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Kämpfer für Demokratie und ein friedliches Miteinander (v.l.): Elisabeth Fuchsenberger, Martina Neubauer, Pfarrer Dr. Stefan Koch und Kerstin Täubner-Benicke vom Starnberger Dialog.

Als positives Zeichen gegen eine AfD-Veranstaltung in der Starnberger Schlossberghalle

„Woche der Demokratie“ mit Kultur, Diskussionen und Kundgebung

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Der Starnberger Dialog organisiert in den Tagen vor der Europawahl am 26. Mai eine „Woche der Demokratie“ im Landkreis. Kultur, Diskussionen und eine Kundgebung sollen positive Kontrapunkte gegen Rassismus, Intoleranz und Europafeindlichkeit setzen.

Landkreis – Die AfD wird am 23. Mai, dem Donnerstag vor der Europawahl, eine Wahlkampfveranstaltung in Starnberg organisieren. Der Termin geisterte schon seit einiger Zeit umher, gestern bestätigte AfD-Kreisvorsitzender Martin Hebner gegenüber dem Starnberger Merkur, dass sein Bundestagskollege Gottfried Curio als Hauptredner in der Schlossberghalle auftreten wird.

Die Veranstaltung dürfte zu Protesten von AfD-Gegnern führen. Nur bei einer Demonstration wollen diese es aber nicht belassen. Stattdessen plant der Starnberger Dialog, ein loser Zusammenschluss von etwa 50 Personen, rund um den 23. Mai gleich eine „Woche der Demokratie“. Mit von der Partie sind unter anderem die Grünen, die CSU mit der Jungen Union, die FDP, die SPD und die Petra-Kelly-Stiftung. „Wir wollen eine positive Antwort geben und möglichst viele Menschen einbinden“, sagte Starnbergs Grünen-Bezirks-, Kreis- und Stadträtin Martina Neubauer.

Am Freitagabend stellte sie zusammen mit Starnbergs evangelischem Pfarrer Dr. Stefan Koch, der Berger SPD-Kreis- und Gemeinderätin Elisabeth Fuchsenberger und der Grünen-Kreisvorsitzenden Kerstin Täubner-Benicke das Programm vor. Es gibt Kultur, Diskussionen, zum Abschluss am 25. Mai eine Kundgebung auf dem Starnberger Kirchplatz und die ganze Woche über „Demokratie-Brezn“, die der Gilchinger FDP-Kreisrat und Bäckermeister Willi Boneberger herstellt.

„Wir stehen für ein demokratisches und friedliches Miteinander“, betonte Neubauer – und gab sich nachdenklich, dass sie sich überhaupt um die Demokratie in Deutschland und Europa sorgen müsse. „Das hätte ich nicht gedacht“, sagte sie. Auch Pfarrer Koch hält die aktuelle Gesellschaftsform für alles andere als einen Selbstläufer. „Es ist ein bisschen wie bei einer Hantel“, sagte er. „Die Mitte wird dünner, die Extreme verstärken sich.“ Man glaube nicht, was er für Antworten bekomme, wenn er sage, er sei in Kontakt mit der Starnberger Moschee. Was ihn nachdenklich stimmt: Bei rechtspopulistischen Themen spiele oft Religion eine Rolle – allerdings nur im kulturellen und nicht im christlichen Kontext.

„Ich habe das Gefühl, unsere Sicherheit ist ein Stück weggebrochen“, sagte Elisabeth Fuchsenberger, die als Lehrerin arbeitet. Im Unterricht würden mittlerweile wieder Sprüche fallen, die sie jahrelang nicht mehr gehört habe. „Es wird extremer“, sagte sie. Ein „Anwachsen demokratiefeindlicher Aktivitäten“ hat auch Kerstin Täubner-Benicke festgestellt.

All dem soll die Woche der Demokratie entgegenwirken. Etwa 100 Plakate sollen im Landkreis Starnberg aufgehängt, rund 2000 Flyer in Rathäusern, Kinos, der Tourist-Info und anderen Einrichtungen ausgelegt werden. Für den Poetry-Slam-Wettbewerb gibt es eigene Postkarten, die auch in Schulen und Jugendzentren verteilt werden. Besonders freut die Organisatoren dabei, dass das Programm überparteilich zusammengestellt ist.

Das Programm in Kurzform:

Sonntag, 19. Mai, 13 bis 17 Uhr: Workshop Poetry-Slam im Starnberger Jugendzentrum Nepomuk. 18.30 Uhr: öffentliche Aufführung. 

Montag, 20. Mai, 19.30 Uhr: Aufführung „Drei Farben blau“ im Kino Breitwand Gauting mit anschließendem Filmgespräch. 

Dienstag, 21. Mai, 19.30 Uhr: Diskussion mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) zum Thema „Unser Europa – für Frieden und Freiheit auch in Zukunft“ (Tutzinger Hof, Starnberg). 

Dienstag, 21. Mai, 19.30 Uhr: „Europa ist die Zukunft! Was erwarten junge Erwachsene von der Europäischen Union?“ Die Europaabgeordnete Maria Noichl (SPD) stellt sich den Fragen und Forderungen junger EU-Bürger (Rathaus Gilching). 

Donnerstag, 23. Mai, 19 Uhr: „Heilige Klänge im Dialog“: Bachchoräle und Synagogengesänge mit Nikola David und Bettina Strübel in der Friedenskirche Starnberg. 

Freitag, 24. Mai, 20 Uhr: Auf geht’s zur Europa-Wahl mit Musik und Kabarett mit dem Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinn (Altwirt Höhenrain). 

Samstag, 25. Mai, 17 Uhr: „Impuls für Europa“ – Kundgebung auf dem Starnberger Kirchplatz mit Landrat Karl Roth.

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