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„Dieses Singer-Songwriter-Ding, das werde ich wohl bis zu meinem Lebensende machen“, sagt Martin Schmitt (48) von sich

Bühnenjubiläum

30 Jahre und kein bisschen müde

Hechendorf - Die Musik hat ihn nicht losgelassen, darum schmiss er das Elektrotechnik-Studium und blieb auf der Bühne, an seinem Klavier. Der 48-jährige Martin Schmitt aus Hechendorf ist damit erfolgreich, und dies nun schon seit 30 Jahren. Das wird groß gefeiert.

Es gibt da diese Geschichte, als jemand von Martin Schmitt wissen wollte, warum er denn „mit dem Skispringen aufgehört“ habe? Der 48-jährige Hechendorfer sah sich damals einer Verwechslung mit dem berühmten sportlichen Namensvetter ausgesetzt, doch offenbar traute es der Fragesteller dem Piano-Allrounder ohne Weiteres zu, durch die Lüfte zu fliegen – wenn Schmitt nicht gerade sein Brot als Entertainer am Klavier verdiente.

Die Wahrnehmung durch das Publikum war in der Karriere des gebürtigen Gräfelfingers schon immer ein Kapitel für sich: Mit etwa 18, 19 Jahren hatte er seine ersten „Gigs“ (Auftritte) im Planegger „Pe Es“ als Boogie- und Blues-Spieler, damals noch gänzlich ohne Text und Gesang. Schmitt, der am Pasinger Max-Planck-Gymnasium Abitur gemacht hat, begann ein ungeliebtes Studium der Elektrotechnik, wechselte während dieser Zeit sozusagen zwischen den Amplituden „Konzert/Emotion“ und „nüchterner Hörsaal“ hin und her. Die Musik obsiegte letztlich, kurz vor der elektrotechnischen Diplom-Abschlussarbeit: Und nächste Woche feiert Martin Schmitt im Rahmen eines bereits ausverkauften Konzertabends in der Münchner Philharmonie sein 30. Bühnenjubiläum.

Sein früh verstorbener Vater, ein Geschäftsmann, sei „eine für mich extrem prägende Persönlichkeit“ gewesen, sagt der Hechendorfer.„Was er nicht gern sah, war meine Unentschlossenheit“, erinnert sich der Hechendorfer. Als Schmitt sich für die Laufbahn am Pianoforte entschieden hatte, war auch der Papa damit einverstanden. Der musikalische Großvater mütterlicherseits gab ihm eine Heimorgel, brachte ihm als erster „Lehrer“ auch das Tuba-Spielen bei, „klassisches bayerisches Volksfest-Repertoire“, aber auch das Spielen in Dixieland-Bands – und die Eltern schafften daheim ein Klavier für den Sohn an. „Mit ungefähr zwölf hatte ich bereits die Plattensammlung meines Vaters gestürmt – sehr Jazzlastiges, viel Swing und Boogie-Woogie-Sachen, Rock’n’Roll, auch viel Piano.“

Der professionelle Einstieg in die Live-Schiene fand erst in einer „American Bar“ am Leonrodplatz und dann vor allem am Kaiserplatz in Schwabing statt, im „La cage aux folles“, zu jener Zeit so etwas wie die süddeutsche Dépendance der Hamburger Blues- und Boogie-Könige: „Vierhändig an zwei Klavieren, 100 Mark am Abend, acht Mal im Monat – das war damals super!“ Schmitt wollte spielen, spielen, spielen, und dies zog Kreise. Der von Veranstaltern und Publikum zunächst auf „Blues- und Boogie-Virtuose“ reduzierte Musiker war auf der Bühne „anfangs sehr zurückhaltend“ gewesen, hatte allenfalls auf Englisch gesungen – und auf Deutsch die Ansagen gemacht. Diese von Schmitt als „Bruch“ empfundene Zweisprachigkeit sollte aufhören, fand er eines Tages: „Pianospiel, dazu englischer Gesang und deutsches Entertainment sollten aus einem Guss sein.“ Die Leute klatschten freilich nicht alle sofort Beifall für diesen Schritt in die Nische: Piano mit bairischen Texten? Die meisten habe er auf seinem Weg „mitreißen“ können.

Manches, so merkte Schmitt, sei für ihn durchaus „erschöpflich“ gewesen. Deshalb veränderte er seinen Stil und die Akzentuierungen seines Live-Programms immer wieder. Eine von Schmitts vielen „Tonarten“ ist heute unter anderem die Melancholie eines Billy Joel. Persönliches hat auch er immer wieder verarbeitet, in der Musik wie in seinen Texten. „Grundsätzlich mache ich mir über diesen Anteil von Wahrheit und Dichtung nicht so viele Gedanken.“ Natürlich habe er Momente im Leben gehabt, die als Initialzündung für irgendwas dienten.

Hinter der für seine stetig wachsende Fan-Gemeinde leicht konsumierbaren Rolle als gut gelaunter „Mann am Klavier“ schimmert bei den Live-Auftritten auch immer wieder ein nach innen gekehrter Martin Schmitt durch, der in Liedern wie „Nimma dahoam“ um die eigenen Wurzeln kreist und in einer CD wie „Aufbassn“ die größeren und kleineren Katastrophen der Moderne so unnachahmlich auf den Punkt bringt: „Dieses Singer-Songwriter-Ding, das werde ich wohl bis zu meinem Lebensende machen“, ist sich der 48-Jährige inzwischen sicher. „I bin der Mann über Bord auf dem Beziehungsschiff...“ singt Schmitt in „Sehnot“ über die Ernüchterungen des Daseins und das zuweilen drohende Selbstmitleid. Martin Schmitt sagt und singt, er sei Optimist. Einer wie er, der so viele Pianotastenanschläge im Repertoire hat, könnte es wohl auch mit dem Skispringen probieren.

Ein Fest mit Freunden: 

Wenn Martin Schmitt am 24.April in der bereits ausverkauften Münchner Philharmonie offiziell sein 30.Bühnenjubiläum feiert, werden zahlreiche musikalische Weggefährten gemeinsam mit ihm ein Konzert geben: Mit von der Partie sind die Spider Murphy Gang, Axel Zwingenberger, Claudia Koreck, Torsten Goods, Bodo Wartke, Joja Wendt.

„Joja und Axel zum Beispiel begleiten mich schon seit Beginn meiner Karriere 1986 und repräsentieren meine Wurzeln Blues, Boogie Woogie und Harlem Stride und andere Solo-Piano-Stilarten“, sagt Schmitt. Mit dem Klavierkabarettisten Bodo Wartke kommt ein Kollege zur Bühnen-Sause, den er vor sieben Jahren in Hamburg kennen gelernt hat. „Absolute Spitze“, so der Gastgeber.

Mit Claudia Koreck war Schmitt wiederum einmal gemeinsam aufgetreten – und der Kontakt zu den „Spiders“ sei über seinen langjährigen Freund Ludwig Seuß zu Stande gekommen. „Ich bin seit 35 Jahren Fan“, sagt der Jubilar voller Vorfreude auf die „Kultmusiker“.

Das Konzert werde „einen großen Bogen vom klassischen Blues und Boogie Woogie über Piano-Artistisches bis zu Klavierkabarett in Reimform spannen, von R & B, Jazz und Singer-Songwriter zu bayerischer Liedemacherei und bayerischem Rock’n’Roll“.

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