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Variante mit Licht: Auch die Verdunkelung ist ein Problem der Pflanzen. Diese Lösung soll Abhilfe schaffen.

Waldschutz

„Hauptsache kein Zaun mehr“

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Frieding – Junge Bäume müssen in den Wäldern vor dem Verbiss der Tiere geschützt werden. Dafür gibt es verschiedene Ansätze – unter anderem das „Waldwunder“.

„Das ist ganz schön mühselig“, findet Georg Zerhoch. Der Friedinger Waldbesitzer und Jäger ist einer von einer Handvoll weiterer Waldbesitzer und Jäger, die am Samstag Friedinger Waldboden nach jungen Forstpflanzen absuchen. Zu ihrem Schutz stellen sie Wuchshilfen auf. Vier verschiedene liegen bereit: Tuben-Röhren und -Gitter, ordinäre Stäbe und das „WaldWunder“. So nennt sich ein eckiges Holzgestell, das vor allen Dingen Wildverbiss, aber auch das so genannte Verfegen durch Böcke verhindern soll. 

Durch Lichteinfall und Durchlüftung sollen darüber hinaus Verpilzung, Verdunkelung oder Befall durch Wespen oder Blattläuse gar nicht erst auftreten, verspricht der Hersteller. Der Hersteller des Waldwunders ist Erich Birner aus dem Pfälzer Wald. Auf ihn aufmerksam geworden ist der Pächter der Friedinger Jagd, Dr. Christian Schneider. Gemeinsam machen sie den Wald nun zur Referenzfläche in Bayern. Ein Versuch. Im nächsten Jahr weiß man dann mehr. Als Tierarzt und Jäger ist Schneider Gegner von Zäunen, die den Waldbesitzern früher subventioniert wurden. „Damit wurden die Rehe ausgesperrt und konnten nichts verbeißen. Aber die restliche zur Verfügung stehende Fläche wurde kleiner, der Verbissdruck dort höher. 

Tannen sind "das Nutella für die Rehe"

Außerdem strangulierten sich oft erschreckte oder von Hunden gehetzte Tiere in den Zäunen. Das kann nicht Sinn und Zweck sein“, sagt er. Seit einiger Zeit gibt es keine Subventionen mehr. „Und die Bauern sind offen für Neues“, freut er sich. Er arbeitet eng mit der Jagdgenossenschaft zusammen. Gemeinsam liegt ihnen viel am natürlichen Waldumbau. Und als Schneider anbot, 200 dieser Waldwunder auf eigene Kosten anzuschaffen, sagten die Jagdgenossen nicht nein. „Für mich ergab sich die Gelegenheit, weil sich herausstellte, dass meine Jagdpacht nicht so groß ist wie angenommen. Ich bekam Geld zurück und habe dies so gleich refinanziert“, erklärt Schneider. 

Über ein Netz von Förstern, Jägern und Pächtern entstand Kontakt zu Martin Sattler von der Firma Tubex. Auch er ist am Samstag bei der Aufforstaktion dabei – im Gepäck einige hundert Röhren und Gitter, die die Firma für einen Vergleichsversuch kostenlos zur Verfügung stellt. In der Lichtung im Buchenaltholz von Markus Painhofer, in der die Waldbesitzer, Jäger, Pächter und Hersteller arbeiten, gibt es jede Menge junger Pflanzen. Buchen, Fichten und zehn bis 15 Tannen haben sie gefunden. Alle drei bis vier Meter wird ein Pflänzchen geschützt. Tannen sind für Erlings Revierförster Wolfgang Lechner von besonderer Klimabedeutung, weil sie tief wurzeln und damit auch den vielen Stürmen standhalten. Allerdings sind sie auch beim Wild beliebt, „das Nutella für die Rehe“, wie Lechner es ausdrückt. Darum gilt es, die jungen Pflanzen zu schützen. „Man muss schauen, dass man sie hochbringt“, so Zerhoch. Viele Jahre war er Jagdvorstand in der Friedinger Genossenschaft. Vor zwei Jahren ist er zu den Jägern gewechselt, sagt er und lacht dabei. Er selbst hat etwa 15 Hektar Wald. Die Stürme haben auch ihn hart getroffen, ebenso das Klima. „Gerade ist die kritische Phase“, erklärt er. 

600 Pflanzen sollen im ersten Jahr geschützt werden

Der Spätfrost kann einen Riesenschaden anrichten. Er schaut hoch ins Laub und sagt, „heuer haben wir nochmal Glück gehabt“. Es ist ja nicht so, dass man im Wald schnell Ersatz findet. Bis zum Umscheiden wächst eine Fichte 80 Jahre, eine Rotbuche 120, weiß Zerhoch. „Das tät ich mir von der Politik auch wünschen, dass sie so nachhaltig denkt“, spricht er und wendet sich wieder dem Waldwunder zu. Um Bäume so lange wachsen zu lassen, sind daher die ersten Jahre entscheidend. Vor allem die obere Knospe gilt es zu schützen. „Die ist entscheidend beim Verbiss“, so Lechner. Er ist an diesem Samstag nur interessierter Zuschauer, der sich über die „aufgefundene Naturverjüngung freut“, denn der Klimawandel hat auch in der Waldwirtschaft zu einem Umdenken geführt. 

Und Lechner hat ein Auge darauf, dass es viele klimaneutrale, sprich resistente Bäume, wie die Tanne gibt. Etwa 600 Pflanzen sollen in Frieding im ersten Jahr geschützt werden. An diesem sonnigen Tag ein schöner Zeitvertreib, mitten in der Natur. Ob die Aktion von Erfolg gekrönt sein wird, kann man erst im nächsten Jahr sagen. Auch welche Form des Schutzes sich am besten bewährt hat - ob Waldwunder oder Plastikröhre - wird erst das nächste Jahr zeigen. „Hauptsache kein Zaun mehr“, freut sich Dr. Christian Schneider.

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