Neue Vorfahrtsregelung an der Einmündung Am Römerstein/Münchener Straße in Gilching mit Ampel im März 2020.
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Auf einmal war die Ampel da: Das Foto vom März zeigt den Beginn der neuen Vorfahrtsregelung an der Einmündung Am Römerstein/Münchener Straße in Gilching. Wie es dort weitergeht, ist derzeit offen.

Zählung soll Aufschluss geben

Ortsdurchfahrt Gilching: Neue Vorfahrtsregelung noch unklar

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Mit Abschluss der Arbeiten am Knoten Tulpenfeld ist die Umleitung durch Gilching beendet. Ob wieder die Vorfahrtsregelung in der Ortsdurchfahrt geändert wird, ist unklar.

Gilching – Müssen sich Autofahrer in Gilching demnächst auf die dritte Änderung der Verkehrsregelung auf der Ortsdurchfahrt einstellen?

Mitte März war auf einmal alles anders, als die Gemeinde an der Kreuzung Am Römerstein/Münchener Straße eine abknickende Vorfahrt aus und nach Geisenbrunn einrichtete. Der Verkehr aus Richtung Starnberg/Autobahn musste fortan warten.

Anfang August war wieder alles anders. Weil die Umbauarbeiten am Knoten Tulpenfeld begannen und die Umleitung über Am Römerstein ausgeschildert war, war dieser auf einmal wieder vorfahrtsberechtigt. Und nun? Die Arbeiten am Tulpenfeld sind beendet. Kommt also wieder die abknickende Vorfahrt?

Gilchings Bürgermeister Walter zurückhaltend: „Diskussionen auf vielen Ebenen“

Bürgermeister Manfred Walter gibt sich auf Anfrage zurückhaltend. Er wolle erst noch mal im Ausschuss für Umwelt, Energie und Verkehr des Gemeinderats darüber beraten, sagt er. „Es gab viele Diskussionen auf vielen Ebenen.“ Zwar gehe er nach wie vor davon aus, dass es im Gemeinderat eine Mehrheit für die abknickende Vorfahrt gibt. Er wolle aber niemandem verwehren, Anträge zu dem Thema zu stellen.

In dieser Sitzung will Walter auch erste Ergebnisse einer Verkehrszählung vorlegen, die seit etwa vier bis fünf Wochen in dem Bereich läuft. Zählgeräte würden den Verkehr zwischen Rackls Backstube und der Eisdiele GelatOK aufzeichnen, erklärt Walter – auf Römerstraße und Am Römerstein sowie an den Einmündungen Münchener Straße und Landsberger Straße. Die Zählung sei auf Anraten des Landratsamtes begonnen worden. „Die Zahlen nehmen wir natürlich mit in die Diskussion im Ausschuss“, sagt Walter.

Polizei stellt klar: „Abknickende Vorfahrt war eindeutig rechtswidrig“

Für Oliver Jauch, den für den Landkreis Starnberg zuständigen Verkehrssachbearbeiter der Polizei, ist das auch dringend nötig. Zu der zwischenzeitlichen Regelung hat er eine ganz eindeutige Meinung. „Die abknickende Vorfahrt war eindeutig rechtswidrig“, sagt er gegenüber dem Starnberger Merkur. Laut gültiger Rechtslage sei eine abknickende Vorfahrt nur dann anzuordnen, wenn der Fahrzeugverkehr in dieser Richtung erheblich stärker ist als in der Geradeausrichtung, erklärt Jauch.

Ob das in Gilching der Fall ist, bezweifelt die Polizei. „Und die Gemeinde konnte das bis jetzt auch nicht nachweisen“, sagt Jauch. Belegen lasse sich so etwas ohnehin nur durch Zählungen. Was den Polizeihauptkommissar ärgert: Von Gemeindeseite aus habe es keinerlei Rücksprache mit der Polizei gegeben, weder mit ihm als zuständigem Sachbearbeiter noch mit der für Gilching zuständigen Inspektion in Germering.

Das habe er auch in einer schriftlichen Stellungnahme an das Landratsamt so festgehalten. Es sei äußerst bedenklich, wenn die örtliche Verkehrsbehörde unreflektiert Beschlüsse eines Ratsgremiums umsetze, sagt Jauch und spricht von einer „Missachtung rechtlicher Vorgaben“.

Gilching plant jetzt Bedarfsampel

Das Landratsamt geht in seiner Einschätzung nicht so weit. „Von uns wurde die abknickende Vorfahrt nicht als rechtswidrig erachtet“, sagt Behördensprecherin Barbara Beck. Allerdings könne das Landratsamt noch keine abschließende Entscheidung treffen, weil es ebenfalls auf die Ergebnisse der Zählung warte.

Wie berichtet, hatte die Gemeinde mit der abknickenden Vorfahrt auch eine Entschleunigung des Verkehrs in Gilching erreichen wollen. Die zusätzlich aufgebaute Ampel entschleunigte den Verkehr jedoch so sehr, dass es zu langen Rückstaus kam und die Ampel nur ganze sechs Stunden in Betrieb war. Anstelle der großen Ampel plant die Gemeinde nun nur noch eine Bedarfsampel für Fußgänger über den Römerstein. Im Gegensatz zur abknickenden Vorfahrt kann sich Jauch damit anfreunden. „Eine Bedarfsampel ist aus Sicherheitsaspekten bestimmt besser“, sagt er.

ps

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