Aus dem Gerichtssaal

Vermieter zückt im Streit Waffe

Ein Gilchinger fühlt sich von seinem Mieter bedroht und zog eine Schreckschusswaffe. Vor dem Amtsgericht hatte das für den Vermieter keine Folgen.

Gilching – Das Verhältnis zwischen einem 52-jährigen Landwirt aus Gilching und seinem zwei Jahre jüngeren Mieter war wohl schon länger angespannt, im Oktober 2016 eskalierte es dann endgültig. Weil der Vermieter das Schloss zur Wohnung des Mieters wegen alkoholbedingter Vorfälle hatte auswechseln lassen und Letzterer deshalb eines Tages nicht mehr hinein kam, war man sich in die Wolle geraten.

Der Hausherr hatte sich dabei angeblich bedroht gefühlt und dem Noch-Mieter eine Schreckschusspistole vors Gesicht gehalten. Nun musste er sich seinerseits wegen Bedrohung strafrechtlich verantworten. „Der hat mit seinen Damen öfters lautstarke Reibereien gehabt“, begründete der Angeklagte seine Schlossauswechsel-Aktion.

Nur die „Damen“, also die Freundin des Mieters und deren Mutter, hatten danach noch Zugang zur Mietwohnung, nicht aber der Hauptmieter, der laut dem Landwirt gegen „die Frauen“ in betrunkenem Zustand immer wieder handgreiflich geworden war und in seiner Wohnung hunderte leere Bierflaschen stapelte. Der Mieter (damals von der Polizei mit etwa 1,4 Promille gemessen) will auf das für ihn überraschende Ausgesperrtsein vollkommen ruhig reagiert und den Landwirt (1,47 Promille) nur zur Rede gestellt haben, wie er im Zeugenstand angab.

Sein Ex-Vermieter schilderte die Situation komplett anders: Der Baufacharbeiter sei vielmehr „total betrunken“ gewesen und drohend auf ihn losgegangen, habe ihn „in die Ecke gedrängt“. Er habe sich in dieser Lage „auch wegen meiner Operationsnarbe“ nicht anders zu helfen gewusst, als sich den Anderen mit der Schreckschuss-Waffe vom Leib zu halten, und einen Warnschuss in die Luft abgegeben.

Der Staatsanwalt sprach dem Landwirt jegliche Berechtigung ab, aus vermeintlicher Notwehr-Lage zur Waffe zu greifen: „Wenn der ankommt und nur fragt, was los ist, ist das noch weit weg von einem Angriff.“

Das Gericht stellte das Verfahren gegen den Gilchinger dennoch ohne Auflagen ein – lediglich die Schreckschusspistole wurde formlos eingezogen. Der Mieter ist inzwischen aus der Wohnung ausgezogen. (ty)

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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