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Sind ein eingeschworenes Team: Sohn Hans-Günter Förster mit seinem Vater Günter Förster und Cäcilia McKechnie vom Sozialdienst (v.l.).

Betreutes Wohnen im Alter

"Eine segensreiche Erfindung"

Gilching – Altenheime, wie sie noch im vorigen Jahrhundert gang und gäbe waren, gehören weitgehend der Vergangenheit an. Heute bevorzugen Senioren Betreutes Wohnen, entweder in einer Einrichtung oder in vertrauter Umgebung zu Hause.

Zu ihnen gehört Günter Förster aus Gilching. Wer sich zum ersten Mal auf ein Schwätzchen bei Günter Förster anmeldet, wird überrascht, wenn er dessen Wohnraum betritt. Der 89-Jährige lebt in einem Sammelsurium aus Erinnerungen an seine vor fünf Jahren verstorbene Frau.

 „Sie war begeisterte Flohmarkt-Gängerin und hat weit über tausend Enten in allen Größen, Farben und Materialien“, sagt Sohn Hans-Günther Förster. Dazu kommen unzählige Gemälde von Postkartengröße bis hin zu großen Landschafts-Aquarellen, Geschirr, Bücher und mehr. Der Sohn wohnt im Erdgeschoss und kümmert sich in seiner Freizeit um das Wohlergehen seines Vaters.

 Gleichwohl dieser geistig als auch körperlich noch recht rüstig sei, eine Lungenembolie vor Jahren schränkt die Mobilität des fast 90-Jährigen dennoch ein. Günther Förster benötigt eine Sauerstoff-Maschine mit einem relativ langen Schlauch. So kann er sich zumindest im Obergeschoss eigenständig bewegen. „Ich bin noch kein Pflegefall“, erzählt der ehemalige Auslieferungs-Leiter beim Kösel-Verlag um die Ecke. Weshalb er sich auch weitgehend selbst versorgt. Die einzige Bedingung nach dem Aufstehen: „Punkt halb Zehn muss ich meinen Sohn in seiner Firma anrufen und bestätigen, dass es mir gut geht.“ 

Um für spätere Eventualitäten gerüstet zu sein, haben Vater und Sohn einen Options-Vertrag innerhalb des Projekts „Betreutes Wohnen zu Hause“ mit dem Sozialdienst Gilching abgeschlossen. „Dieser lässt sich je nach Bedarf erweitern. Wir sind noch in Stufe eins“, erklärt der 57-Jährige Software-Ingenieur bei BMW. Darin enthalten ist ein Notrufknopf am Handgelenk, der im Notfall bei den Maltesern anschlägt. Außerdem kommt einmal die Woche eine Mitarbeiterin des Sozialdienstes zu Besuch.

 Sie schaut nach dem Rechten und lässt sich auch auf einen gemütlichen Plausch mit dem Senior ein. „Zu mir kommt immer die Dagmar. Wir verstehend uns blenden“, freut sich der gebürtige Schlesier, der 1968 nach Gilching kam. Für den Service in Stufe eins müssen monatlich 111,50 Euro angelegt werden. „Es können aber jederzeit Zusatz-Leistungen in Anspruch genommen werden“, betont Cäcilia McKechnie, Leiterin von „Betreutes Wohnen zu Hause“.

Dazu gehören zum Beispiel der Fahrten- und der Winterdienst, was die Försters bereits in Anspruch nehmen oder eine Haushaltshilfe, die ab Februar einmal täglich kommt. Wird Günter Förster irgendwann einmal zum Pflegefall, steht der Pflegedienst des Sozialdienstes zur Verfügung. „Als wir vor zehn Jahren angefangen hatten, waren es vier Mitarbeiter und zehn Personen, die durch uns betreut wurden. Wir dachten, die Obergrenze liegt bei 20 Personen, die diesen Service in Anspruch nehmen. Da hatten wir uns aber getäuscht“, sagt McKechnie. Derzeit stehen auf der Liste 40 zu betreuende Personen, mit Trend nach oben. Sie werden von 40 Mitarbeiter, davon viele Teilzeitkräfte, betreut. „Für uns ist wichtig, dass die Chemie zwischen Betreutem und Betreuer stimmt. Außerdem müssen unsere Mitarbeiter absolut zuverlässig sein.“ 

Hans-Günter Förster hält „Betreutes Wohnen zu Hause“ für eine segensreiche Erfindung. „Sowohl für meinen Vater als Betroffener als auch für mich als Angehöriger ist es eine große Erleichterung zu wissen, dass während meiner Abwesenheit für ihn gesorgt ist. So kann ich beruhigt meiner Arbeit nachgehen.“ Er räumt zwar ein, dass die Sorge um den Vaters auch diverse Einschränkungen für ihn bedeutet. Doch jammern ist nicht sein Fall. „Ich bin halt jetzt zum alleinerziehenden Sohn geworden und ich mache es auch gerne“.

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