Schüler der Klasse 5a, wie etwa die zwölfjährige Sophie, unterziehen sich gestern am Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching einem Corona-Selbsttest.
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„Das kitzelt“: Die Schüler der Klasse 5a, wie etwa die zwölfjährige Sophie, unterziehen sich gestern am Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching einem Corona-Selbsttest. Nach den Osterferien soll dies einmal pro Woche passieren.

Nach den Osterferien werden die Tests zum Standard

Corona-Testphase am Gymnasium in Gilching

  • Simon Nutzinger
    vonSimon Nutzinger
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Einmal pro Woche sollen sich nach den Osterferien alle Schüler im Landkreis per Selbsttest auf das Coronavirus untersuchen. Eine immense Herausforderung für die Schulen. Das Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching hat gestern eine Testphase gestartet.

Gilching – Peter Meyer sagt es frei heraus. „Ich bin nicht sicher, ob das alles so funktioniert, wie die Regierung es sich vorstellt“, stellt der Direktor des Christoph-Probst-Gymnasiums (CPG) in Gilching klar. An allen bayerischen Schulen sollen nach den Osterferien, die Ende dieser Woche beginnen und am 11. April enden, sämtliche Schüler einmal pro Woche per Selbsttest auf das Coronavirus untersucht werden. Ein immenser Aufwand für eine Schule wie das CPG, die etwa 1400 Kinder und Jugendliche besuchen. Um sich und sein Gymnasium auf die kommenden Wochen vorzubereiten, hat Meyer nun eine Testphase gestartet – gestern sowie heute unterziehen sich jeweils sechs Klassen einem Corona-Selbsttest. „So können wir schon einmal Erfahrungen sammeln und sehen, wo es hakt“, sagt Meyer.

Eine der sechs Klassen, die gestern Früh getestet werden, ist die 5a. Also zumindest die Hälfte davon, jeder zweite Schüler lernt derzeit schließlich von zu Hause aus. Gemeinsam mit Petra Fülöp vom Elternbeirat sowie Schulsozialarbeiterin Margarete Blunck stellt sich Meyer vor die 16 Schüler, um das Test-Prozedere zu erklären. Dabei geht der Direktor zunächst die Liste mit den Einverständniserklärungen der Eltern durch. Getestet wird nämlich nur, bei dem Mama oder Papa das auch wollen.

„Das System basiert auf Freiwilligkeit“, betont Meyer. Dabei gelte es stets, den Willen der Eltern und Schüler zu respektieren. „Ansonsten bekäme das schon leicht totalitäre Züge – und das wollen wir natürlich keinesfalls.“ Froh ist Meyer dennoch über jeden, der sich testen lässt. Für ihn gilt: „Je mehr mitmachen, desto mehr Sinn hat das Ganze.“

Volle Konzentration: Mit aller Sorgfalt öffnet Mark (11) das Reagenzglas seines Corona-Selbsttests.

Für elf der 16 Schüler der Klasse 5a geht es nun ans Eingemachte. Jeder von ihnen erhält einen Corona-Selbsttest, bestehend aus einem sterilen Stäbchen, einem Reagenzglas samt Flüssigkeit und einem Teststreifen. Das Stäbchen führen sich die Schüler zunächst etwa zwei bis drei Zentimeter tief in die Nase ein. „Jetzt einfach ein bisschen herumrühren“, sagt Meyer. Die Schüler lachen. „Kitzelt ganz schön“, findet etwa die zwölfjährige Marie. Trotz aller lockeren Stimmung achten die Lehrer jedoch penibel darauf, dass alles ordnungsgemäß abläuft. Auch die Schüler machen aufmerksam mit. Die Stäbchen landen anschließend in dem Reagenzglas, in dem sich der Abstrich mit einer Flüssigkeit vermengt. Diese träufeln die Schüler am Ende auf den Teststreifen. Dann ist Warten angesagt.

Nach rund 15 Minuten steht das Ergebnis fest. Zeigt der Teststreifen einen roten Strich – wie bei allen elf Kindern der 5a – ist alles in Ordnung. Bei zwei roten Strichen sieht es anders aus. Dann heißt es für Meyer und Co.: den Schüler schnellstmöglich isolieren und die Eltern benachrichtigen. Diese sind anschließend verpflichtet, das Gesundheitsamt zu informieren und einen PCR-Test machen zu lassen. Ob die Mitschüler anschließend in Quarantäne müssen, kann Direktor Meyer nicht beantworten. Er sagt nur: „Das liegt letztlich in der Hand des Gesundheitsamtes. Wir als Schule sind nur dafür zuständig, die Selbsttests zu organisieren.“

Klären auf (v.l.): Margarete Blunck, Schuldirektor Peter Meyer und Petra Fülöp vom Elternbeirat.

Und genau das sieht Meyer kritisch. Allein die Einverständniserklärung aller Eltern einzuholen und die einzeln angelieferten Bestandteile der Tests für alle 1400 Schüler zu entsprechenden Sets zusammenzupacken, bedarf eines Riesenaufwands. „Unser Sekretariat arbeitet am absoluten Limit“, stellt Meyer klar. Zudem hofft er, dass die Schnelltest-Kapazitäten des Landkreises ausreichen. Hier gibt das Landratsamt auf Nachfrage des Starnberger Merkur zumindest für die kommenden Wochen Entwarnung. Noch heute sollen 100 000 Tests nach Starnberg geliefert werden. Der Bedarf aller Landkreis-Schulen liege bei rund 19 000 Tests pro Woche, sagt Behördensprecherin Barbara Beck.

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