 13 Uhr an hätten die Testphasen stattgefunden, sagt er. Ergebnis: „Der gemessene Rückstau zur Hauptverkehrszeit in Fahrtrichtung Ortsmitte betrug dabei in der Spitze neun Minuten (Rückstau bis zur Einmündung Unterbrunner Ring), wobei in Fahrtrichtung Starnberg/Geisenbrunn die Wartezeit nicht nennenswert war“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Neben den teils beleidigenden Reaktionen an Ort und Stelle habe es auch „eine hohe Anzahl an negativen Rückmeldungen“ gegeben.

Besonders beeindruckend: Zum Zeitpunkt dieser Tests herrschten die schärfsten Ausgangsbeschränkungen im Zuge der Corona-Krise. Bei normaler Verkehrsbelastung muss zu Hauptverkehrszeiten also mit noch längeren Rückstaus gerechnet werden, bis zum Kreisel am Gewerbepark Ost (Porsche-Zentrum) oder sogar bis zur Lindauer Autobahn. „Wir mussten den Versuch wieder abbrechen“, gibt Walter unumwunden zu. Auch Optimierungen der Phasenschaltung an der Ampel hätten den Rückstau nicht verhindert. Die geänderte Vorfahrtsregelung funktioniere ansonsten aber „einwandfrei“, sagt er.

Ob er am Dienstag im Gemeinderat eine Mehrheit für seinen Vorschlag bekommt, vermochte er gestern nicht zu sagen. „Die Stimmungslage ist sehr ambivalent. Ich bin selbst gespannt.“

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