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Annette Reindel und Manfred Gehrke präsentieren die Baupläne für das Wersonhaus von 1913. 

Wersonhaus

Ein Rückblick auf die gute alte Zeit

Die Sonderausstellung des Zeitreise-Vereins im Wersonhaus widmet sich der Entstehung des Gilchinger Gebäudes.

Gilching – Der Countdown läuft. Bereits für diesen Sonntag wird im Museum im Wersonhaus in Gilching der 1000. Besucher erwartet. Zu sehen ist derzeit eine faszinierende Ausstellung über die Entstehung des historischen Gebäudes. Titel: „Geschichte(n) rund ums Wersonhaus.“ In der aktuellen Ausstellung geht es mal nicht nur um Jules Werson, einen vielseitigen Künstler und Gönner der Gemeinde Gilching. Vielmehr laden Museumschefin Annette Reindel und Stellvertreter Manfred Gehrke vom Verein Zeitreise zu einem spannenden Rückblick auf die so genannte „gute alte Zeit“ ein.

„Das schöne Landhaus an der Bruckerstraße steht für das Altdorf“, erzählt Reindel. „Es steht aber auch für den Beginn des Bevölkerungswachstums. Dieser wurde mit der Eröffnung der Bahnstrecke Pasing-Herrsching 1903 eingeläutet. Die Dörfer Argelsried und Gilching haben sich dadurch auch in Bezug auf die Bevölkerungsentwicklung massiv verändert.“ Ein gutes Beispiel für einen „zugezogenen Berufspendler“ sei Jules Werson gewesen. Doch bevor er 1923 in die alte Villa eingezogen ist, wurde sie als Arztpraxis genutzt. Dr. Robert Weidner ist es auch zu verdanken, dass es im Archiv noch Fotos vom Baugrund an der Bruckerstraße, jedoch ohne Villa, gibt. Eigentümer des Areals, Planer und Bauherr der Villa war Eduard Forner, der im Mai 1913 bei der Gemeinde den Bauplan einreichte. „Bereits im August lag die Baugenehmigung vor“, betonte Gehrke.

Die „Villa Forner“ ging 1923 an Jules Werson über, der sie in „Haus 2 Birken“ umtaufte. „Er war nach dem ersten Weltkrieg mit seiner Mäzenin Marie Lindermann vor den bürgerkriegsähnlichen Unruhen in München geflüchtet und aufs Land gezogen. Das Paar begann sofort, ein Atelier an die Villa anzubauen und den Garten aufwendig zu gestalten. Hier zeigte sich seine Liebe zur Natur“, schwärmt Reindel. So sei nicht nur ein aufwendiger Rosengarten sondern auch einen Badeteich angelegt worden, der damals anrüchigen Spekulationen Nahrung bot. Zwar war das Grundstück gut eingehaust, doch Schulkinder fanden immer wieder Lücken, von wo aus sie Frauen in Badeanzügen beobachten konnten. „Das war damals nicht üblich. Es gibt auch einige Fotos dieser Badeszenen hier in der Ausstellung“, sagt Reindel.

Werson wiederum nutzte seine Werkstatt nicht nur als „Tusculum“ für kreatives Schaffen, sondern lud auch gerne zu freizügigen Künstlerfesten ein. Aufschluss für die damalige Zeit geben viele seiner hinterlassenen und gut gehüteten Zitate. Unter anderem stellte Werson 1955 fest: „Hier bekommen wir auch gerade Straßen, aber die Alten waren mir lieber. Hier in Gilching ist die neue Straße wie eine Rennstrecke, wo die Halbwüchsigen ihre Auspuffe funktionieren und ausstinken lassen.“ Zu sehen ist die Ausstellung noch bis 28. Februar.

Seit Eröffnung des Museums „SchichtWerk“ im März schauten inklusive Schulkindern 988 Besucher vorbei. Am Sonntag erwartet das Museums-Team den 1000. Besucher. Er erhält als Dankeschön einen historischen Kalender für das Jahr 2018 . Geöffnet ist von 14 bis 17 Uhr. Letztmalig in diesem Jahr wird das Museum am Dienstag, 19. Dezember, von 10 bis 12 Uhr offen sein. Näheres unter www.schichtwerk-gilching.de. 

Von Uli Singer

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