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Die Tafeln im Landkreis – wie hier die Starnberger an Weihnachten – werden von Jung und Alt aufgesucht. 

Nach bayernweitem Hilferuf

Tafeln können nicht klagen - suchen aber Helfer

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Keine politische Unterstützung: Der Landesverband der Tafeln schlägt Alarm - die Vertreter im Landkreis können nicht klagen.

Landkreis – Ihr Geld reicht nicht mehr für die Grundversorgung mit Lebensmitteln: Deshalb kommen jedes Jahr in Bayern 1000 bis 2000 Menschen neu zur Tafel – darunter viele ältere. „Wir schlittern gerade sehenden Auges in eine totale Altersarmut hinein“, sagt Rainer Haupka, Landesvorsitzender der Tafeln. Jeder vierte Kunde sei ein Rentner, die Situation werde sich noch verschärfen. Im Landkreis ist sie nicht ganz so gravierend.

Erika Ardelt, Vorsitzende der Starnberger Tafel, könne Haupka „so nicht beipflichten“. Es seien zwar im Laufe des vergangenen Halbjahrs etwas mehr Bedürftige zu den Essensausgaben gekommen. „Aber die Zahl ist nicht exorbitant gestiegen.“ 20 Prozent der Kunden in Starnberg seien Rentner. Dazu zählt Ardelt auch Frührentner, die zusätzlich eine staatliche Grundsicherung beziehen.

Burkhard Siewert, einer der Organisatoren der Herrschinger Tafel, bestätigt Ardelts Wahrnehmung auch für seinen Ort: „Die Kundschaft ist total gemischt. Vom jungen Arbeitslosen bis zum Rentner.“ Die Gesamtzahl der Bedürftigen sei seit Jahren „ziemlich konstant“.

Treue seit mehr als zehn Jahren: „Das ist ein großes Glück“

Zwischen 28 und 35 Ehrenamtliche arbeiten in Herrsching für die Tafel, die immer mittwochs um 14 Uhr Lebensmittel ausgibt. Ganz oben auf der Internetseite der Initiative steht eine Anzeige: Die Tafel sucht weitere Helfer. „Wir schauen, dass niemand überbeansprucht wird“, sagt Siewert. Manche seien jede Woche da, aber die meisten wechseln sich im zwei- oder dreiwöchigen Rhythmus ab.

Erika Ardelt ist froh, dass viele Starnberger Helfer schon seit mehr als zehn Jahren dabei sind. „Das ist ein großes Glück“, sagts sie. Über fehlende staatliche Anerkennung (Haupka: „Außer Schulterklopfen kam von der Politik bisher nichts.“) will sie nicht klagen. Die 100 000 Euro, die das bayerische Sozialministerium als Unterstützung in den nächsten Doppelhaushalt integrieren will, seien für 169 Tafeln im Freistaat zwar „nicht allzu viel. Aber man kann schon etwas Sinnvolles damit anfangen“. Ardelt würde sich freuen, wenn Fortbildungen von Mitarbeitern gefördert würden. „Und wir haben auch ansonsten viele Ausgaben. Weil wir draußen sind, müssen wir hin und wieder neue Pavillons anschaffen oder einen Heizlüfter im Winter.“

Starke Männer gesucht

Burkhard Siewert ist zufrieden mit der Unterstützung, die die Herrschinger Tafel von der Gemeinde bekommt. So stehen den Ehrenamtlichen mietfreie Räume zur Verfügung. „Die Lage ist ideal. Hoffentlich bleibt das angesichts der Umbaumaßnahmen am Bahnhof so.“

Gudrun Müller von der Tafel in Gilching wunderte sich zuletzt über fehlende Nachfrage. Nur gut 30 Menschen seien zuletzt gekommen. „Es ist zwar Winter. Aber wer Hunger hat, der kommt auch, wenn es kalt ist“, sagt Müller. Grundsätzlich würde sie sich natürlich freuen, wenn die Tafel irgendwann niemanden mehr betreuen müsste. Aktuell sind es in Gilching etwa 200 Menschen pro Woche.

Eine Sorge beschäftigt Gudrun Müller seit Jahren: „Wir brauchen ein paar starke Männer – gerade um schwere Kisten zu schleppen. Unsere Abholer werden ja auch immer älter.“

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