Starkes Team mit besonderer Drohne: die Studenten aus Garching mit Prof. Mirko Hornung (l.) und Horst Steinberg von der Firma HMS (2.v.l.).
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Starkes Team mit besonderer Drohne: die Studenten aus Garching mit Prof. Mirko Hornung (l.) und Horst Steinberg von der Firma HMS (2.v.l.).

Projekt „Horyzn“: Studenten stellen im Asto-Park Drohne vor

Senkrechtstarter mit Potenzial

Studenten der Technischen Universität München haben eine Drohne gebaut. Was sie kann, erklärten sie bei einer Präsentation im Gilchinger Asto-Park.

Gilching – Die Drohne steigt mit hohem Tempo in den Himmel, wackelt, kippt und kracht mit der Nase voraus ins Feld. Den Betrachtern im Konferenzraum des Courtyard by Marriott in Gilching stockt da fast der Atem. Aber es ist nur ein Video, das ein bisschen ahnen lässt, was für aufregende Monate hinter den Studenten der Technischen Universität München für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie liegen, die sich am Standort Garching im Herbst 2019 zu dem Projekt „Horyzn“ zusammenschlossen. Gemeinsam entwickelten sie eine senkrechtstartende Drohne, und dies binnen weniger Monate – und trotz Corona. Im Asto-Park hatten sie am Donnerstag zum so genannten „Rollout“, also der öffentlichen Vorstellung ihres Fluggeräts, eingeladen.

Die Idee zu dem Senkrechtstarter-Projekt hatte Master-Student Balazs Nagy. Er sprach mit Doktoranden und Prof. Mirko Hornung vom Lehrstuhl für Luftfahrtsysteme und machte in Vorlesungen Werbung. Anfang September 2019 stand das Team. Ohne Sponsoren jedoch ist so ein Forschungsprojekt nicht zu wuppen. Wegen Corona brach aber ein entscheidender Sponsor weg. 17 000 Euro mussten irgendwie plötzlich woanders herkommen.

„Ende März erfolgte die Anfrage des Horyzn-Teams“, erinnerte sich Horst Steinberg, Geschäftsführer der HMS Management GmbH aus Landsberg, bei der Präsentation. Die HMS unterstützte die Studenten bei der Suche nach Sponsoren, und zwar erfolgreich. Am Ende klingelten 23 000 Euro in der Kasse. Unter den Sponsoren: Flugpionier-Enkel Camilo Dornier sowie die Asto-Gruppe, Lilium und Quantum-Systems, alle im Asto-Park angesiedelt. Damit beantwortet sich auch die Frage, warum das „Rollout“ des Prototypen im Hotel Courtyard stattfand.  Dabei machte es die frische und unbefangene Studentenschar richtig spannend. Die Drohne war unter einem Tuch verborgen, das mit großem musikalischen Tamtam vor den Zuschauern gelüftet wurde, unter ihnen viele Sponsoren und auch Starnbergs oberster Wirtschaftsförderer Christoph Winkelkötter.

Insgesamt haben die 25 Studenten, die aus neun verschiedenen Ländern kommen und zwischen 20 und 26 Jahre alt sind, seit Ende März sechs Prototypen des Fluggerätes gebaut, das zwar auch alltagstauglich sein soll, mit dem sie sich aber vor allem auf internationalen Wettbewerben messen wollen. 34 Bruchlandungen mussten sie verkraften, bauten die Geräte aber immer wieder zusammen. Auch der präsentierten Drohne war nicht anzusehen, dass sie neulich erst aufs Feld gekracht war.

Das Besondere ist, dass die Horyzn-Drohne Flügel hat. Sie ist damit eine Kombination aus Hubschrauber und Flugzeug. Vier Rotoren sind mit Auslegern an den Tragflächen montiert, zwei weitere Antriebe befinden sich an den Flügelspitzen. Zwar wiegt das Gerät dadurch mehr, zwölf Kilo insgesamt, aber es ist auch weniger anfällig, einfach zu steuern und dadurch sicherer. Die Drohne kann zwei Kilogramm Nutzlast transportieren – 20 Minuten lang und über eine Reichweite von 51 Kilometern hinweg.

Gedacht ist das Gerät für Transporte im medizinischen Bereich, beispielsweise von Defibrillatoren oder Blutkonserven. Eine Marktreife streben die Studenten jedoch nicht an. „Wir simulieren mit diesem Projekt ein bisschen das Leben“, erklärt Nagy. Denn neben Design und Konstruktion mussten sich die Studenten auch betriebswirtschaftlich aufstellen. Dass aus dem Projekt eines Tages ein Start-up hervorgeht, das wollten sie allerdings auch nicht ausschließen.

Ende des Monats geht’s zur „New Flying Competition 2020“ nach Hamburg. Steinberg ist überzeugt: „Ich bin mir sicher, dass ihr in Hamburg was aufreißt.“  

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