Ein Schulhaus-Neubau ist völlig illusorisch. Manfred Walter, Bürgermeister von Gilching, will eine Realschul-Außenstelle in seiner Gemeinde, aber keine neue Schule bauen. Dafür hat er auch kein Grundstück.
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Ein Schulhaus-Neubau ist völlig illusorisch. Manfred Walter, Bürgermeister von Gilching, will eine Realschul-Außenstelle in seiner Gemeinde, aber keine neue Schule bauen. Dafür hat er auch kein Grundstück.

SPD-Antrag fällt durch

Realschule für Gilching: Landkreis lehnt Wunsch von Bürgermeister ab - vorerst

Der Kreistag will derzeit keine Festlegungen über eine Realschule in Gilching treffen. Ein Antrag der SPD, sich im Grundsatz dafür auszusprechen, fiel durch. Das heißt nicht, dass der Kreis nicht eine weitere Realschule im westlichen Landkreis ins Auge fasst – und dass man dort nicht selbst aktiv wird.

Gilching/Starnberg – Ob Gilching eine Realschule bekommt, bleibt weiter offen – auch wenn die Realschule Herrsching, derzeit einzige im westlichen Landkreis Starnberg, einen hohen Anteil Gilchinger Schüler aufweist. In der Aktualisierung der Schulentwicklungsplanung für den Landkreis war der Frage einer weiteren Realschule nachgegangen worden, und eigentlich ergibt sich aus den Zahlen, dass eine Realschule in Gilching bei starkem Zuzug nötig wäre, nur nicht sofort. Deswegen votierte der Kreistag dafür, vier bis fünf Jahre und ein neues Gymnasium in Herrsching abzuwarten, bis man sich entscheidet. Die SPD wollte etwas anderes.

Nicht erst seit einer Petition im Jahr 2019 gibt es die Idee, der drittgrößten Landkreisgemeinde Gilching eine Realschule zu geben. Manfred Walter, Bürgermeister von Gilching und Vorsitzender des Zweckverbandes weiterführende Schulen im westlichen Landkreis, wollte vom Kreistag einen formellen Beschluss, dass die Ergebnisse des Gutachtens (Schulentwicklungsplanung) anerkannt werden – und die sieht Walter zufolge genug Schüler für eine dreizügige Realschule in Gilching schon 2023 vor, nämlich um die 560 (bei einer Mindestgröße von 450).

Daher beantragte er für die SPD im Kreistag, der Kreis möge zumindest im Grundsatz den Bedarf einer Realschule in Gilching anerkennen. Walter denkt an eine Außenstelle der mit 1000 Schülern größten Realschule im Kreis, jener in Herrsching. Die wird schon jetzt von vielen Gilchingern besucht. Walter wollte eine politische Bestätigung, um eventuell in frei werdenden Räumen im Gymnasium Gilching (wenn das Herrschinger nach 2024 läuft) zu ermöglichen.

„Im Vorstadium des Bedarfs“: Landrat nicht begeistert von SPD-Idee

Walter erwartet, dass bis zu einem Drittel der Schüler des Christoph-Probst-Gymnasiums nach Herrsching wechseln, wohl um die 400. Dadurch würden sicher Räume frei, die man für die Außenstelle nutzen könnte, in die wiederum Realschüler aus Gilching und der Nachbarschaft gehen könnten. Eine neue Schule bauen will er keinesfalls, zumal der Zweckverband auch kein Grundstück habe, und eine eigenständige Realschule muss es auch nicht sein.

Landrat Stefan Frey war davon nicht zu begeistern. Man sei „im Vorstadium des Bedarfs“, findet er und will eben vier oder fünf Jahre abwarten. So hatten es Schul- und Kreisausschuss auch empfohlen. Die Zahlen seien auch nicht so eindeutig, da es mit einem Gymnasium mehr Wanderungen zwischen Schulformen gebe – wie genau die aussehen, vermag im Moment niemand zu berechnen. Deswegen komme der SPD-Vorstoß „einen Ticken zu früh“. Derzeit gibt es Szenarien, die für starke Wanderungen oder weniger starke unterschiedliche Schülerzahlen ergeben. Knackpunkt ist: Niemand weiß, wie sich das neue Gymnasium Herrsching auf die Schulwahl der Eltern und Kinder auswirkt.

So viele Schüler lernten 2020 im Landkreis

Rückendeckung bekam Frey von den anderen Fraktionen. Martina Neubauer (Grüne) verwies auch auf die Mittelschulen, deren Schülerzahlen sich dann ebenfalls ändern könnten. Schülerbewegungen müsse man genau beobachten, fand auch Albert Luppart (Freie Wähler). Harald Schwab (CSU), selbst Gilchinger, warf Walter indirekt ein bisschen Populismus vor, denn es gebe Aussagen des Gilchinger Gymnasiums, dass dort keine Räume leer stehen würden – und allein schon ein solcher Beschluss könnte weitreichende Auswirkungen haben. Ähnlich sah es Wilhelm Boneberger (FDP), ebenfalls Gilchinger. SPD-Fraktionschef Tim Weidner hingegen warnte, eine Realschule Gilching dürfe nicht unter den Tisch fallen. „Das geben die Zahlen nicht her.“

Die Zahlen besagen, dass es 2020 im Landkreis 2499 Realschüler in Herrsching (1003), Gauting (986) und Tutzing (510) gab. Die Experten des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum und eines Fachbüros, die die Schulentwicklungsplanung zusammengestellt haben, gehen davon aus, dass bis 2034 die Realschüler-Zahl um zwei bis drei Prozent steigt, allein schon durch Zuzug. Gäbe es in Gilching eine Realschule, wäre jene in Herrsching um rund 40 Prozent kleiner.

Für Walter, der mit dem Zweckverband auch dort Schulträger ist, wäre das kein Problem: Die Herrschinger Realschule sei am Anschlag mit den derzeit 1000 Schülern, und bis 2030 sei mit einer Zunahme um etwa 140 zu rechnen – dann wäre die Herrschinger Schule definitiv zu klein. Ob dieser Anstieg tatsächlich eintritt, ist nicht sicher, halten ihm Befürworter des Abwartens entgegen – vielleicht gehen so viele Kinder aufs neue Gymnasium, dass der Anstieg bei der Realschule ausbleibt oder kleiner ausfällt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Realschule in Gauting auch ziemlich voll ist.

Landrat Frey versuchte, den Druck herauszunehmen. Man werde, versprach er, das Gilchinger Ansinnen nicht vergessen. Da der Kreistag den SPD-Antrag gegen fünf Stimmen ablehnte, ist eine Realschule in Gilching für den Kreis derzeit kein Thema.

Aber für Manfred Walter: Er will im Herbst, wenn es erneut genauere Daten gibt, im Zweckverband über das Gutachten und die Zahlen reden – und „Beschlüsse vorschlagen“, wie er sagt. Ganz ohne den Landkreis werde es aber nicht gehen. Walter war nach der Sitzung enttäuscht, dass Gilchinger Kreisräte anderer Parteien gegen seinen Vorschlag gestimmt haben, in deren Parteiprogrammen eine Realschule zu finden sei.

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