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Wie voll ist die Flasche? Von Bernhard Siegels Fähigkeiten war auch der damalige Moderator Markus Lanz beeindruckt. 9,04 Millionen Menschen schauten aus.

Was macht eigentlich...?

Bernhard Sigels Leben nach "Wetten, dass...?" 

Gilching - Bernhard Siegel aus Gilching war vor drei Jahren Wettkönig bei "Wetten, dass...?". Am Samstag spielt er in Gilching für einen neuen Flügel.

Gute drei Jahre ist es her, da sorgte ein Gilchinger bei der Fernsehshow „Wetten, dass...?“ für Furore: Der damals 24-jährige Musikstudent Bernhard Siegel hantierte auf atemberaubende Weise mit Flaschen herum, um nach viel Geploppe und Gepfeife dem Publikum den genauen Füllstand mitzuteilen. Ohne etwas sehen zu können, ist klar. Das Publikum war dermaßen begeistert, dass es Siegel zum Wettkönig kürte. Was macht so eine Show mit jemandem, und was ist aus Siegel geworden? Wir haben nachgefragt.

Wenn Bernhard Siegel einmal auf sein Leben zurückblickt, dann möchte er dort keine verpassten Chancen vorfinden. Der 28-Jährige ist Pilot und Musiker – und wenn er sich etwas vornimmt, dann gibt er alles. Immer. Bei einer Durchfallquote von 90 Prozent bestand er den DLR-Fug-Test und arbeitet aktuell für Germania, bis er zur Lufthansa wechselt, wurde als einer von wenigen in Münchens Musikhochschule aufgenommen. Der Oberpfaffenhofener verfügt über das absolute Gehör, das ihm auch bei „Wetten, dass...?“ zum Erfolg verhalf.

Mit Ehrgeiz und Leidenschaft geht der geborene Gilchinger durch sein Leben. Dass sein Talent nicht selbstverständlich ist, weiß und schätzt er. Ein Geschenk. Unterdessen sitzt er im Airbus A320 und fliegt Passagiere von A nach B. Eine Leidenschaft, die ihm seine Musik finanziert. Weil: „Du kannst nicht darauf bauen, von der Musik leben zu können.“

Der Wettkönig hätte er sich noch eine Weile ins Rampenlicht stellen können. Das Frühstücksfernsehen lud ihn ein, der BR und vor einer Woche kam eine Anfrage aus Holland, in der niederländischen „Wetten, dass..?“-Reihe aufzutreten. Er lehnte ab. Damals und heute.

„Ich bin kein Flaschengeist“, sagt Siegel, der als mittleres von fünf Kindern in einer Musikerfamilie groß wurde. Eine einmalige Sache, eine tolle, aber eben einmalige Erfahrung war das, als er sich bei Markus Lanz bewarb, Flaschen mit einer Flüssigkeit füllte und die Töne auswendig lernte, die beim Ploppen mit dem Zeigefinger am Ausgang des Flaschenhalses entstehen. Zu jedem Ton lernte er eine Zahl auswendig und bestimmte damit auf zwei Milligramm genau den Inhalt. Mit Ehrgeiz, Fleiß und jener Leidenschaft, die sein Leben bestimmen. Den Satz „Hätte ich doch“ kennt er nicht.

Seinen bisherigen Werdegang sieht er als so etwas wie eine glückliche Fügung. Dazu gehören Glück und Ehrgeiz. Glück, dass er fünf Jahre nach Vollendung der Ausbildung als einer der letzten Piloten noch im Lufthansakonzern unterkam. Das ermöglicht ihm, momentan bei Germanwings und in Zukunft bei Lufthansa Teilzeit zu fliegen und nebenher zu studieren. Glück, dass er im Nebenfach Piano einen Professor zugewiesen bekam, der sein Talent erkannte und ihn überzeugte, das Tasteninstrument zum Hauptfach zu machen. Und Ehrgeiz, weil er nach seinem ersten Flug in der Ausbildung aus den USA nach München flog, und die Aufnahmeprüfung für die Hochschule mit einem Jetlag absolvierte. Und bestand. Ehrgeiz, weil er, seit er denken kann, teilweise fünf bis zu zehn Stunden am Klavier sitzt und übt. Die Stunden steckte der damals arbeitslose Pilot in seinen Auftritt bei ZDF. Das Preisgeld finanzierte ihm 18 Monate Studium. Verpasste Chancen? Mangelware.

Dabei ist Bernhard Siegel auch in seinem Heimatort durchaus präsent. Wer ihn als Pianisten erleben möchte, hat dazu am kommenden Samstag, 9. Juli, die Gelegenheit. In der Aula des Christoph-Probst-Gymnasiums spielt er für den guten Zweck, nämlich den Kauf eines neuen Flügels für die Musikschule, die von seinem Vater Roland Siegel geleitet wird. Auf dem Programm stehen ab 19.30 Uhr Werke von Rachmaninov, Chopin, Prokofjew, Debussy und Gershwin. „Ein Konzert nicht nur für Klassikfans, sondern einfach schöne Stücke, die ins Ohr gehen“, betont der Musiker. Mehr über Bernhard Siegel unter www.bernhardsiegel.de.

mk

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