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Blaue Hemden, Krawatten, Taufkerzen und ganz viel Stolz: Marlon, Manoel und Matteo (v.l.) mit Vater Manfred Toews und Mutter Monika in der St.-Johannes-Kirche in Gilching. Sie fanden ihre Dreier-Taufe „einfach cool“.

St. Johannes Gilching

Taufe für die „drei Ms“

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Seltener Gottesdienst in Gilching: In der evangelischen Kirche St. Johannes wurden am Samstagnachmittag drei Brüder getauft.

Gilching – Seit elf Jahren ist Dorothea Bezzel Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Gilching. Um die 400 Kinder, Jugendliche und Erwachsene hat sie in der Zeit getauft und so in die christliche Gemeinschaft aufgenommen. Ein Taufgottesdienst wie am Samstag ist in all den Jahren aber äußerst selten geblieben. Denn mit Marlon (9), Matteo (8) und Manoel Toews (5) taufte Bezzel drei Brüder auf einen Schlag.

Drei Geschwister, alle schon im (Vor)-Schulalter, dazu mehr als 30 eingeladene Kinder – es ging bunt und fröhlich in der St.-Johannes-Kirche zu. Aber warum alle auf einmal? Und warum erst in diesem Alter?

„Als die Familienplanung abgeschlossen war, stand für uns fest, dass wir alle drei gemeinsam taufen lassen“, erklärt die Mama, Monika Toews. „Und wir wollten, dass sich unsere Kinder späten an diesen wichtigen Tag in ihrem Leben erinnern.“ Die Taufe bewusst erleben, sich schon bewusst darauf vorbereiten – bei ihren Söhnen hat das geklappt.

Gleich nach dem Taufgespräch mit Pfarrerin Bezzel hätten ihre Kinder zu Hause „Taufen“ gespielt, erzählt Monika Toews. Und sie hätten sich schon ihre Gedanken über die Bedeutung gemacht. „Dann passt der liebe Gott vielleicht noch besser auf die Oma im Himmel auf“, hätten die Söhne gesagt. Und sie hätten sich eine große Party gewünscht. „Sie wollten diesen Tag mit ihren Freunden feiern“, sagt Monika Toews. Zehn durfte jeder einladen.

30 bis 40 Täuflinge pro Jahr

Die Taufe bewusst erleben – die Pfarrerin kann den Wunsch nachvollziehen. „Ab vier, fünf Jahren aufwärts bekommen die Kinder schon sehr viel mit“, sagt Dorothea Bezzel. Sie kennt viele Familien, die sich genau darüber Gedanken machen. Generell – und das ist aus Sicht der Kirche äußerst positiv – sei das Bedürfnis, Kinder zu taufen, nach wie vor sehr groß. „Da geht es oft um den Dank für die Geburt und den Wunsch nach Schutz für das Kind.“ Die Folge, allen Kirchenaustritten zum Trotz: „Die Taufzahlen sind relativ konstant.“ Zwischen 30 und 40 Täuflinge nimmt Bezzel pro Jahr in die evangelische Gemeinde auf und vertraut sie der Liebe Gottes an. Einer „uneingeschränkten Liebe“, wie sie in ihrer Predigt sagte. „Dafür muss keiner etwas Besonderes leisten, der Tollste oder der Stärkste sein. Jeder ist einmalig.“

Diese Gemeinschaft ist auch den Eltern von Marlon, Matteo und Manoel wichtig. Papa Manfred, ein 44 Jahre alter Projektmanager, ist in einer mennonitischen Gemeinde im Landkreis Bad Dürkheim, dem Partnerlandkreis von Starnberg, aufgewachsen. Und Mama Monika (37), die festangestellt in der Kindertagespflege arbeitet, hat sich früher in der katholischen Pfarrjugend in Gilching engagiert. „Gerade für Heranwachsende weisen kirchliche Jugendgruppen andere, gute Wege auf“, sagt sie. Da gehöre es beispielsweise dazu, Verantwortung für jüngere Kinder zu übernehmen. Eine Erfahrung, die sie auch in ihrem Engagement als Handballtrainerin beim TSV Gilching-Argelsried einbringt.

Die Rolle der Patentante

Die Verantwortung als Patentante für Marlon, Matteo und Manoel – die „drei Ms“, wie Pfarrerin Bezzel sagte – übernimmt Gabriele Heberle (55). Sie ist die echte und die Patentante von Monika Toews – und hat keine Sekunde gezögert, auch die Patenschaft für ihre drei Großneffen zu übernehmen. „Ich habe es mir immer gewünscht, dass die drei noch getauft werden“, erzählt sie. „Patendienst bedeutet für mich nichts Materielles, sondern den Kindern zur Seite zu stehen und Ansprechpartnerin zu sein, wenn es einmal Probleme gibt.“

Mit ihr hat sich am Samstag übrigens auch ein Kreis geschlossen. Denn Gabriele Heberle war vor 55 Jahren eines der ersten Kinder, das vom damaligen Pfarrer Albrecht Schmidt in der 1962 geweihten St.-Johannes-Kirche in Gilching getauft wurde.

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