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Im „circle“ sitzen die Gautinger Grundschüler vor ihrer Lehrerin Barbara Kortus und der interaktiven Tafel – es ist Mathe-Unterricht.

Modellversuch

Zweisprachig Rechnen lernen

Gauting - Zweisprachig wachsen Kinder wie selbstverständlich auf, wenn ihre Eltern in unterschiedlichen Muttersprachen reden. Zweisprachig in der Grundschule lernen, steckt noch in den Kinderschuhen. Die Gautinger Schule nimmt an einem Modellversuch teil.

„Hello, good morning.“ Singend begrüßen die 27 Kinder der Klasse 2c der Grundschule Gauting ihren Gast. „I’m good, I’m great, I’m wonderful“ (Ich bin gut, groß, wunderbar) geht der Song weiter. Gestärkt setzen sich die Mädchen und Buben danach in den „Circle“ – und zählen in Fünferschritten „backwards“. Lehrerin Barbara Kortus unterrichtet Mathematik zweisprachig (bilingual): Die Gautinger Grundschule beteiligt sich am neuen Modellversuch bilinguale Klasse des Bildungspakts Bayern – als einzige im Landkreis Starnberg.

„That was quite hard“ (Das war ziemlich mühevoll), meint die Lehrerin. Denn die 27 Zweitklässler haben gerade hoch konzentriert rückwärts gezählt – auf Englisch. Danach wird gerätselt: Was ist wohl dieses Mal in der „mystery box“ (geheimen Schachtel)? Klar, Rechenaufgaben. Ein „Alligator“-Kuscheltier spuckt Zettel aus: „Eighty one is less than hundred“ erkennt Valentina sofort. Die Gautinger Klasse 2c lernt schon im zweiten Jahr bilingual. In ganz Bayern gibt es nur 20 Modell-Grundschulen, die diese Förderung der Sprachkompetenz anbieten, erläutert die Lehrerin.

An den Schulstandorten Ammerseestraße und Schulstraße gibt es seit Herbst 2015 die „Bili-Klasse.“ Ohne den Vorrang von Deutsch zu gefährden, unterrichtet die dafür eigens ausgebildete Lehrerin Barbara Kortus Kernfächer zum Teil auf Englisch. Der Modellversuch ist ein Projekt der Stiftung Bildungspakt Bayern – und läuft vier Jahre. Wissenschaftlich begleitet Professor Dr. Heiner Böttger von der Katholischen Universität Eichstätt den Versuch.

Im eher akademisch geprägten Gauting ist die Nachfrage groß. Manchmal sitzen auch „native speaker“ in der Klasse. Zum Beispiel Alexander. „Ich komme aus England“, sagt der aufgeweckte Schüler: „Zu Hause spreche ich Englisch.“ Doch im Team seiner Klassenkameraden spricht der Siebenjährige Deutsch. Und zwar perfekt. „Mir gefällt‘s, dass wir hier in der Klasse beide Sprachen sprechen“, sagt Alexander. „Ich liebe Schule und Englisch: Das ist toll“, schwärmt Lucy. „Fußballtraining und Mathe mache ich am liebsten“, bekennt Florian (7). Dass er die bilinguale Klasse besucht, „war Mamas Idee“.

Es dauere im bilingualen Unterricht zwar manchmal etwas länger, bis der Groschen fällt, aber: „Jedes Kind profitiert, weil es seine Sprachkompetenz fördert“, sagt die Lehrerin. Barbara Kortus und ihre „Bili“-Kollegin Michéle Heinelt haben nur einen Wunsch: „Es wäre schön, wenn unsere Klassen etwas kleiner wären und wir mehr Zeit für die Schüler hätten.“

Christine Cless-Wesle

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