Im Falle eines vorzeitigen Saisonabbruchs würden die Fußballer des TSV Gilching-Argelsried auch in der kommenden Spielzeit in der Landesliga kicken.
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Im Falle eines vorzeitigen Saisonabbruchs würden die Fußballer des TSV Gilching-Argelsried auch in der kommenden Spielzeit in der Landesliga kicken.

Fußball

Saisonabbruch: Für die einen Segen, für die anderen Fluch

  • vonTobias Huber
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Das Präsidium des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) hat entschieden: Sollte bis 3. Mai kein flächendeckendes Training möglich sein, wird die Saison abgebrochen. Was würde das für die Vereine aus dem Landkreis bedeuten?

Landkreis – Stefan Schwartlings Blutdruck würde es freuen. Sollte in Bayern bis 3. Mai kein flächendeckendes Fußballtraining möglich sein, wird die seit Juli 2019 laufende Spielzeit abgebrochen. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) legte zudem fest, dass dann eine sogenannte Quotienten-Regel (QR: Punkte geteilt durch Anzahl der absolvierten beziehungsweise vom Sportgericht gewerteten Spiele) angewandt wird. Es soll auch Auf- und Absteiger geben. Die Relegation entfällt derweil (wir berichteten). Für Schwartlings TSV Gilching-Argelsried würde dies bedeuten, dass die erste Herrenmannschaft auch nächste Runde in der Landesliga antreten darf, obwohl sie derzeit nur knapp vor der Abstiegszone liegt. „Wir hätten das mit unseren zwei starken Neuzugängen aber auch so geschafft“, behauptet der Abteilungsleiter.

Er ärgert sich vielmehr, dass die Reserve nicht mehr in den Aufstiegskampf der Kreisklasse eingreifen könnte. „Die waren ein richtig eingeschworener Haufen und hätten noch viel erreichen können“, sagt Schwartling. Glück hätte dagegen die erste Damenmannschaft. Sie würde bei QR-Gleichheit mit dem MTV Dießen wegen des gewonnenen Direkten Vergleichs genau über dem Strich landen. „Das wäre natürlich super“, so Schwartling. Nico Weis’ Dießenerinnen müssten dagegen vermutlich absteigen. „Das wäre nicht fair. Aber ich bin gelassen, denn ich weiß noch nicht mal, ob wir nächste Saison überhaupt eine Mannschaft stellen können“, sagt der Trainer der Landesliga-Fußballerinnen. Er hofft darauf, dass beim Verband noch ein Umdenken einsetzt. „Die Spielleitung hat mitgeteilt, dass es Absteiger geben muss. Ich verstehe diesen Zwang nicht“, sagt Weis.

Thomas Dötsch denkt genauso. „Wenn ich das richtig sehe, wird nur in Bayern am Abstiegszwang festgehalten“, moniert der Coach von Kreisligist TSV Oberalting-Seefeld. Seine Fußballer würden in die Kreisklasse abrutschen, obwohl sie vor der Unterbrechung noch alle Chancen auf den Klassenerhalt besessen hatten. „Wir sind schon dabei, uns rechtliche Auskunft zu holen“, verkündet Oberaltings Vorsitzender Charly Sölter. Der TSV ist dabei nicht allein, besonders im Münchner Raum formiert sich bereits Widerstand. „Wir haben einen Protestbrief mit unterzeichnet“, teilt Sölter mit.

Ebenfalls nicht glücklich sind der TV Stockdorf (A-Klasse 2), der SC Pöcking-Possenhofen II und die SG SV Söcking/FT Starnberg 09 (beide B-Klasse 5), die in ihren Ligen jeweils nur knapp hinter den Aufstiegsplätzen rangieren. „Wir müssen das aber so akzeptieren und halt nächste Saison noch mal neu angreifen“, sagt TVS-Vorstandsvorsitzender Robert Frank. Söckings Fußballabteilungsleiter Stefan Meininger meint: „Klar würden wir uns ärgern, sollte ein Abbruch zustande kommen. Wir waren noch voll motiviert und geil auf den Aufstieg, aber wenn es dazu kommt, kann man auch nichts machen.“ SCPP-Spartenchef Daniel Flath stellt ernüchtert fest: „Ein Abbruch wäre für uns mehr als unglücklich, da wir nur einen Punkt hinter Aufstiegsrang zwei liegen.“

Ganz hart käme es allerdings für die SF Breitbrunn, die zurzeit als Tabellendritter der A-Klasse 7 punkt- und spielgleich mit dem Ersten und Zweiten sind. „Wir werden die Entscheidung aber akzeptieren. Lange Rechtsstreitigkeiten bringen uns in dieser Situation auch nicht weiter“, kommentiert Breitbrunns Abteilungsleiter Martin Steigenberger. Seine Mannschaft gewann in den direkten Duellen mit den vor ihr platzierten Mannschaften aus Finning und Issing in vier Partien nur einmal und verlor dreimal. „Da haben wir die entscheidenden Punkte liegen gelassen“, konstatiert Steigenberger.

Keinen Grund zum Ärgern hätte der FSV Höhenrain. Bei einem Abbruch würde die noch akut abstiegsbedrohte erste Mannschaft die Kreisklasse halten. „Wir wären dennoch traurig, wenn es nicht weitergehen sollte“, sagt Max Huber. Der sportliche Leiter zieht dafür zwei Gründe heran. „Ich finde es unfair gegenüber den Mannschaften, die hinter uns stehen. Zum anderen sind wir im Verlauf der Saison immer besser reingekommen und hätten es auch so geschafft“, so Huber.

Der TSV Tutzing hatte sich bereits im vergangenen Sommer als einziges Team im Kreis Zugspitze gegen ein Weiterspielen entschieden. Der Punkteschnitt ist jedoch gut genug, um die A-Klasse zu halten. „Für die Teams, die hinter uns liegen, wäre ein Abbruch aber bitter. Sie hätten ja noch alle Chancen gehabt“, sagt der Tutzinger Abteilungsleiter Philipp Simon.

Ein Gewinner wäre auch der Gautinger SC II. Er würde bei gleichem Quotienten aufgrund des gewonnen direkten Vergleichs den TSV Geiselbullach II von Rang zwei der B-Klasse 2 verdrängen und in die A-Klasse aufsteigen. „Für unsere jungen Spieler wäre das gut. Dann wäre der Unterschied zwischen erster und zweiter Mannschaft deutlich geringer“, sagt GSC-Coach Bernd Ziehnert.  

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