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Das „Opfer“ Thomas Scharm (2.v.l.) mit Mutter Hildegard und Ekki Lehner (2.v.r.) sowie Norbert Arnold.

Zum 60. Geburtstag

Haberer zu Gast bei Thomas Scharm

Thomas Scharm ist in Hochstadt bekannt wie ein bunter Hund. Zu seinem Geburtstag heben sich Freunde nun etwas ganz Besonderes ausgedacht - und damit einen alten Brauch wiederbelebt.

Hochstadt – Ist im Weßlinger Ortsteil Hochstadt von einem „wuidn Hund“ die Rede, geht es meist um Thomas Scharm. Keine Gaudi, bei der der Familienvater nicht die Nase vorne hat, kein Streich ohne seine Handschrift. Gleichzeitig engagiert sich der Elektromeister bei der Freiwilligen Feuerwehr und im Schützenverein. „Mittlerweile hat er etwas zu viel auf dem Kerbholz“, überlegten sich da rund zehn Freunde, die anlässlich des 60. Geburtstags von Scharm in der Nacht zum Freitag zum Haberfeldtreiben gegen ihn aufriefen. Das Haberfeldtreiben ist ein heute eher seltenes Rügegericht im bayerischen Oberland, mit Richtern, die geschwärzte Gesichter haben. Dabei handelt es sich um ein nach festen Regeln ablaufendes Ritual, in dessen Verlauf Beschuldigten in Versform ihre Verfehlungen vorgehalten werden.

Freunde lesen Geburtstagskind die Leviten

Scharms Freunde machten sich spät abends auf den Weg, um dem Jubilar die Leviten zu lesen und zerrten das überraschte Geburtstagskind unsanft vor die Haustür. Dem eingefleischten 60er Fan wurde unter anderem vorgeworfen, Spiele der Bayern zu besuchen, nur um dem Chef einer Elektrofirma zu gefallen. Aber auch Scharms Pilgerreise auf dem Jakobsweg wurde angeprangert, sei er doch Protestant und habe da nix verloren, so die Haberer. Wobei der Hochstadter bei gerade mal fünf Grad über Null nackig im Atlantik badete, das Geschlecht lediglich mit einer Jakobsmuschel bedeckt. „Das kommt einer Sünde gleich“, warfen ihm die Haberer vor.

Ein Stein als Buße

Jedem Vorwurf folgte seitens des Haberermeisters ein lautes „Is des wahr?“, was von den Haberern im Fackelschein und begleitet von Glocken, Ratschen, Trommeln und Trompeten zustimmend mit „Ja, wahr is“ beantwortet wurde. Als Buße bekam der 60-Jährige auferlegt, einen ein Kilogramm schweren „Sünderstein“ auf seiner Romreise im Rucksack mitzunehmen. Denn Scharm und Freunde radeln am 9. Mai die 1100 Kilometer bis zum Petersplatz und bergauf sei es dann schon eine große Last, die der Sünder da zu tragen habe, erklärte ein Haberer. Scharms Kommentar: „Es gibt gar nie nix, was ein bayerischer Elektromeister net kenna dat.“

Uli Singer

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