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Kein Feuerwerk, sondern ein Elektronenstrahl bei der Firma Pro-Beam. 

Firmenporträt

Mit Elektronenstrahl  an die Weltspitze

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Die Firma Pro-Beam ist nach Gilching gezogen. Der neue Hauptsitz ist zugleich Entwicklungszentrum für ein spannendes, mittelständisches Unternehmen, das sich dem Elektronenschweißen und -bohren widmet. 

Gilching – Teile der Armlehnen im Airbus, im Motorblock des Autos oder auch die Glaswolle beim Hausbau – all dies und noch viel mehr hat auch mit einem Unternehmen zu tun, das Ende 2018 an die Zeppelinstraße im Gewerbegebiet Süd in Gilching gezogen ist. Hinter hohen modernen Mauern verbirgt sich dort eine mittelständische Firma, die weltweit mitspielt, wenn es um Elektronenstrahlschweißen und -bohren geht: das Unternehmen Pro-Beam.

Mit dem Umzug von Planegg nach Gilching hat für das 1974 in München gegründete Familienunternehmen ein neues Zeitalter begonnen – so jedenfalls fühlt es sich an, wenn Vorstand Nicolas Freiherr von Wolff seine Besucher durch das neue lichte Gebäude führt. 1500 Quadratmeter Büroflächen, zwei je 2500 Quadratmeter große, lichte Fertigungshallen – das bedeutet auch für die Mitarbeiter eine neue Arbeitsqualität. In Gilching befindet sich jetzt die Firmenzentrale – mitsamt Entwicklungs- und Innovationszentrum. Zwölf große Elektronenstrahlanlagen haben in den Hallen Platz, hohe Regale reichen bis zur Decke, und nur wenige Kisten und Paletten weisen darauf hin, dass der Umzug noch nicht lange her ist. Im ersten Stock haben sich die Elektroingenieure in einer Art Hochsicherheitstrakt mit Starkstrom eingerichtet, und auch der Beschichtungsbereich hat sein Dasein als Kellerkind in Planegg beendet und arbeitet bei Tageslicht. „Die sind immer noch ganz geblendet von der Sonne“, scherzt der gutgelaunte Vorstand.

Das Elektronenstrahlverfahren erzeugt tiefe und schlanke Nähte, mit ihm können auch Metalle verarbeitet werden, die als schwer schweißbar gelten, und es arbeitet noch dazu verzugsarm. Die Strahlbildung erfolgt unter einem Hochvakuum. Die Elektronen erreichen dabei Geschwindigkeiten, die einige Hunderttausend km/s betragen. Am zu bearbeitenden Werkstück werden sie fast ohne Verluste in Wärme umgesetzt. Das alles funktioniert extrem schnell, verzugsarm und präzise, und bei geringem Stromverbrauch – irgendwie ist das auch höchste Ingenieurskunst.

In der Werkhalle allerdings ist von diesen hochkomplexen Prozessen wenig zu spüren. Es ist ruhig, in der Luft liegt der leichte Duft von Schmierstoffen, die Mitarbeiter arbeiten konzentriert an den Maschinen. Der Prozess des Schweißens ist nur kurzfristig durch kleine Bullaugen zu beobachten. Dort allerdings sieht es dann aus wie bei einem Feuerwerk. Ein roter Funkenflug lässt die Energie erahnen, mit der hier harte Metalle bearbeitet werden. Nur wenige Sekunden sind nötig, um den Werkstücken perfekte und dichte Nähte zu verpassen, die höchsten Belastungen standhalten.

Pro-Beam fährt längst mehrgleisig. Das Unternehmen bietet rund um das Schweißen Dienstleistungen und auch Anlagen an. 200 Stück hat es in den vergangenen 20 Jahren selbst gebaut und weltweit verkauft. Teile werden nicht nur geschweißt, es werden auch Oberflächen perforiert, gehärtet und beschichtet. Und in einem Nebenraum im ersten Stock wird bereits am Thema 3D-Druck getüftelt. Kunden aus 40 Ländern vertrauen auf das Know-how des Mittelständlers, die Liste der namhaften Referenzen ist lang. An fünf Standorten, einer davon in China, arbeiten mehr als 300 Mitarbeiter, und es werden noch mehr. Allein in Gilching will von Wolff die derzeit 90 Arbeitsplätze auf 120 aufstocken. „Wir haben 50 Stellen ausgeschrieben“, sagt er. Maschinenbauer, Elektroingenieure und Physiker werden gesucht. Ab September will Pro-Beam auch ausbilden, es gibt Praktikantenstellen, „und wir bieten Diplom- und Masterarbeiten an“. Neulich erst sei ein junger Mann da gewesen, erzählt von Wolff dann. „Eigentlich hatte er mit Ingenieurwesen nichts am Hut. Aber seine Augen sind immer größer und größer geworden, als er bei uns durch die Hallen ging.“

Von Wolff ist Wirtschaftsingenieur. „Und mein Herz gehört dem Mittelstand, das habe ich bald gemerkt.“ Seit 20 Jahren ist der 50-Jährige nun bei Pro-Beam, bei seiner Einstellung war er der 33. Mitarbeiter. Mit seiner Frau und seinen vier Kindern lebt er in Eching – und pflegt auch in der Firma die Philosophie der Balance zwischen Arbeit und Leben. Es gibt Duschen für die Mitarbeiter, die mit dem Rad kommen wollen, und E-Bike-Ladestationen. Das Unternehmen hat zudem eine Tiefgarage mit 90 Plätzen gebaut, „denn nichts ist nerviger als Parkplatzsuche“. Nur die Solaranlage auf dem Dach, die fehlt: „Das erlaubt der Bebauungsplan nicht.“

Als „Mittelständler der Hightech-Nische“ bezeichnet von Wolff die Firma, die einst von Dr. Dietrich Freiherr von Dobeneck gegründet wurde und heute Eigentum der Dobeneck-Technologie-Stiftung ist. Auf dem Weltmarkt „segeln wir vorweg“, sagt von Wolff. Trotz aller Innovationen, die in den vergangenen Jahren das Unternehmen enorm haben wachsen lassen, will er aber auf dem Boden bleiben. Das heißt, weiteres Wachstum vor Ort mit Fingerspitzengefühl, an Börsengänge ist nicht zu denken. „Es gibt nur wenige Menschen, die wir heute bei Entscheidungen fragen müssen“, sagt von Wolff. Eine Freiheit, die das Unternehmen nicht aufgeben möchte.

In der Werkhalle zeigt von Wolff dann auf große Stahlringe. Sie werden perforiert, aus ihnen werden die Glasfäden für die Glaswolle gezogen. Für Airbus hat Pro-Beam die Armlehnenschalen verschweißt. „Die sind aus Aluminium, da haben wir sehr hübsche Nähte gemacht“, sagt von Wolff verschmitzt. Und auch wenn wir den Stromschalter drücken, kommt Pro-Beam ins Spiel: Das Unternehmen bearbeitet die Kupferschalter in Kraftwerken. „Kupfer ist schwer zu schweißen. Daher machen wir das.“

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