Mal wieder bester Scorer des Abends: Jung-Nationalspieler Daniel Malescha machte gegen Berlin 23 Punkte. foto: svj

TSV Herrsching ärgert den großen Favoriten

Herrsching - Die Bundesliga-Volleyballer des TSV Herrsching haben den großen Favoriten Berlin ganz schön geärgert. Zu einem Punktgewinn reichte es aber nicht. Endergebnis: 1:3

„Wir wollten den Punkt. Doch leider hat am Ende ein wenig das Glück gefehlt.“ Das sagte Max Hauser, Trainer des TSV Herrsching, nach dem 1:3 (32:30, 23:25, 17:25, 20:25) gegen die Berlin Recycling Volleys. Während die Hauptstädter nach dem neunten Sieg im neunten Spiel unangefochten an der Tabellenspitze der Bundesliga thronen, rangiert der Klub vom Ammersee zur Winterpause auf dem 8. Platz.

Dennoch feierte sich der Klub, der vor vier Jahren wohlgemerkt noch in der Bayernliga spielte, am Samstagabend selbst. „Ein Hoch auf uns“, sang die 14-jährige Abigel Antal von der Schülerband der Herrschinger Realschule nach Spielende und sorgte für Gänsehautatmosphäre unter den 1000 Zuschauern Nikolaushalle.

Zuvor, während des knapp zwei Stunden dauernden Matches, hatten die Zuschauer in der restlos ausverkauften Arena für eine „brutale Stimmung“ (Hauser) gesorgt. Und die schwappte auch aufs Feld über. „Ich dachte, die Decke fliegt weg“, lobte Daniel Malescha, mit 23 Punkten einmal mehr bester Scorer des Tages, das Publikum. Auch Berlins Trainer Roberto Serniotti genoss die Stimmung im Herrschinger Hexenkessel. Nach der engen Partie zeigte sich der Italiener dann aber spürbar erleichtert: „Es war das erwartet schwierige Match. Der zweite Satz war für den weiteren Spielverlauf entscheidend. Wir konnten uns mit Herz und Kampfgeist aus den kritischen Situationen befreien und behielten die Nerven.“

Wie bereits vor Wochenfrist lieferte Herrsching den Beweis ab, dass man gegen die Top-Teams der Liga mithalten kann. Am Ende setzte sich dann aber doch die spielerische Klasse und Qualität durch. Hauser machte in einigen Phasen des Spiels bei seinen Akteuren „teilweise Unvermögen und verschenkte Bällen“ aus. Zudem haderte man ein ums andere Mal mit dem Schiedsrichtergespann Ferdinand Rill (Kaiserslautern) und Benedikt Geuke (Stuttgart), die einige strittige Entscheidungen fällten, meistens allerdings zu Gunsten des Spitzenreiters.

Im ersten Satz rannten die Herrschinger zunächst einem Rückstand hinterher. Das 6:8 nach der ersten taktischen Auszeit verwandelten die Hausherren aber, auch dank einer starken Aufschlagserie von Phillip Trenkler, in eine 16:13-Führung. Danach entwickelte sich ein wahres Schneckenrennen. Eine Fehlentscheidung von Rill bescherte den Berlinern den ersten Satzball, den Daniel Malescha und Peter Ondrovic aber erfolgreich abwehren konnten. Die folgenden Ballwechsel waren nichts für schwache Nerven. Insgesamt sechs Satzbälle versemmelte Herrsching, der siebte - ein Ass von Julius Höfer - saß. 32:30. Ein Satzgewinn gegen Berlin. Der Wahnsinn. Die Nikolaushalle stand Kopf.

Auch im zweiten Durchgang spielte Herrsching unbekümmert weiter. „Den müssen wir einfach gewinnen“, haderte Hauser hernach. Beständig führten die Hausherren, doch in der Schlussphase drehte Berlin auf und konnte den Durchtgang für sich entscheiden (23:25). Satz drei war eine klare Sache für Berlin. Nach dem zwischenzeitlichen 8:5 verlor Herrsching abermals den Faden. Die Gäste, angeführt von ihrem starken Zuspieler Tsimafei Zhukoski, stabilisierten sich in Angriff und Annahme und zogen unaufhaltsam davon. Ondrovic’ Aufschlag ins Netz besiegelte schließlich das 17:25.

Im vierten Satz ging es wieder hin und her. Mitte des Durchgangs fehlte es aber im Herrschinger Spiel etwas an der Präzision, die Berliner wurden schließlich ihrer Favoritenrolle gerecht. Mit einem krachenden Schmetterball sorgte Berlins Tomas Kmet für die Entscheidung (20:25). Während der Liga-Primus sichtlich erleichtert aus der Halle schlich, feierten die Verlierer mit ihren Fans.

Am 13. Januar 2016 geht es weiter. Dann empfängt Herrsching die Netzhoppers KW-Bestensee, drei Tage später geht’s zum Schlusslicht CV Mitteldeutschland. Das sind die Gegner, gegen die gepunktet werden muss. „Dann zeigt sich, in welche Richtung wir schauen müssen“, sagte Hauser. (Dirk Schiffner)

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