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Markus Schwaiger an seinem eigentlichen Arbeitsplatz, der Orgel in St. Sebastian. Beim Konzert am Sonntag übernimmt er den Platz des Dirigenten.  

Uraufführung in St. Sebastian

Kirchenmusiker Markus Schwaiger und seine Symphonie

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Der Kirchenmusiker und Komponist Markus Schwaiger hat eine Symphonie komponiert. Am Sonntag ist die Uraufführung. 

Gilching – Seit vergangenen Sommer arbeitet er an ihr, hat wegen ihr Höhen und Tiefen erlebt und fiebert nun dem kommenden Sonntag entgegen: Markus Schwaiger, seit 1997 Kirchenmusiker der katholischen Gemeinde St. Sebastian in Gilching, wird am Sonntag seine erste Symphonie „Ave, maris stella“ uraufführen – als Dirigent, gemeinsam mit Chor und Orchester.

Gut 30 Minuten Musik, selbst erdacht, auf Notenpapier gebracht und schließlich für Orchester und Chor ausgearbeitet: In der Symphonie steckt Schwaigers ganze Schaffenskraft. „Ich bin einer, der aus dem Bauch heraus Musik macht“, erklärt der 52-Jährige, der sich auch als Romantiker und Vielseitigkeitsmusiker bezeichnet. Das Thema für „Ave, maris stella“ („Sei gegrüßt, Stern des Meeres“) hatte er schon vor längerer Zeit entwickelt, „es ist eigentlich ein Orgelstück gewesen“. Schwaiger hat zig eigene Stücke im Kopf, seit Jahren schon, aber dass er mal eins niederschreibt – mithilfe eines Computers – das hat er erst im vergangenen Jahr für seine erste Komposition, eine Fassung des Gebets „Ave Maria“ für Klavier, Chor und Orchester, ausprobiert. Das Publikum war begeistert, und Schwaiger machte sich an die nächste Arbeit.

Das war vergangenen Sommer, und hat dann doch länger gedauert, als Schwaiger gedacht hat. „Das Schreiben der unterschiedlichen Stimmen, für Chor und Orchester, das war ein langer Prozess“, sagt er. Allein für die Orchesterstimmen habe er ein halbes Jahr gebraucht. „Der Chor darf nicht zugedeckt werden – ich habe mir sehr gut überlegt, wie mal der Chor, mal die Instrumente zur Geltung kommen, habe ständig Stellen geändert und neue Ideen gehabt“, erzählt er offen. Keine Frage, dieser Schaffensprozess ging auch mit schlaflosen Nächten einher. „Wenn ich zu lange abends gearbeitet habe, spukt es nachts oft weiter. Da kommt nichts dabei raus – außer, dass ich nicht schlafe“, sagt Schwaiger und lacht.

Natürlich habe er auch mal gezweifelt. Die ersten Proben mit Chor und Orchester waren schwierig. „Da habe ich schon gedacht, das ist alles zu viel.“ Heute ist Schwaiger selbstbewusster. „Wenn etwas gut werden soll, braucht es einfach oft auch länger.“ Nach erstem Zögern hätten auch die Musiker ihren Zugang zu der Symphonie gefunden, die harmonisch über das hinausgeht, was das Ohr des Klassik-Hörers so gewohnt ist. Schwaiger hat sich quer durch die Harmonien gearbeitet, „alles andere wäre zu einfach gewesen“. Für den Zuhörer öffnet das die harmonischen Räume, aber das Werk ist in sich so geschlossen, dass er sich nicht verloren fühlt. „Das Stück hat eine Form“, sagt Schwaiger, für den die Harmonien wie eine Art Erbanlage einer Komposition innere Struktur verleihen.

Am Sonntag, 11. März, ist also Premiere. Verstärkt werden Chor und Orchester von St. Sebastian von Konzertmeister Werner Grobholz, Mitglied der Münchner Philharmoniker, sowie der Sopranistin Cosima Baumer. Für Schwaiger ist das nicht selbstverständlich: „Ich werde hier von der Kirchengemeinde stark unterstützt“, Pfarrer Franz von Lüninck gewähre ihm freie Hand. „Das schätze ich sehr.“

Schwaiger kommt aus einer musikalischen Familie. Er wurde in Bernau am Chiemsee geboren, sein Vater war Schulrektor und leitete den Kirchenchor. „Da habe ich diese Arbeit kennengelernt“, sagt Schwaiger. Mit acht Jahren nahm er Klavierunterricht, „aber ich habe nicht viel geübt“, bekennt er. Erst mit 14, bei einem neuen Lehrer, sei der Funke übergesprungen. Schwaiger studierte Klavier am Richard-Strauß-Konservatorium in München und absolvierte am Mozarteum in Salzburg das Studium zum Kirchenmusiker. „Ich sah da mehr Möglichkeiten“, sagt er. Immer aber sei er auch offen für andere Strömungen gewesen, von der Klassik über den Jazz bis zum Pop. Wenn er sich an Klavier oder die Orgel setze „komponiere ich völlig frei“. Am Keyboard in seiner Wohnung nimmt er die Stücke dann auf. „Meine Playlist dauert 30 Tage.“ Lieblingskomponisten kann er gar nicht unbedingt benennen. „Es gibt einzelne Stücke wie zum Beispiel Richard Wagners Ouvertüre zum Tannhäuser – die haut mich um.“ Ohnehin kommt Schwaiger gar nicht so oft dazu, Musik zu hören – weil er selbst andauernd Musik macht. Nur im Auto, da schaltet er mal die Anlage an. Und hört tatsächlich Heavy Metal. „Weil die doppelten Basstrommel mitten ins Herz geht.“

Ein bisschen Lampenfieber vor Sonntag? „Ja und Nein, ich schwanke da etwas“, gibt Schwaiger zu. Doch er glaubt, dass die Symphonie so wie sie ist, reif ist. „Ob sie gefällt, darüber müssen dann die Zuhörer entscheiden.“

Das Kirchenkonzert

in St. Sebastian beginnt am Sonntag, 11. März, um 17 Uhr in St. Sebastian. Neben Schwaigers Symphonie ist die Symphonie g-Moll von Mozart zu hören. Das Kirchenkonzert wird am Sonntag, 18. März, wiederholt. Karten für 15 Euro gibt es an der Abendkasse

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