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Kiefern- und Birkenmoorwald in einer der intakten Ecken im Gilchinger Wildmoos.

Naturschutz

Schwere Geburt Wiedervernässung

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Die Wiedervernässung des Gilchinger Wildmooses zieht sich hin. In Starnberg fand nun eine Infoveranstaltung für die Anrainer statt. Sechs von ihnen verweigern nach wie vor ihre Zustimmung.

Starnberg/Gilching – Die Wiedervernässung des Gilchinger Wildmooses beschäftigt Behörden, Naturschützer und Grundstückseigner seit 2013. Am Montagabend fand im Anschluss an die Eröffnung der Wanderausstellung „Faszination Moor – Naturwunder, Lebensraum, Klimaschutz“ eine Informationsveranstaltung für die Eigentümer statt.

An die 70 Interessierte hatten sich dazu im großen Sitzungssaal des Landratsamts eingefunden. Unter ihnen neben Grundbesitzern auch Mitglieder des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), „die endlich wissen wollen, wie es weitergeht“, wie sie sagen. Die Naturschützer treffen sich zu regelmäßigen Arbeitseinsätzen im Wildmoos, wenn nach der Mahd die Wiesen abgerecht werden müssen.

Die Wiedervernässung ist ein Projekt der Unteren Naturschutzbehörde. Konkret geschehen ist bis heute jedoch wenig – außer einer Kartierung und Bodenuntersuchungen. Denn die insgesamt 120 Grundbesitzer müssen ihre Zustimmung geben. Peter Drefahl, Sachbearbeiter für Naturschutzrecht und Landschaftspflege im Landratsamt, spricht von sechs Beteiligten, die bis heute die Wiedervernässung ablehnen. Das Moos liegt brach, die bestehenden Gräben entziehen ihm jedoch ständig Feuchtigkeit. Zum Teil hat sich auf der 40 Hektar großen Fläche Fichtenwald angesiedelt. Betreten und bearbeitet werden darf das Moos nicht. Den Quadratmeterpreis bemessen die Behörden auf einen Euro.

Die Stimmen der Grundbesitzer am Rande der Veranstaltung waren positiv. Der 42-jährige Land- und Forstwirt Martin Jäger sieht den Nutzen der Wiedervernässung ein, auch wenn er die Vorstellung, dass die Fichten im Wildmoos durch die Wiedervernässung absterben, nicht ganz so schön findet. Er hat 3000 Quadratmeter Fläche geerbt – seine Großeltern haben Torf gestochen. Auch die Gilchingerin Ilse Dirschl hat geerbt, 1000 Quadratmeter, „die seit Jahren brach liegen“, wie sie sagt. Groß anzufangen weiß sie mit der Fläche nichts. „Ich will mir das heute mal anhören“, sagt sie dann. Dass die Behörden noch keine konkreten Maßnahmen in Angriff genommen haben, liegt nicht nur an den sechs Eigentümern, die so gar nicht wollen, auch an einem Punkte-System, das die Eigentümer sozusagen entschädigen soll und an dessen Berechnung immer wieder gefeilt wird.

Auch Horst Guckelsberger, langjähriger Kreisvorsitzender des LBV, ist vor Ort. Er hat ein schönes Bild für das Problem. „Stellen Sie sich vor, Sie haben eine alte, barocke Kirche und es tropft durch das Dach“, sagt er. Alle würden die Sanierung wollen, bis auf einige wenige im Dorf. Der Zustand der Kirche wird immer schlechter, das Kulturerbe verrottet. „Das Wildmoos ist ein Naturerbe. Es wird auch immer schlechter.“

Petra Gansneder, Sachbearbeiterin für Naturschutzrecht und Landschaftspflege, war im Nachhinein zufrieden mit der Veranstaltung. „Wir wollten das Thema den Grundbesitzern in Erinnerung bringen“, erklärt sie. Und setzt auf Kreisobmann Georg Zankl, der an diesem Abend versicherte, er werde die Behörden unterstützen. „Es ist eine Sisyphusarbeit“, sagt Stephan Hinze, Fachbereichsleiter Umweltschutz. Drefahl sieht es ähnlich: „Das Thema ist nicht die Pflicht, sondern die Kür.“ 

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