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An diesem Dienstag beginnen in Bayern die Abiturprüfungen.

Sorge um digitale Spickversuche

Vor der Abi-Prüfung: Schüler müssen nicht nur Smartphones, sondern auch ihre Uhren abgeben 

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    Hanna von Prittwitz
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Knapp 600 Schüler im Fünfseenland starten heute in die Abitur-Prüfungen. Mit dem digitalen Wandel nehmen die Spickmöglichkeiten zu. Schulleiter haben auch Smartwatches im Blick – an manchen Gymnasien werden deshalb gleich alle Armbanduhren eingesammelt.

Landkreis – Bevor die Tutzinger Abiturienten sich in der Turnhalle an ihre Tische setzen, decken sie sich an einem Büffet mit Herzhaftem und Süßem ein. Die Elftklässler unterstützen die Prüflinge nicht nur moralisch, sondern auch kulinarisch. Eine Tradition, die an diesem Dienstag bei der ersten Prüfung im Fach Deutsch gewahrt wird. Eine Neuerung gibt es in Tutzing heuer beim heiklen Thema Spicken, wie Schulleiter Bruno Habersetzer sagt: „Es müssen alle Armbanduhren abgegeben werden – auch die analogen.“ Die Maßnahme zielt auf Smartwatches, die ähnlich intelligent wie Smartphones und von normalen Uhren oft schwer zu unterscheiden sind.

Überhaupt: Alle digitalen Speichermedien sind während der Klausuren untersagt – selbst im ausgeschalteten Zustand. Daran müssen sich ab heute knapp 600 Abiturienten im Fünfseenland halten. Auf Deutsch folgt am Freitag das zweite Pflichtfach Mathematik und am Mittwoch darauf das wählbare dritte schriftliche Abiturfach. Für Französisch gibt es am Freitag, 10. Mai, einen Sondertermin. Die Prüfungswochen für die Kolloquien sind für 20. bis 24. und 27. bis 31. Mai angesetzt. Während in Tutzing nur 60 Schüler antreten (Habersetzer: „Ein kleiner Jahrgang“), stellt das Gilchinger Christoph-Probst-Gymnasium mit 145 die meisten Abiturienten. Es folgen die Gymnasien in Gauting (134), Starnberg (117), Kempfenhausen (77) und Dießen (62).

Englisch ist das beliebteste dritte Abiturfach

In Gilching sitzen zusätzlich 19 Schüler der Montessorischule Biberkor. „Sie schreiben zum zweiten Mal bei uns mit“, sagt Schulleiter Peter Meyer und berichtet von „einer hohen Bestehensrate“. Bei den beliebtesten Wahlfächern hat – wie in vielen anderen Gymnasien – Englisch die Nase vorn, überhaupt seien alle Sprachen sehr stark, so Meyer. Auch in Gilching müssen die Abiturienten neben den Smartphones ihre Uhren abgeben. Dass ein Handy in einer Hosentasche gefunden worden sei, habe er in seinen neun Jahren als Schulleiter nur einmal erlebt.

Sämtliche seiner Kollegen bestätigen, dass vor den Prüfungen die Toiletten nach Spickhinweisen abgesucht werden. Alfred Lippl, Direktor des Ammersee-Gymnasiums in Dießen, möchte zur Aufsicht bei den Prüfungen eigentlich gar nicht viel sagen. „Das ist ein Katz’-und-Maus-Spiel. Durch die Technisierung werden die Möglichkeiten immer perfider.“

Zwei Drittel der heuer nur 62 Schüler in Dießen haben sich für Englisch als drittes Abiturfach entschieden, etwa 20 Prozent haben Kunst gewählt – ein sehr hoher Wert im Vergleich zu anderen Schulen. „Das hat Tradition bei uns“, sagt Lippl. „Wir haben drei sehr engagierte Kunstlehrer.“

An zwei Gymnasien gibt es viele Kunstbegeisterte

Auch am Otto-von-Taube Gymnasium in Gauting ist Kunst sehr beliebt. Eine Besonderheit bringen die Abi-Klausuren wegen der hochbegabten Schüler außerdem mit sich, wie Oberstufenkoordinatorin Sabine Mayer erklärt. Schüler, die am TUM-Kolleg, einer Kooperation mit der Technischen Universität München, beteiligt sind, müssen als drittes ein naturwissenschaftliches Fach wählen. Ansonsten schreiben die Hochbegabten die gleichen Prüfungen.

Die Lehrer fiebern beim Abi mit, sagt die Oberstufenbetreuerin des Starnberger Gymnasiums, Monika Baum. „Bei mir mischt sich Aufregung mit Wehmut und Freude.“ Gilchings Schulleiter Meyer sagt: „Mein großer Traum ist, dass es mal alle schaffen.“ Zu Zeiten des G 9 sei dies ja öfter vorgekommen, aber seit Einführung des G 8 sei die Quote der Nicht-Besteher gestiegen.

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Die Initiatoren klagen gegen das abgelehnte Bürgerbegehren zum Gymnasiumsstandort in Herrsching und sagen: „Wir sind nicht chancenlos.“ Der Landkreis will die Planungen weiter vorantreiben.

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Währenddessen sind die Schüler in Bayern entsetzt. War das Mathe-Abi tatsächlich zu schwer? Nun starteten sie eine Petition. 

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