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In Gilching treffen sich immer mehr Autofahrer mit getunten Fahrzeugen. Die Polizei verstärkt jetzt ihre Kontrollen.

Tuning-Szene in Gilching 

Polizei nimmt frisierte Autos ins Visier

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Röhrende Motoren, quietschende Reifen: In Gilching sorgten aufgemotzte Autos zuletzt für mächtigen Ärger bei den Anwohnern. Die zuständige Polizei in Germering greift jetzt durch und macht Jagd auf illegale Autos und Rennen.

Gilching – Vor allem in den Abendstunden und nachts treiben Fahrer von Autos mit lauten Auspuffanlagen im Zuständigkeitsbereich der Germeringer Polizei „ihr Unwesen“, berichtet Andreas Ruch, stellvertretender Chef der Inspektion. Oft sind sie auch mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs. Gilching werde dabei immer mehr zum Schwerpunkt. „Wir müssen schauen, dass sich das nicht etabliert“, warnt Ruch. Die Anwohner würden in ihrer Nachtruhe empfindlich gestört.

Am vergangenen Wochenende hatte deshalb ein Streife der PI in Gilching die „individualisierten Autos“ ins Visier genommen. Als erstes fiel den Beamten am Freitag gegen 18.45 Uhr ein BMW 335i auf, der mit quietschenden Reifen und hoher Geschwindigkeit von der Allguth-Tankstelle nahe der Autobahn in Richtung St. Gilgen startete. Bei der anschließenden Kontrolle des Fahrers, ein 35-jährigen Gilchingers, stellte sich heraus, dass bei seinem Fahrzeug die Front- und Rückscheinwerfer nicht den Bestimmungen der Straßenverkehrszulassungsordnung entsprachen. Die Frontscheinwerfer waren umgebaut und die Heckleuchten dunkel lasiert. Das führt laut Ruch zum Erlöschen der Betriebserlaubnis und einer Anzeige. Kostenpunkt: 118,50 Euro. Und natürlich muss sich der Fahrer eine neue Betriebserlaubnis besorgen, wenn er mit seinem BMW wieder auf die Straße will.

Das zweite Ungetüm, das die Beamten gegen 22 Uhr auf der Landsberger Straße stoppten, war ein auffälliger schwarzer Honda des Typs Civic Type R. Wie sich herausstellte, gab es an ihm aber überhaupt nichts zu beanstanden: Sämtliche Umbauten wie Heck-, Front- und Dachspoiler, Diffusor, Auspuffanlage, Rad-/Reifenkombination, Tieferlegungsfedern und Distanzschrauben waren im Fahrzeugschein eingetragen. Somit durfte der 23-jährige Fahrzeugführer, ein Mechatronik-Auszubildender aus dem Landkreis Weilheim, weiterfahren – wahrscheinlich mit einem zufriedenen Lächeln.

Der nächste Fang der Polizei ließ aber nicht lange auf sich warten: An der Ecke Landsberger/Römerstraße fiel den Zivilbeamten ein Opel Vectra mit nicht zugelassenem Blinker im „US-Style“ (Dauerbetrieb) ins Auge. Die Weiterfahrt wurde sogleich unterbunden. Da der 22-jährige Fahrer aus Germering sein Fahrzeug vor Ort wieder in den ordnungsgemäßen Zustand versetzte, durfte er nach einer entsprechenden Anzeige die Fahrt fortsetzen, erläutert Ruch das Prozedere. Weil der 22-Jährige aber mit Vorsatz gehandelt hatte, als er den verbotenen Blinker montierte, wird ihn das unerlaubte Tuning dennoch viel Geld kosten: Voraussichtlich 208,50 Euro, erläutert der Polizei-Vizechef.

Und dann wurde es richtig spannend: Gegen 1 Uhr ging bei der Inspektion die Mitteilung ein, dass in der Nähe der Dornierstraße ein Autorennen stattfinden würde. Auf frischer Tat konnte die angerückte Streife vor Ort jedoch niemanden stellen. Die Beamten fanden lediglich einen schwarzen BMW 320i von einem 19-jährigen Zweiradmechaniker aus Gilching vor. Und einen 16-jährigen Schüler mit seinem abgestellten Leichtkraftrad. Um die Fahrzeuge herum standen noch drei weitere Jugendliche im Alter von 14, 17 und 20 Jahren. „Da nicht nachvollzogen werden konnte, ob und wer sich an der Örtlichkeit tatsächlich ein Rennen geliefert hatte, wurden gegen sämtliche Personen Platzverweise und Belehrungen ausgesprochen“, sagt Ruch. Bei der ebenfalls durchgeführten Inaugenscheinnahme und Überprüfung des schwarzen BMWs habe sich herausgestellt, dass er technisch nicht zu beanstanden war.

Die Germeringer Polizei werde ihre Kontrollen auch in naher Zukunft fortsetzen, sodass die Besitzer getunter Fahrzeuge mit weiteren gezielten Überprüfungen rechnen müssen, kündigt die Polizei an. Denn die Beamten beobachten in Gilching in Autobahnnähe bereits „leichte Ansätze wie im Ruhrpott“, so Ruch. Treffen würden sich die Fahrer mit ihren getunten Autos meist bei der Tankstelle. Ruch: „Für die Anwohner ist das kein Spaß, wenn Rennen gefahren werden.“

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