Gymnasium: In Siegeslaune

Herrsching - Gemeinde und Förderverein gehen fest von der Genehmigung eines Gymnasiums in Herrsching aus. Bei einer FDP-Veranstaltung begann eine neue Debatte - über Zweige, Lehrmethoden und den Neubau am nördlichen Ortsende.

Die Entscheidung im bayerischen Ministerrat über ein Gymnasium in Herrsching könnte schon in den kommenden zwei Wochen fallen. Forschungsminister Dr. Wolfgang Heubisch (FDP) geht davon aus, dass sie „sehr zeitnah“ getroffen werde. Bei einer Diskussionsrunde der Herrschinger Liberalen nannte er am Mittwochabend zwei denkbare Termine: Die Sitzungen am kommenden Dienstag und am 3. September. Intern, so wird gemunkelt, habe Kultusminister Ludwig Spaenle der neuen Schule bereits zugestimmt.

Von Heubisch erwarteten die rund 30 Zuhörer und der FDP-Ortsvorsitzende Leonhard Meuffels natürlich eine klare Aussage, die der Minister jedoch nicht liefern konnte. Er persönlich teile die Einschätzung seines Partei- und Kabinettskollegen Martin Zeil, der diese Woche großen Optimismus an den Tag gelegt hatte. „Man weiß ja nicht, wie die Wahlen ausgehen. Es wäre also besser, der Ministerrat würde vorher entscheiden“, meinte Heubisch augenzwinkernd. Jens Waltermann, Vorsitzender des Fördervereins für ein zweites Gymnasium im westlichen Landkreis und FDP-Mitglied, ist ebenfalls „außerordentlich optimistisch“. Politische Einigkeit hilft dabei: FDP und CSU hätten die Idee immer unterstützt, andere Parteien seien inzwischen eingeschwenkt. Nur die Freien Wähler seien noch skeptisch.

Kritische Nachfragen aus dem Publikum, ob es ein Gymnasium angesichts der Nähe Gilchings wirklich braucht, brachten ihn nicht aus der Ruhe. Für Herrschinger mag Gilching nahe sein, aber der Schulweg für Kinder aus Andechs oder Breitbrunn betrage mit Anfahrt zur S-Bahn am Tag eben jene zwei Stunden, die der Verein als ein Argument für die neue Schule anführt. Derzeit gebe es im westlichen Landkreis 2250 Gymnasiasten, zwei Drittel davon in Gilching. Rund 600 pendelten aus, „weil der reiche Landkreis Starnberg nicht in der Lage ist, sie zu beschulen“. 350 davon seien Herrschinger, ergänzte Bürgermeister Christian Schiller.

Nachdem die erste Hürde - die Genehmigung an sich - genommen scheint, beginnt eine neue Debatte. Welches Gymnasium soll in Herrsching entstehen? Schiller verwies auf die einmalige Chance, ein Gymnasium schon bei der Planung auf G8 und Ganztagsbetreuung auszurichten. Für Fachrichtungen oder Zweige, pädagogische Konzepte und dergleichen habe der Förderverein noch keine fertigen Konzepte, sagte Waltermann, weil dies bei der Standortentscheidung nach den Regularien keine Rolle spiele. Es gebe jedoch „viele Ideen“. Ein Vater merkte an, „eine Kopie eines klassischen bayerischen Gymnasiums brauchen wir nicht“. Er würde seine Kinder auch auf weiter entfernte Gymnasien schicken, wenn das Angebot dort besser wäre. Moderatorin Britta Hundesrügge brachte Lernlandschaften oder iPad-Unterricht ins Gespräch. Heubisch wollte in diesem Punkt keine Empfehlungen geben, merkte jedoch an, mathematisch-technische Schulen seien nicht alles. Er forderte die Betroffenen auf, sich in die Debatte einzubringen.

Ausrichtung und Zweig, sagte der Minister nach der Veranstaltung auf Nachfrage, werden vom Kultusministerium festgelegt - allerdings nicht sofort. Waltermann sieht die Zukunft des Herrschinger Gymnasiums in einer „echten Ergänzung“ der anderen Schulen. Er ist für außergewöhnliche Unterrichtsformen wie zweisprachigen Unterricht jedoch kaum zu begeistern. Es sollte immer ein öffentliches Gymnasium sein, keine spezialisierte Privatschule.

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