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Der Dachstuhl des Hauses im Steinlacher Weg brannte lichterloh.

Feuerwehrkommandant: „So etwas hat es lange nicht gegeben.“

Das doppelte Inferno von Gilching

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Gilching - Feueralarm in Gilching: Binnen zehn Stunden hat es gleich in zwei Wohnhäusern gebrannt – nur ein paar hundert Meter voneinander entfernt. Insgesamt sechs Bewohner kamen vorsorglich ins Krankenhaus, die Sachschäden sind in beiden Fällen enorm.

An einen solchen Jahresauftakt kann sich auch Robert Strobl, der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Gilching, nicht erinnern. Mit jeweils 35 Einsatzkräften war er als Einsatzleiter zu den Bränden am Sonntagabend und am Montagmorgen gefahren. „So etwas hat es lange nicht gegeben“, sagt er.

Sonntag, 21.50 Uhr, Zugspitzstraße:Das Ehepaar hat es sich im Wohnzimmer seines Reihenhauses gemütlich gemacht, hat noch einmal die Kerzen am Christbaum angezündet. Als die allerdings heruntergebrannt sind, geht alles rasend schnell. „Der Weihnachtsbaum ging in Sekundenschnelle in Flammen auf“, berichtet Andreas Ruch, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Germering.

Geistesgegenwärtig gelingt es dem 62 Jahre alten Hausherrn, das Feuer in Schach zu halten. Gleichzeitig setzt das Paar den Notruf ab: 112.

Die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr sind binnen weniger Minuten zur Stelle; das Feuerwehrgerätehaus befindet sich nur rund 500 Meter entfernt. Als die Retter eintreffen, ist der Christbaum bereits weitgehend verkohlt, allerdings ist das gesamte Wohnzimmer im Erdgeschoss erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Auch ein Fenster ist durch die starke Hitze geborsten. Immerhin: Durch ihr Eingreifen hätten die Bewohner Schlimmeres wohl noch verhindert, heißt es bei der Polizei. Den Gesamtschaden beziffern die Fahnder dennoch auf rund 50 000 Euro. Sowohl der 62-jährige Bewohner als auch seine Ehefrau (58) kommen mit Verdacht auf eine leichte Rauchgasvergiftung ins Starnberger Klinikum.

Montag, 7.50 Uhr, Steinlacher Weg:Aus dem Dach eines Einfamilienhaus dringt dichter beißender Qualm, Flammen schlagen in den grauen Morgenhimmel. Während bei der Integrierten Leitstelle die ersten Notrufe eingehen, müssen sich im Innern des Hauses dramatische Szenen abspielen.

In dem Gebäude leben vier Männer in einer WG: zwei Deutsche (27 und 36 Jahre alt), ein Österreicher (27) und ein Brasilianer (21). „Sehr freundliche junge Männer“, sagen mehrere Nachbarn. Sie halten auch einige Tiere, darunter Hasen. Offenbar hat der 27-jährige Österreicher am Montagmorgen einen Infrarotstrahler neben sein Bett gestellt. Dieser hat nach ersten Erkenntnissen das Bettzeug in Brand gesetzt. Feuer und Qualm breiten sich rasend schnell im Obergeschoss des älteren Anwesens aus, der Dachstuhl steht in hellen Flammen.

Als die Rettungskräfte im Steinlacher Weg eintreffen und sich mehrere Trupps unter schwerem Atemschutz mit zwei Rohren an die Löscharbeiten machen, tragen die Bewohner nur noch das, was sie am Leib haben. Zum Teil barfuß und dünn bekleidet werden sie von Polizei und Sanitätern bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt an den Feuerwehrfahrzeugen vorbei durch den Schnee zu den Sankas gebracht. BRK und Johanniter sind mit drei Rettungswagen im Einsatz, auch der Notarzt ist vor Ort. Die meisten anderen Sachen – Kleidung, Dokumente, persönliche Gegenstände – dürften durch Flammen, Ruß und Löschwasser verloren sein.

Während die vier Bewohner mit Verdacht auf leichte Rauchvergiftung vorsorglich auf dem Weg in die Krankenhäuser nach Starnberg und Tutzing sind, ist der Einsatz für die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren aus Gilching und Geisenbrunn noch lange nicht beendet. Von der Drehleiter aus fangen sie an, das Dach abzudecken. Denn zwischen Isolierung und Dachsteinen brennt und glimmt der hölzerne Dachstuhl an vielen Stellen. „Wir mussten das Dach zu zwei Dritteln entfernen“, erläutert Einsatzleiter Strobl am Nachmittag.

Erst nach zwei Stunden kann er „Feuer aus“ melden. Insgesamt zieht sich der Einsatz der 35 Wehrleute – ein gutes Dutzend von ihnen ist mit schwerem Atemschutz ausgerüstet – dreieinhalb Stunden hin. Mit sechs Fahrzeugen sind allein die Gilchinger Kameraden im Einsatz, darunter sind mit dem Löschgruppenfahrzeug LF 20 und dem Tanklöschfahrzeug TLF 4000 zwei Wagen, die ebenso wie das Hilfeleisstungslöschgruppenfahrzeug HLF 10 aus Geisenbrunn erst Mitte November offiziell in Dienst gestellt worden waren (wir berichteten).

Schön in all dem Brandchaos: Von der benachbarten Fußpflegepraxis Petra Seligmüller gibt es Thermoskannen mit heißem Tee für die Helfer. „Das ist sehr nett, dass die Leute unser ehrenamtliches Engagement zu schätzen wissen“, sagt Kommandant Strobl dazu.

Die Folgen des Brandes sind verheerend. „Das Haus ist unbewohnbar“, erklärt Kommissar Ruch. Ob es abgerissen werden muss, müssen nun die Eigentümer entscheiden. Die Kripo Fürstenfeldbruck hat die Ermittlungen aufgenommen. Sie schätzt den Schaden auf 100 000 Euro. Der Vorwurf lautet fahrlässige Brandstiftung.

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