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DLR eröffnet Teststrecke für Marsroboter in Oberpfaffenhofen

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Forschungsroboter „Scout“
Durch Schnee und Gestein bahnt sich der Forschungsroboter „Scout“ auf dem Outdoor-Testfeld seinen Weg. © DLR

Zum Einsatz auf dem Mond und dem Mars soll er kommen: der Forschungsroboter „Scout“. Um die Mission zu ermöglichen, hat das DLR in Oberpfaffenhofen dafür nun extra ein rund 630 Quadratmeter großes Outdoor-Testfeld errichtet.

Oberpfaffenhofen – Ein „Vulkankrater“ umringt von Feldern mit Kies, großen und kleinen Felsbrocken sowie ein Steilhang mit verschiedenen Untergründen – was auf den ersten Blick wie ein überdimensionaler Zen-Garten wirkt, ist in Wahrheit eine wissenschaftliche Anlage auf dem Gelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen. Sogenannte planetare Rover, also Fahrzeuge, die für Missionen auf dem Mars oder dem Mond eingesetzt werden, sollen auf dem jüngst in Betrieb genommenen und rund 630 Quadratmeter großen Outdoor-Testfeld für künftige Aufgaben vorbereitet werden.

Insbesondere der Explorationsroboter „Scout“ bahnt sich aktuell seinen Weg durch das mit Hindernissen gespickte Gelände. Der DLR-Rover ist einen Meter lang, einen halben Meter breit und setzt sich aus drei verformbaren Rückenelementen zusammen. Wie ein Tausendfüßler krabbelt er Steilhänge, überwindet Felsbrocken und schaufelt sich mit seinen sechs nachgiebigen Speichenrädern durch Kies oder sandigen Untergrund. Dabei verfügt er lediglich über einen Motorantrieb pro Rad. Der Roboter kann sogar kopfüber fahren und überlebt Stürze aus mehr als eineinhalb Metern Höhe. Das macht ihn ideal für Explorationen auf Mars und Mond. Auf der Erde kann das robuste System zudem bei der Rettung von Verschütteten oder in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

„Scout“ soll in Zukunft vor allem zur Erforschung der mitunter kilometerlangen Lavahöhlen, die sich vor Milliarden von Jahren auf dem Mond und dem Mars gebildet haben, beitragen. Die Wissenschaftler des DLR erhoffen sich, dort nachweisliche Spuren von einstigem oder sogar vorhandenem Leben zu finden.

Vulkan Ätna dient als Vorbild für Teststrecke in Oberpfaffenhofen

Aus diesem Grund diente für das Testfeld in Oberpfaffenhofen der Vulkan Ätna als Vorbild. Er weist nämlich ähnliche Bedingungen als der Mond auf. Für den Bau auf dem DLR-Gelände nutzten die Konstrukteure also Daten einer Vermessung des sizilianischen Riesens. Sie identifizierten häufig vorkommende Hindernistypen und berücksichtigten die Beschaffenheit der Materialien, etwa die Dichte und Oberfläche. Speziell die Steigungen passten sie den realen Herausforderungen in Lavahöhlen an. Für herkömmliche Rover sind die steilen, unwegsamen Kraterwände nämlich bislang nicht zugänglich. „Unser Testfeld weist zum Teil Steigungen mit spitzen Winkeln von mehr als 30 Grad auf, verfügt über loses Gestein, tiefen Sand und zusätzliche Hindernisse. Das geht weit über die Anforderungen bisheriger Rover hinaus“, betont Projektleiter Dr. Roy Lichtenheldt vom DLR-Institut für Systemdynamik und Regelungstechnik.

Dem Ätna nachempfunden: das rund 630 Quadratmeter große Testgelände in Oberpfaffenhofen.
Dem Ätna nachempfunden: das rund 630 Quadratmeter große Testgelände in Oberpfaffenhofen. © DLR

Das Team rund um Lichtenheldt setzt bei der Entwicklung von „Scout“ auf eine möglichst zuverlässige und energieeffiziente sowie eine umwelt- und naturschonende Fortbewegung. Am DLR-Institut für Systemdynamik und Regelungstechnik nutzen sie das neu entstandene Testfeld aber nicht nur, um den Explorationsrover für reale Einsätze zu optimieren, auch sollen kontinuierlich weitere neue Technologien in Oberpfaffenhofen erprobt werden. So ist etwa eine große, öffentliche Demonstration der weltraumbasierten Technologien für das kommende Jahr geplant. Und zwar direkt auf dem Ätna – analog zu einer planetaren Exploration, die dort ebenfalls vonstattengehen soll.

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