Versuchter Telefonbetrug vereitelt

Gilchinger widersteht falschen Beamten

  • Hanna von Prittwitz
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Die Polizei Germering warnt erneut vor Anrufern, die sich als Polizisten ausgeben und versuchen, ihren Opfern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ein 76-jähriger Gilchinger reagierte geistesgegenwärtig und rief die Polizei.

Gilching – „Kaum kehrt nach Corona ein bisschen der Alltag ein, geht das wieder los.“ Andreas Ruch, stellvertretender Inspektionsleiter der Polizei in Germering, kann nur den Kopf schütteln über so viel Dreistigkeit. Ein 76-jähriger Rentner war am Dienstag ins Visier von Betrügern geraten, die, davon ist Ruch überzeugt, in einem Callcenter in der Türkei sitzen und kurz zuvor einer 79-jährigen Frau aus Puchheim an die 25 000 Euro gestohlen hatten.

Bei dem Gilchinger versuchten sie es auf die gleiche Masche. „Sie gaben sich als Beamte des Einbruchdezernats in München aus“, erklärt Ruch. Seinem Opfer erzählte der Anrufer, dass man bei einer aufgeflogenen rumänischen Diebesbande eine Liste mit Adressen für nächste Einbrüche gefunden habe. Darauf habe sich auch die Anschrift des Gilchingers befunden. Drei der Rumänen seien flüchtig. Dann wollte der angebliche Beamte Näheres zu den finanziellen Verhältnissen des Gilchingers wissen und berichtete ihm schließlich, dass die Mitarbeiter seiner Bank mit den Betrügern unter einer Decke stünden und er daher sein Geld in Sicherheit bringen solle.

Bei der Frau in Puchheim funktionierte der Trick, so Ruch. Sie fuhr zur Bank und hob dort fast 20 000 Euro ab. Weitere 5000 Euro bewahrte sie daheim auf. Die gesamte Summe legte sie den angeblichen Polizeibeamten vor ihre Haustür. Das Geld wurde natürlich sehr bald abgeholt.

Der Gilchinger indessen blieb misstrauisch. Und er wählte die 110. Allerdings tat er dies per Rückruftaste und auf Anraten des falschen Polizisten. Damit fiel er einem so genannten „Call IC Spoofing“ zum Opfer. Das heißt, er landete in dem betrügerischen Callcenter irgendwo in der Türkei. Dort bestätigte ihm sein Gesprächspartner natürlich die Räubergeschichte mit der rumänischen Diebesbande. Der 76-jährige ehemalige Hochschullehrer blieb trotzdem skeptisch. Und anstatt sein Erspartes den Verbrechern zu überlassen, rief er in Germering bei der Polizei an. Zum Glück.

„Nach dem Erfolg für die Betrüger in Puchheim gehen wir trotzdem davon aus, dass in nächster Zeit weitere Anrufe folgen werden“, warnt Ruch. Die Polizei wisse recht genau, wo in der Türkei sich die betrügerischen Callcenter befänden. „Aber wir können nichts tun. Wenn, dann geraten wir nur an die Handlanger.“ Doch Ruch hat eine ganze Reihe an Verhaltenstipps parat. Der erste: „Die Polizei ruft nie unter 110 an.“ Bevor die Polizei unter 110 verständigt werde, muss unbedingt aufgelegt und die Verbindung unterbrochen werden. „Nutzen sie nicht die Rückruftaste.“ Nur so komme das Opfer aus der Telefonschaltung heraus. Niemals sollten Geld oder Wertgegenstände an fremde Personen übergeben werden. Auch sei gesundes Misstrauen kein Zeichen von Unhöflichkeit. „Lassen Sie sich den Dienstausweis zeigen.“ Echte Polizisten würden niemals Bargeld, Überweisungen oder Wertgegenstände fordern, um Ermittlungen durchzuführen. „Beenden Sie das Gespräch schnellstmöglich und gehen Sie nie auf Forderungen zur Überweisung oder Übergabe von Geldbeträgen ein.“

Zuletzt hatten falsche Polizeibeamten in Ruchs Dienstbereich eine 92-jährige Frau drangsaliert. In ihrer Not warf die Dame im November 2019 schließlich 17 000 Euro aus dem Fenster (wir berichteten).

Rubriklistenbild: © dpa / Julian Stratenschulte

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